Konfrontationen mit dem Alltag

Georg Petermichl mit seiner Ausstellung „Universal Thoughts – Allgegenwart“ in Bludenz.
Bludenz Mit dieser Ausstellung präsentiert der Bludenzer Kunstraum Remise die erste Schau unter der neuen Programmverantwortlichen Christine Lederer. Den Auftakt macht der 1980 in Linz geborene und in Wien lebende und arbeitende Künstler Georg Petermichl, der für eine künstlerische Praxis bekannt ist, die zwischen Fotografie, Skulptur und Objektinstallation oszilliert. Petermichl interessiert sich sowohl für gegenwärtige Bildkulturen als auch für museale Narrative, für Konsumgüter ebenso wie für archäologische Objekte. So entsteht ein Werk, das sich aus der Konfrontation unterschiedlicher Zeiten, Materialien und Kontexte speist. Seine Fotografie ist weniger Abbild als vielmehr Strukturmodell, das den Dingen eine neue Ordnung verleiht. In seinen Keramikarbeiten werden Alltagsobjekte überformt und in installativen Setzungen neu codiert. Im Zentrum stehen Prozesse des Sammelns, Ordnens und Archivierens, wie sie in bürgerlichen Interieurs und musealen Kontexten sichtbar werden. In Petermichls Werk erhalten Verpackungsmaterialien, Gebrauchsgläser, Plastiksäcke oder Comic-Figuren eine neue visuelle Rolle. Der Zugang ist analytisch, aber nicht trocken: Oft überlagern sich Ironie, Distanz und persönlicher Erfahrungshorizont.

Petermichl wurde mit Arbeiten bekannt, die Elemente der Konsumwelt in bildhafte Arrangements überführen. Das visuelle Vokabular seiner Installationen zitiert dabei sowohl die Sprache musealer Präsentationsformen als auch die Rhetorik des Marketings. Objekte, die scheinbar keine Relevanz beanspruchen, werden in eine neue Erzählung eingebunden. Die Grenzen zwischen Requisite, Skulptur und Archiv verschwimmen. So auch in der Serie „Clash“, in der er keramische Repliken historischer und zeitgenössischer Gefäße einander gegenüberstellt. Ein Beispiel ist die formale Nähe zwischen einer 7500 Jahre alten, geometrisch verzierten Vase aus Mesopotamien und einem limitierten Coca-Cola-Glas von McDonald’s aus dem Jahr 2019: zwei Objekte, die nie physisch aufeinandertreffen werden, hier aber in einer gedanklichen Paarung zur Auseinandersetzung gezwungen werden. Der Künstler beschreibt diesen Zusammenprall nicht als Gegensatz, sondern als visuelle Reibung zweier Gebrauchsgegenstände, die durch Kontextverschiebung neu interpretiert werden können.

Petermichl studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Eva Schlegel und Matthias Herrmann. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine konzeptuelle Strenge aus, die jedoch nie in formale Selbstreferenz kippt. Thematisiert werden die Beobachtung von Bild- und Objektstrategien, Formen der Repräsentation im Alltäglichen, die stille Selbstdarstellung durch Dinge und das, was sie über Herkunft, soziale Milieus oder das Bedürfnis nach Distinktion erzählen. Kuratorin Christine Lederer beschreibt Petermichls Verfahren als „Poesie der Alltagskultur“. Diese entstehe weniger durch Affirmation als vielmehr durch das präzise Nebeneinander scheinbar disparater Elemente. Die kontrollierte Lichtführung seiner Fotografien, das Spiel mit Oberflächen und Texturen sind Teil eines Vokabulars, das in der Gegenwart ebenso verankert ist wie in kunsthistorischen Referenzen.
Petermichl selbst bezeichnet Fotografie als ein „Denkmodell“, das in seine skulpturale Arbeit hineinwirkt. Auch dort bleibt der Zugriff strukturiert: Objekte werden entmaterialisiert und neu kontextualisiert, der Blick auf sie durch formale Eingriffe verschoben. Die Frage, was ein Ding ist und was es bedeuten kann, wird dabei nicht beantwortet, sondern offen gelassen.
Georg Petermichl: Universal thoughts – Allgegenwart
Kunstraum Remise, Bludenz
16.1.-22.2.2026
Kuratorin: Christine Lederer
Mittwoch bis Samstag, Sonntag und Feiertag 15-18 Uhr
https://www.allerart-bludenz.at/kunstraum-remise