Windkraft im vorarlberg museum

Kultur / 27.02.2026 • 10:55 Uhr
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Quentin Föhr (Oboe), Joana Eggenberger (Klarinette) und am Englischhorn Annika Matula. Andreas Marte

Die Kammermusikklasse gestaltete einen beweglichen und dialogreichen Konzertmittag.

Bregenz Am Donnerstagmittag stand im Foyer des vorarlberg museums ein Kammermusikkonzert unter dem Titel „Windkraft“ auf dem Programm. Der Name erwies sich als treffend: Beweglichkeit, atmende Phrasen und klug geführte Dialoge prägten den gesamten Abend. Es musizierte die Kammermusikklasse von Francesco Negrini an der Stella Musikhochschule. Negrini, einer der profiliertesten Klarinettisten seiner Generation, ist seit 2012 Solo-Klarinettist beim Argovia Philharmonic und seit 2020 in derselben Funktion beim Symphonieorchester Vorarlberg in Bregenz. Seine Studierenden widmeten sich Meisterwerken für Holzbläser und Klavier.

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Das Trio Risonanze: Angela Scullion (Klarinette), Liliana Faragó (Klavier) und Julia Maria Gallez (Fagott).Andreas Marte

Glinkas „Trio Pathétique“ eröffnete das Konzert mit klarer Linienführung und wachem Sinn für Proportionen. Das Allegro moderato spannte einen Bogen zwischen Dringlichkeit und Transparenz, ohne etwas zu forcieren; jede Stimme blieb hörbar. Kammermusik erschien hier nicht als Abfolge sauber gesetzter Einsätze, sondern als echtes Gespräch: aufmerksam, reaktionsschnell und aufeinander bezogen. Villa-Lobos’ „Fantaisie concertante” setzte im Lento einen deutlichen Kontrast. Gedämpfte Klangfarben und weich geführte Legatobögen bestimmten den Charakter. Besonders überzeugte die sorgfältig austarierte Balance zwischen Holzbläsern und Klavier: Keine Stimme drängte sich vor, selbst in dichter gesetzten Passagen blieb die Struktur durchsichtig.

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Andreas Marte

Mit Mendelssohns „Konzertstück Nr. 2 d-Moll” trat schließlich echte Virtuosität in den Vordergrund. Das Presto gewann seinen Reiz aus federnder Präzision statt aus bloßer Geschwindigkeit. Im Andante entfalteten sich die kantablen Linien ohne Sentimentalität, während das abschließende Allegretto grazioso tänzerische Leichtigkeit entwickelte, die nie ins Belanglose kippte. Das Trio Risonanze – Liliana Faragó (Klavier), Julia Maria Gallez (Fagott) und Angela Scullion (Klarinette) – überzeugte durch eine klare Artikulation und kluge Tempodisposition.

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Beethovens Trio C-Dur op. 87 bildete das Zentrum des Programms. Das Allegro lebte von elastischem Zusammenspiel und präziser Akzentuierung. Im Adagio entstand eine ruhige, tragfähige Klangfläche, aus der insbesondere das Englischhorn von Annika Matula mit warmem, schlankem Ton hervortrat. Quentin Föhr (Oboe) und Joana Eggenberger (Klarinette) gestalteten ihre Linien mit sicherer Intonation und deutlichem Sinn für formale Entwicklung. Das Finale setzte auf kontrollierte Energie statt auf bloße Lautstärke und schloss das Werk mit klar konturierter Spannung ab.

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Andreas Marte

Nach der Pause brachte Taffanels Bläserquintett französische Eleganz ins Programm. Das Allegro con moto überzeugte durch geschlossene Ensemblearbeit und lebendige Phrasierung. Den heiteren Ausklang gestalteten Malcolm Arnolds „Three Shanties“: rhythmisch pointiert, mit feinem Sinn für Ironie und spürbarer Spielfreude. So zeigte dieser Mittag, dass „Windkraft“ weniger als äußeres Temperament denn als innere Beweglichkeit gemeint war: als Bereitschaft zum Zuhören, Reagieren und gemeinsamen Gestalten.