Geschichten von Mut und Widerstand

Das 10. Human Vision Film Festival verbindet Film, Diskussion und Begegnung.
Dornbirn Wenn vom 7. bis 15. März das “Human Vision film festival” zum zehnten Mal im Spielboden Dornbirn stattfindet, geht es nicht mehr nur um Kino im klassischen Sinne, sondern um einen Ort des lebendigen Austauschs, der kritischen Auseinandersetzung und der gemeinsamen Suche nach Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit. Zehn Jahre nach seiner Gründung ist das Anliegen des Festivals aktueller denn je: dem gesellschaftlichen Diskurs rund um Menschenrechte eine Bühne zu geben, Reflexion anzuregen und konkrete Handlungsräume sichtbar zu machen.

Im Zentrum stehen Menschen und ihre Lebensrealitäten. Die ausgewählten Filme erzählen von Widerstandskraft, Kreativität und Solidarität, aber auch von Verletzlichkeit und Mut. Sie zeigen, wie eng persönliche Geschichten mit politischen und ökonomischen Strukturen verflochten sind, und machen deutlich, dass Fragen von Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und gesellschaftlichem Zusammenhalt keine abstrakten Begriffe bleiben dürfen, sondern den Alltag vieler Menschen prägen.

Ein besonderer Höhepunkt erwartet das Publikum am Samstag, dem 14. März, um 19.30 Uhr im Großen Saal mit dem Dokumentarfilm „Stoff – Ein Spitzengeschäft“. Die Regisseurinnen Anette Baldauf, Chioma Onyenwe, Joana Adesuwa Reiterer und Katharina Weingartner folgen darin einer wenig beachteten Verbindung zwischen Nigeria und Österreich. Anhand von Textilien erzählen sie eine Geschichte globaler Verflechtungen. Von den Stoffmärkten in Lagos führt der Film in die Stickereifabriken von Lustenau und weiter zurück zu den historischen Grundlagen des europäischen Wohlstands. Leinenstoffe aus Mitteleuropa dienten im 17. und 18. Jahrhundert als Währung im transatlantischen Sklavenhandel, während Baumwolle aus den US-Südstaaten, die durch versklavte Arbeit produziert wurde, zum „weißen Gold“ Europas wurde.

Im Zentrum stehen die nigerianische Journalistin Ireti Bakare-Yusuf und die ehemalige Vorarlberger Exportmanagerin Margarethe Bösch, die auf unterschiedlichen Seiten dieses tief in koloniale Machtstrukturen eingebetteten Handelsnetzes stehen. Im anschließenden Gespräch mit den Regisseurinnen und Protagonistinnen wird ein Thema zur Sprache kommen, das in Vorarlberg lange kaum benannt wurde: die kolonialen Kontinuitäten der heimischen Textilindustrie und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Bereits am Eröffnungstag, dem 7. März, spannt das Festival einen Bogen von kindgerechter Fantasie bis zu globalen Fragen der Frauengesundheit. Um 15 Uhr läuft mit „Hola Frida“ ein farbenreicher Animationsfilm über die Kindheit Frida Kahlos, der jungen Zuschauerinnen und Zuschauern Mut macht, Schwierigkeiten mit Fantasie und Kreativität zu begegnen. Um 18 Uhr folgt mit „Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen“ eine Dokumentation von Nicole Scherg, die Hebammen in Äthiopien, Brasilien, Marokko, Nepal und Österreich begleitet. Der Film macht deutlich, wie sehr Geburt und Frauengesundheit von sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt sind. Im Anschluss wird über die Chancen einer hebammengeleiteten Geburtshilfe im Kontext der aktuellen Gesundheitsreform in Vorarlberg diskutiert.

Der 8. März steht mit „Ein Tag ohne Frauen“ im Zeichen kollektiver weiblicher Stärke. Der Film erinnert an den isländischen Frauenstreik von 1975, als 90 Prozent der Frauen ihre Arbeit niederlegten und das Land zum Stillstand brachten. Am 10. März begibt sich Mwita Mataro mit „Austroschwarz“ auf eine filmische Reise durch Österreich. Er verknüpft animierte Erzählung, persönliche Tagebuchaufnahmen und Begegnungen zu einem vielschichtigen Bild von Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und europäischer Schwarzer Identität. Vor der Vorführung präsentiert Mataro zudem ein Akustik-Set seiner neuen Songs.
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Internationale Perspektiven eröffnen am Mittwoch „2000 Meters to Andriivka“ von Mstyslav Chernov über den Krieg in der Ukraine, der Spielfilm „Come on, Come On“ über Fürsorge und Zuhören zwischen den Generationen am Donnerstag sowie am Freitag „Yanuni“, der den politischen und persönlichen Kampf der indigenen Aktivistin Juma Xipaia im Amazonasgebiet nachzeichnet. Das Programm wird durch Kinder- und Familienfilme wie „Das Geheimnis der Perlimps“ sowie durch die Dokumentation „O čo ide Idě (Ida’s Idea)“ über ein Roma-Kinderchorprojekt ergänzt.