Im Zeichen von Liebe und Tod

Eröffnungsfest des Vorarlberger Landestheaters.
Bregenz Wer an diesem Abend eine ausgelassene Eröffnungsfeier erwartet hatte, wurde vielleicht enttäuscht. Wer aber bereit war, sich auf ein stilles Fest der Poesie und der tiefgründigen Melancholie einzulassen, konnte sich auf einen sinnlichen Abend freuen. Die Eröffnungsvorstellung des Vorarlberger Landestheaters mit dem Titel „Weeping Songs“ bot ein eindringliches Wechselspiel zwischen klassischer Balladenlyrik und den melancholischen, oft düsteren Songs des unnachahmlichen Nick Cave. Unter dem Motto Musik und Lyrik. Von Liebe und Tod.“ verschmolzen literarische Texte und Caves einzigartige Kompositionen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis für das Publikum.

Den Abend eröffnete Johann Wolfgang von Goethes berühmte Ballade „Der Erlkönig“, meisterhaft vorgetragen von Rolf Mautz, dem zweifachen Schauspieler des Jahres in Nordrhein-Westfalen. Mit seiner kraftvollen Stimme verlieh Mautz der bedrohlichen Dramatik des Gedichts eine besondere Intensität und zog die Zuhörer sofort in den Bann der düsteren Erzählung um den verzweifelten Vater und sein vom Erlkönig bedrohtes Kind. Ein weiterer Höhepunkt war seine Interpretation von Friedrich Schillers Ballade „Die Bürgschaft“. Mit präziser Schärfe und eindringlicher Präsenz ließ Mautz die Tragik der Geschichte lebendig werden, wobei die zurückhaltende Klavierbegleitung die Wirkung noch verstärkte. Die emotionale Kraft seines Vortrags hinterließ einen nachhaltig bleibenden Eindruck.

Musikalisch führte Oliver Rath souverän durch den Abend, unterstützt von dem virtuosen Geiger Aris Kapagiannidis und der wunderbaren Yenisey Rodriguez am Violoncello, die gemeinsam für die perfekte Untermalung sorgten. So fügten sich die Songs von Nick Cave nahtlos in das lyrische Programm ein. Der “Bürger:innenchor des Vorarlberger Landestheaters” unter der Leitung von Agnes Kitzler bereicherten die Aufführung durch ihr harmonisches Zusammenspiel.

Maria Lisa Huber lieferte eine herausragende Darbietung: stimmlich nahezu makellos, verband sie beeindruckende Ausdruckskraft mit einem Hauch düsterer, morbider Erotik, wo es angemessen war. Ihre Ausstrahlung erinnerte an die sinnliche Aura einer jungen Helena Bonham Carter. Ihre kraftvolle Stimme, getragen von Leidenschaft und großem Gefühl, war zweifellos einer der Höhepunkte des Abends. Auch als Erzählerin der Ballade „Die Brück am Tay“ beeindruckte sie nachhaltig.

Rebecca Hammermüller glänzte durch ihre schöne Sprechstimme und das warme Timbre, das in ihren Gesangseinlagen zur Geltung kam. Ihre Interpretation der Balladen zeichnete sich durch eine erzählerische Kraft aus, die die Dramatik des Textes unterstrich. Nico Raschner stand vor der anspruchsvollen Aufgabe, Songs zu interpretieren, die zur höchsten Klasse der Popmusik zählen. Nick Cave bewegt sich in einer eigenen Sphäre, die selbst für viele professionelle Sänger schwer zugänglich bleibt. Raschner fehlte es an stimmlicher Finesse, um Caves komplexe, tiefgründige Werke, die weit über gewöhnliche Popsongs hinausgehen, überzeugend zu transportieren.
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Hervorzuheben ist die enge Verbindung zwischen den klassischen Balladen und den Songs von Nick Cave. Die universellen Themen Liebe, Tod und Schicksal zogen sich durch den gesamten Abend und schufen eine stimmige Atmosphäre. Caves Songs standen den großen literarischen Vorbildern in nichts nach und verstärkten die Wirkung der Balladen auf eindrucksvolle Weise.
Schauspieler und Musiker schufen eine eindringliche, melancholische Atmosphäre, die das Publikum spürbar berührte – ein kraftvoller Auftakt in die neue Spielzeit.