Carmen Pfanner entwirft die Urkundengestaltung für den Kunst- und Kulturpreis

Der von den Vorarlberger Nachrichten in Zusammenarbeit mit der Wiener Städtischen Versicherung ausgelobte Kunst- und Kulturpreis wird heuer zum dritten Mal vergeben.
Schwarzach Das Transferieren von einer Technik in eine andere, von einem künstlerischen Aggregatzustand in den nächsten bestimmt unter anderem den Umgang von Carmen Pfanner mit ihren eigenen Objekten. Ein Detail aus einer Abbildung eines ihrer Objekte kann in neuer Anordnung somit wieder zum Objekt werden. Wer sich mit dem umfangreichen Werk der Vorarlberger Textil- und Objektkünstlerin sowie Zeichnerin über die Jahre auseinandersetzte, konnte dies ebenso erkennen wie eine Konstante in ihrem Werk – das Verbindende. Die Künstlerin wurde von der Jury des Kunst- und Kulturpreises der Vorarlberger Nachrichten und der Wiener Städtischen Versicherung beauftragt, in diesem Jahr die Urkunden für die Preisträgerinnen und Preisträger zu gestalten.
Für die Vergabe der Preise in den Jahren 2023 und 2024 wurden dafür Entwürfe und Arbeiten der Künstlerinnen Gabriele Bösch und Alexandra Wacker umgesetzt.

Verbindung als Thema
Verbindung ist das Thema, das Carmen Pfanner nun aufgreift, das Verbindende als Motiv bestimmte die Überlegungen für ihr Gestaltungskonzept. Ausgangswerk ist einer der vielen dreidimensionalen, reliefartigen „Baupläne“, die sie jeweils parallel zu ihren Ausstellungen gefertigt hat. Diese Pläne sind keine Entwurfsobjekte, sondern eigenständige Arbeiten, die Mittel, Wege oder alternative Kombinationen der einzelnen Details und Motive im Werk aufzeigen. Energie und Poesie gehen hier eine faszinierende Verbindung ein und der handwerkliche Aspekt im Werk einer Textilkünstlerin darf mit einigem Esprit deutlich werden. Carmen Pfanner bereitet zudem gerade die Sommerausstellung der Stadt Bregenz im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis vor, in der auch die Konfrontation des Publikums mit ihren großen „Kraftwerk“-Installationen zu erwarten ist. Arbeiten der einst an der Textilschule ausgebildeten und seit Jahrzehnten freischaffenden Künstlerin befinden sich in öffentlichen Sammlungen und waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.
Dass die Preisträgerinnen und Preisträger des Kunst- und Kulturpreises der VN und der Wiener Städtischen von einer Expertenjury nominiert werden, die auch die Entscheidung verantwortet, will Carmen Pfanner im Gespräch eigens betonen: „Es ist ein Preis, der gegebenenfalls auf einen zukommt, man braucht dafür keine aufwändige mit oft erfolglosen Förderansuchen vergleichbare Einreichung verfassen. Das ist doch schön.“
Dritte Preisvergabe
Der Kunst- und Kulturpreis wird heuer zum dritten Mal vergeben. Das Preisgeld beträgt insgesamt 20.000 Euro. Der Preis ist in Vorarlberg professionell tätigen Personen oder Gruppierungen für herausragende Arbeiten und Projekte aus dem Bereich der bildenden Kunst, der Musik, der Literatur, der darstellenden Kunst, des Filmschaffens und der Kunstvermittlung gewidmet. Neben der Fokussierung auf eine spezielle Leistung und die hohe Qualität der Werke, Produktionen und Projekte hat die Jury mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem die Nachhaltigkeit und die thematische Relevanz der künstlerischen Arbeiten und Projekte sowie Arbeiten und Projekte, die im Besonderen zur Entwicklung des kulturellen Lebens in der Region beigetragen haben. Die Preisverleihung findet im Mai statt.
Um dieses Kunstpreisprojekt durchzuführen, braucht es die Initiative, den Partner der Vorarlberger Nachrichten und die Unterstützer, das heißt, das Engagement mehrerer Unternehmen sowie die Arbeit von erfahrenen Kunst- und Kulturexperten als Jurorinnen und Juroren. Neben der verantwortlichen Projektleiterin und Kulturjournalistin Christa Dietrich haben heuer die Regisseurin und Autorin Barbara Herold, der Komponist und Universitätsprofessor Richard Dünser, die Galeristin Lisi Hämmerle und die Kulturvermittlerin und Autorin Sabine Benzer Künstlerinnen und Künstler nominiert.

Klärung eigener Haltungen
Barbara Herold: „Kunst und Kultur inspirieren zum Nachdenken darüber, wie wir zusammenleben wollen, wie eine Gesellschaft funktioniert, was eine Gesellschaft zusammenhält. Die Auseinandersetzung mit einem Kunstprodukt jeglicher Sparte führt immer auch zu wichtiger Selbstreflexion und der Klärung eigener Standpunkte und Haltungen. Im Idealfall im Austausch mit anderen. Sinn und Nutzen von Kunst und Kultur sind unbestritten. Umso schöner, wenn Akteurinnen und Akteure der reichen Vorarlberger Kulturlandschaft durch Preise zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten und sichtbar gemacht werden. Denn es gibt so viele wichtige Kulturschaffende und -einrichtungen in Vorarlberg, die man mit einer Auszeichnung bedenken möchte.“ Sabine Benzer möchte den Kulturwissenschaftler Andreas Johannes Wiesand zitieren, der festhält, dass Preise „im Kern ein Kommunikationsmedium sind.“ Die Preise vermittelten uns somit das herausragende künstlerische Engagement, das kreative Potenzial und den nachhaltigen Kunstwillen der Nominierten bzw. Ausgewählten. „Gerade heute brauchen wir die Kunst als Gewissen der Zeit und als Ermutigung“, erklärt Richard Dünser: „Menschen auszuzeichnen, die ihr Leben und ihre Energie der Kunst widmen, ist wichtig.“ Lisi Hämmerle assoziiert das momentane Geschehen mit „einem Gefühl in einer rückwärtslaufenden Zeitmaschine zu sitzen. Da kann ein Kunstvitamin Hoffnung auslösen.“