Stimmungen in Landschaft und Porträt

Kultur / 22.01.2026 • 10:04 Uhr
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Die Ausstellung in der Villa Claudia in Feldkirch dauert bis zum 22. Februar. Gerhard Rasser

Chantal Boso, Gerhard Rasser und David Salzgeber in der Feldkircher Villa Claudia.

Feldkirch Die Künstler:innenvereinigung “KunstVorarlberg” startet mit drei malerischen Positionen ins neue Programmjahr. Im Forum für aktuelle Kunst in der Feldkircher Villa Claudia werden aktuelle Werke von Chantal Boso, Gerhard Rasser und David Salzgeber gezeigt. Die drei Kunstschaffenden sind zwischen 27 und 67 Jahre alt, haben unterschiedliche Biografien, Techniken und Sujets. Was sie eint, ist der Mut zur Darstellung von Stimmungen und Emotionen in altmeisterlich-feinsinniger Ausführung, wobei sie sich dem Schönen, Harmonischen, ja Erhabenen zuwenden, jedoch keinesfalls ohne Brüche, Leere und Vieldeutigkeit sowie dem modernen Ringen um ein durch den Betrachter zu schaffendes Wirklichkeitsverständnis. In Zeiten von KI-Kunst, oft schriller und schnell erzeugter Konzeptkunst sowie einem sehr weit ins Technologisch-Kunsthandwerkliche erweiterten Kunstbetrieb sind alle drei ihrem Selbstverständnis nach vor allem Maler, die sich dem Gegenständlichen verpflichtet fühlen und die Freude haben, mit ihren Händen etwas zu schaffen, das nicht “nur” für Museen und für kurze Zeit gedacht ist.


In ihrer Arbeit bewegt sich die 1998 in Bludenz geborene Künstlerin Chantal Boso Flores zwischen Porträt, figurativer Malerei und Stillleben. Ausgehend von einer klassischen Ausbildung in Malerei erforscht sie gegenwärtig neue Perspektiven und Ausdrucksformen, ohne dabei die handwerklichen und ästhetischen Grundlagen der Tradition aus den Augen zu verlieren. Sie ist fasziniert vom menschlichen Körper als Träger von Emotionen, Identität und Vergänglichkeit. Mit Licht und Farbe untersucht sie das Gleichgewicht zwischen äußerer Form und innerer Bewegung.

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Chantal Boso Chantal Boso: Selbstporträt mit blauem Tuch, Öl auf Leinwand

In den minimalistisch-kargen, weitläufigen Bodensee-Landschaften des 1958 geborenen Künstlers Gerhard Rasser, in denen der Leerraum ganz nach chinesischer Maltradition als mehrdeutiger Raum begriffen wird, verlieren sich die menschlichen Figuren oft, sie scheinen orientierungslos und einsam. Technisch ausgereift und mit großer Leidenschaft für das Zusammenspiel unterschiedlichster Techniken entstehen so symbolisch aufgeladene Landschaften der Vergänglichkeit, Einsamkeit und Melancholie, aber auch einer leisen, zarten und brüchigen Schönheit.

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SalzgeberDavid Salzgeber: Promise, 2024, 80 × 120 cm, Oil on Linen.

In David Salzgebers Ölgemälden eröffnen sich Räume der Stille und scheinbaren Leere, in denen das Unsichtbare sichtbar wird. Berge mit imposanten Felsformationen, turbulente Wolken und strömende Gewässer bilden Landschaften, in denen die Zeit stillzustehen scheint und die Ewigkeit fast begreifbar wird. In einer Welt, die sich von Stille und Hoffnung zunehmend entfernt, positioniert sich Salzgebers Kunst, die in mehreren dünnen Schichten von Ölfarbe aufgebaut ist, als klarer Gegenpol zur momentanen Entwicklung des Weltgeschehens und neuer Technologien. Sein Glaube füllt seine Werke mit subtiler Symbolik und biblischer Narrativität, die er nicht illustrieren, sondern erfahrbar machen möchte. Der 1995 in Bludenz geborene Künstler sieht seine Arbeit als eine Ode an Gottes Schöpfung. Sie soll nicht erklären, sondern empfinden lassen. Nicht belehren, sondern berühren. Seine Landschaften sind vielmehr seelische Zustände als geografische Orte. Dies wird auch in seinem Malprozess erkennbar: Er lässt sich vollkommen von seiner Intuition führen, und der Dialog mit dem Bild bestimmt, was auf der Leinwand entsteht.

Die Eröffnung findet am 22. Jänner um 19 Uhr statt, die Ausstellung dauert bis zum 22. Februar.