30 Jahre „12 Monkeys“

Kultfilm über Pandemie, Zeitreisen und die Fragilität von Wirklichkeit.
Schwarzach Zum 30. Jubiläum seines US-Kinostarts am 5. Jänner 1996 erweist sich Terry Gilliams Science-Fiction-Thriller „12 Monkeys“ einmal mehr als verstörend aktueller Kultfilm über Pandemie, Zeitreisen und die Fragilität von Wirklichkeit. Der Film entwirft eine düstere Zukunftsvision: Ein tödliches Virus hat zwischen 1996 und 1997 den Großteil der Menschheit ausgelöscht, nur ein Prozent der Bevölkerung überlebt. Die wenigen Menschen leben im Jahr 2035 unter der Erde, in einer kalten, autoritären Welt, während die Oberfläche von verlassenen Städten, verrosteten Autos und frei umherstreifenden Tieren geprägt ist.
Im Zentrum steht James Cole, gespielt von Bruce Willis, ein Gefangener, der als Teil eines wissenschaftlichen Experiments in die Vergangenheit geschickt wird. Seine Mission: Informationen über den Ursprung des Virus zu sammeln, um der Zukunft vielleicht doch noch eine Wendung zu geben. Doch die Zeitreisen verlaufen fehlerhaft, Cole landet im falschen Jahr, im Ersten Weltkrieg oder in psychiatrischen Einrichtungen, und beginnt zunehmend an seiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Realität, Erinnerung und Wahn lassen sich immer weniger voneinander trennen.
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Eine Schlüsselrolle spielt die Psychiaterin Kathryn Railly, verkörpert von Madeleine Stowe, die Cole zunächst für einen verwirrten Patienten hält, sich aber nach und nach auf seine Sicht der Dinge einlässt. Ihre Begegnungen gehören zu den philosophischen Kernmomenten des Films, in denen Zeit als relative Größe verhandelt wird und Gewissheiten ins Rutschen geraten.
Für zusätzliche Unruhe sorgt Brad Pitt als Jeffrey Goines, ein manisch-aggressiver Umweltaktivist und Sohn eines Virologen. Pitt, der für diese Rolle mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, verkörpert eine Figur, die lange als möglicher Drahtzieher der Pandemie gilt. Doch die radikale Gruppe „12 Monkeys“, deren Anführer Goines ist, verfolgt letztlich ein anderes Ziel: die Befreiung der Tiere aus menschlicher Gefangenschaft.
Gilliam verstärkt die Unsicherheit des Erzählten durch eine bewusst gekippte Kameraführung und eine albtraumhafte Bildsprache. Alles scheint brüchig, instabil, infrage gestellt. „12 Monkeys“ ist weniger ein klassischer Science-Fiction-Film als eine existenzielle Reflexion über Wahrnehmung, Information und Vertrauen. Ein Werk, das sich nicht sofort erschließt und, wie Gilliam selbst sagte, verlangt, sich treiben zu lassen. Gerade darin liegt bis heute seine verstörende Kraft.