Kunst sehen, fühlen, erleben

Anna Jermolaewa signiert am kommenden Montag die von ihr gestaltete VN-Seite.
BREGENZ Während der Sommermonate ist die renommierte Künstlerin Anna Jermolaewa mit einer Ausstellung im Kunsthaus Bregenz vertreten. Aus diesem Anlass hat sie eigens für diese Ausgabe der VN eine Panoramaseite gestaltet, die sie nach einem Gespräch mit KUB-Direktor Thomas D. Trummer am kommenden Montag, 10. Juli, um 18.30 Uhr exklusiv für die VN-Leserinnen und -Leser signieren wird.
Jermolaewa ist für ihr vielseitiges Werk in den Bereichen Malerei, Grafik, Neue Medien und Medienkunst bekannt. Sie wurde 1970 in Leningrad, Russland, geboren und lebt seit 1989 in Wien. Jermolaewa hat an renommierten Institutionen studiert und gelehrt, ihre Werke sind weltweit in bedeutenden Kunstsammlungen vertreten.
1998 schloss Jermolaewa ihr Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien ab. Anschließend setzte sie ihre Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Wien fort, wo sie 2002 ihr Diplom für Malerei, Grafik und Neue Medien erhielt. Ihre fundierte Ausbildung ermöglichte es ihr, ein breites Spektrum künstlerischer Techniken und Medien zu erforschen und weiterzuentwickeln.
Jermolaewa ist nicht nur als Künstlerin tätig, sondern hat auch eine beeindruckende akademische Karriere vorzuweisen. Von 2006 bis 2011 war sie Professorin für Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung/ZKM in Karlsruhe. Von 2016 bis 2017 hatte sie eine Gastprofessur für Kunst im zeitgenössischen Kontext an der Kunsthochschule Kassel inne. Seit 2018 ist sie Professorin für Experimentelle Gestaltung an der Universität für künstlerische Gestaltung Linz, wo sie ihr Wissen und ihre kreativen Fähigkeiten an die nächste Künstlergeneration weitergibt.
60. Biennale in Venedig
Die Konzeptkünstlerin verarbeitet in ihren politischen Arbeiten Geschichten des menschlichen Zusammenlebens und gesellschaftskritische Themen in Fotografien, Filmen, Zeichnungen und Installationen. Ihre Werke befinden sich in zahlreichen Sammlungen österreichischer und internationaler Institutionen, darunter das Mumok und das Belvedere in Wien sowie das Stedelijk Museum in Amsterdam. Jermolaewa wird auch den Österreich-Pavillon auf der 60. Biennale in Venedig 2024 gestalten.
Das Kunsthaus Bregenz ist seit Langem eng mit der Künstlerin verbunden. Mehrere ihrer Hauptwerke befinden sich in der Sammlung des Hauses. Drei Installationen werden von 15. Juli bis 29. Oktober 2023 im KUB-Erdgeschoss präsentiert. Im KUB werden unter anderem Arbeiten aus der Serie Chernobyl Safari“ zu sehen sein, für die Jermolaewa zwischen 2014 und 2021 auf Foto- und Videosafari in der Sperrzone in Tschernobyl unterwegs war. Die Tiere, die nicht in ihre dort aufgestellten „Foto-“ und „Videofallen“ tappten, zeichnete sie anschließend.
Einige der entstandenen Zeichnungen spielen auf Gerüchte über missgebildete „radioaktive“ Kreaturen an. Chernobyl Safari, eine Mischung aus Fantasie und Realität, zeigt ein Tierparadies in einem vom Menschen verlassenen Lebensraum – ein Paradies, das durch die russische Invasion im Februar 2022 zerstört und nach dem Abzug des russischen Militärs vermint zurückgelassen wurde. Das Sperrgebiet wurde zum Kriegsgebiet. Kürzlich gelang es Jermolaewa, Teile des im Februar und März 2022 aufgenommenen Bildmaterials zu rekonstruieren.
„Human Clinic“
Anna Jermolaewa ist nicht nur für ihr kreatives Schaffen bekannt, sondern auch für ihr großes soziales Engagement. Mit ihrer Edition unterstützt sie die Rehabilitationsklinik „Human Clinic“ in Slavutych, die sich um die Betreuung von Kriegsopfern kümmert. Die Stadt Slavutych liegt rund 50 Kilometer östlich des ehemaligen Atomkraftwerks Tschernobyl. Nach der Katastrophe im Jahr 1986 wurde mit dem Aufbau der Stadt begonnen, um den Menschen, die an der Bekämpfung der Folgen beteiligt waren, eine neue Heimat zu bieten. Slavutych ist geprägt von Einwohnern, die unter den gesundheitlichen Folgen der Strahlung leiden. Darunter sind etwa 8000 Menschen, die zum Zeitpunkt der Katastrophe Kinder waren, sowie Arbeiter und Wissenschaftler, die regelmäßig in die Sperrzone um den ehemaligen Reaktor pendeln.
Reaktorkatastrophe
Die Rehabilitationsklinik von Slavutych, auch bekannt als „Human Clinic“, spielt eine entscheidende Rolle bei der Versorgung der Bewohner von Slavutych, insbesondere derjenigen, die unter den Langzeitfolgen der nuklearen Katastrophe leiden. Die Klinik bietet medizinische Versorgung, psychologische Unterstützung und therapeutische Programme für Kriegsopfer an.
Jermolaewa engagiert sich aktiv für die Rehabilitationsklinik “Human Clinic“ in Slavutych und hat eine Edition entwickelt, um Spenden für die Klinik zu sammeln. Durch den Verkauf von Kunstwerken aus der Edition werden finanzielle Mittel generiert, um die medizinische Versorgung und Rehabilitation von Strahlungs- und Kriegsopfern in Slavutych zu unterstützen.
Das Sozialprojekt hat eine große Bedeutung für die Bewohner von Slavutych. Viele von ihnen leiden noch immer unter den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Unterstützung ermöglicht es den Menschen, die notwendige medizinische Versorgung und therapeutische Hilfe zu erhalten. Besonders wichtig ist dies für diejenigen, die mit strahlenbedingten Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben und auf eine umfassende Betreuung angewiesen sind.
Sozialprojekt
Die Initiative von Anna Jermolaewa macht auf die anhaltenden Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl aufmerksam und sammelt gleichzeitig Spenden, um die wichtige Arbeit der „Human Clinic“ zu unterstützen. Das soziale Projekt zeigt, wie Kunst und soziales Engagement zusammenkommen können, um positive Veränderungen zu bewirken. Die 52-jährige Künstlerin engagiert sich auch für Flüchtlinge aus der Ukraine und übte schon vor dem Angriffskrieg scharfe Kritik am russischen Regime. VN-AMA

