Björks Klangwelt mit Wucht und Zartheit

Kultur / 16.04.2026 • 13:39 Uhr
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Rebecca Hammermüller verleiht Björks Songs Intensität, Ausdruckskraft und überraschende Nähe.Daniel Furxer

Mit starker Live-Musik und großer Präsenz überzeugt Rebecca Hammermüller auf ganzer Linie.

Bregenz Mit „Army of Me: Björks Songs. Zwischen Elfenmagie und Elektronikklängen“ ist Rebecca Hammermüller am Vorarlberger Landestheater ein Liederabend gelungen, der sich nicht mit einer bloßen Hommage an die große Popkünstlerin begnügt. Vielmehr formt sie aus Björks Liedern einen atmosphärisch dichten, klug gebauten und musikalisch packenden Abend. Schon der Titel trägt den Kern des Abends in sich: „Army of Me“, 1995 auf dem Album „Post“ erschienen, steht für jene kantige, drängende, beinahe konfrontative Seite von Björks Schaffen. In diesem Song verdichten sich Fürsorge, Ungeduld, Widerstandskraft und Selbstbehauptung zu einer markanten Klanggestalt. Indem Hammermüller an diesem Abend an die Version von Björk und Skunk Anansie anknüpft, erhält das Stück jene Wucht, die es braucht: schwer im Puls, düster im Grundton, getragen von einer fast physischen, rockigen Energie.

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Rebecca Hammermüller gibt dieser Musik mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit eine eigene Bühnenform und ist damit die eigentliche Stärke dieses Abends. Sie verfügt über eine Stimme, die sich für Björks Songs hervorragend eignet, weil sie nicht auf glatte Schönheit, sondern auf Ausdrucksstärke, Farbe und Intensität setzt. Hammermüller kann den Ton zurücknehmen und ihn fast ins Vertrauliche führen und ihn im nächsten Augenblick mit Nachdruck öffnen, ohne jemals ins Forcierte zu geraten. Gerade darin kommt sie Björks Gesangskunst erstaunlich nahe, jener schwer fassbaren Mischung aus Zartheit, Körnigkeit, kindlicher Direktheit und eruptivem Aufbegehren, die sich jeder simplen Einordnung entzieht.

Fragile Augenblicke

Dass Hammermüller zu den profiliertesten Darstellerinnen ihres Ensembles zählt, war bereits in früheren Produktionen zu erkennen, doch dieser Abend zeigt noch einmal mit besonderer Deutlichkeit, wie mühelos sie musikalische Gestaltung, szenische Präsenz, Ausstrahlung und innere Konzentration miteinander verbinden kann. Die 1997 in Leipzig geborene Schauspielerin absolvierte ihre Ausbildung an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz und ist seit der Saison 2023/24 Ensemblemitglied am Vorarlberger Landestheater. Für ihre Darstellung in „Bitch Boxer“ wurde sie für den STELLA Award 2025 nominiert. Hier beweist sie ein Format, das weit über die reine Interpretation einzelner Songs hinausgeht.

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Rebecca Hammermüller widmet sich dem Repertoire Björks auf sehr persönliche Weise.Anja Köhler

Bewegend gerät auch das Duett mit dem Ensemblekollegen Luzian Hirzel in „I’ve Seen It All“, im Original mit Thom Yorke von Radiohead. Es ist einer der intimeren Momente des Abends, weil hier Sinnlichkeit und Klarheit in eine feine Balance finden. Überhaupt ist dieser Liederabend klug disponiert: 18 Songs von Björk eröffnen einen weiten Raum zwischen poetischer Entrückung, elektronischer Schärfe und stillen, beinah fragilen Augenblicken. Einen entscheidenden Anteil daran haben Oliver Biedermann, Martin Grabher und Oliver Rath mit ihrer Live-Musik. Sie tragen die Stücke mit großem Gespür für ihre unterschiedlichen Temperamente, lassen sie atmend und präzise ineinander übergehen und bringen sie so gekonnt zur Geltung.

Märchenwesen und Kunstfigur

Auch die Visuals von Crystin Moritz und Isabel Rudek fügen sich stimmig in den Abend ein, da sie den Schwebezustand zwischen Märchenwesen, Kunstfigur und Klangwelt aufnehmen, der Björks Werk seit jeher prägt. So entsteht ein Abend, der seine Faszination aus Genauigkeit und Hingabe, aus kluger musikalischer Gestaltung und einer Protagonistin, die sich mit Mut, Intelligenz und Ausstrahlung in dieses anspruchsvolle Material hineinbegibt, gewinnt. Das Publikum erlebt keinen gefälligen Pop-Ausflug, sondern einen intensiven, fantasievollen und in jeder Hinsicht gelungenen Liederabend.