Zwischen den Zeilen gehört

Kultur / 06.02.2026 • 14:50 Uhr
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V-Töne sind Laura Moosbrugger (Flöte), Anna Eberle (Oboe), Johanna Bilgeri (Fagott), Anton Doppelbauer (Horn) und Paul Moosbrugger (Klarinette).VN/ Marte

Das Holzbläserquintett „V-Töne“ mit feinsinniger Kammermusik in der Landesbibliothek

Bregenz Am Donnerstagabend entfaltete das Holzbläserquintett „V-Töne“ im Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek eine klare und ausbalancierte Kammermusik, die weniger auf das feine Austarieren von Klangfarben, Linien und musikalischen Dialogen setzte. In der Schönheit des Raumes gewann das Musikhören eine Leichtigkeit, als würde man Bekanntes mit frisch geöffneten Ohren wahrnehmen. Fünf junge Musikerinnen und Musiker aus Vorarlberger begegneten einander dabei auf Augenhöhe: konzentriert, wach und von hörbarer Freude am gemeinsamen Musizieren getragen.

Das Programm spannte einen stimmigen Bogen durch die Musik des 20. Jahrhunderts. Jacques Iberts „Trois Pièces Brèves“ eröffneten den Abend mit federnder Eleganz und präziser Leichtigkeit. Insbesondere das Spiel mit Kontrasten und pointierten Gesten überzeugte dabei. Jean Françaix’ Bläserquintett Nr. 1 entfaltete im Anschluss seinen charakteristischen Witz und seine rhythmische Beweglichkeit, ohne ins Spielerische abzugleiten. Die Interpretation blieb transparent, fein artikuliert und von einem sicheren Gespür für Proportionen getragen.

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VN/ Marte

Mit Carl Nielsens Bläserquintett op. 43 fand der Abend zu einer ruhigeren und zugleich konzentrierteren Klangsprache. Hier zeigte sich die Qualität des Ensembles im Umgang mit musikalischer Substanz besonders deutlich: Jede Stimme behielt ihre Eigenständigkeit, ohne den Gesamtklang zu verlassen, und jede Farbe fügte sich organisch in das gemeinsame Gefüge ein. Die Balance zwischen individueller Präsenz und kollektiver Geschlossenheit gelang dabei mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit.

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Nicht zufällig trug das Programm den Titel „Zwischen den Zeilen“. In der Umgebung der Landesbibliothek, an einem Ort, an dem Musik und Literatur einander ganz selbstverständlich berühren, gewann dieser Gedanke besondere Plausibilität. Musik erzählt Geschichten ohne Worte, Literatur entfaltet ihre Geschichten in Sätzen und Seiten und doch wirken beide oft dort am stärksten, wo nichts ausdrücklich gesagt wird: im Andeutenden, im Nachklang, in den Übergängen, im bewussten Zurücknehmen. Genau dort setzte auch das Spiel der „V-Töne“ an. Anton Doppelbauer verband die musikalischen Stationen des Abends mit fein ausgewählten literarischen Miniaturen und Gedichten, die dem Programm zusätzliche Resonanzräume öffneten.

Laura Moosbrugger (Flöte), Anna Eberle (Oboe), Paul Moosbrugger (Klarinette), Johanna Bilgeri (Fagott) und Anton Doppelbauer (Horn) überzeugten nicht durch demonstrative Virtuosität, sondern durch Genauigkeit, gegenseitiges Zuhören und eine fein abgestimmte musikalische Sprache, die auch leisere Nuancen ernst nahm. So wurde Kammermusik im eigentlichen Sinn erfahrbar: als Gespräch, als gemeinsames Denken in Klang, als Einladung, aufmerksam zu bleiben – auch zwischen den Zeilen.

Es war ein Abend, der zeigte, wie viel Ausdruckskraft im konzentrierten Zusammenspiel liegt und wie überzeugend sich junge Musikerinnen und Musiker einer anspruchsvollen Literatur nähern können.