„Ich freue mich sehr darauf, zurückzukehren”

Kultur / 08.03.2026 • 14:13 Uhr
helene grimmaud meisterkonzert
Valentin Silvestrov-Gala mit Hélène Grimaud und dem Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. mat heneck

Die Starpianistin Pianistin Hélène Grimaud gibt nach 2023 zum zweiten Mal ein Konzert in Bregenz.

bregenz In enger Zusammenarbeit mit der Pianistin Hélène Grimaud steht am Mittwochabend im Festspielabend ein intensiver Austausch mit der Musik des bedeutenden zeitgenössischen Komponisten Valentin Silvestrov auf dem Programm.

Wann sind Sie zum ersten Mal mit der Musik von Valentin Silvestrov in Berührung gekommen, und was hat Sie damals intuitiv angesprochen?

Hélène Grimaud Ich hatte das große Glück, die Musik von Valentin Silvestrov vor inzwischen fast zwei Jahrzehnten kennenzulernen – tatsächlich durch Vladimir Jurowski und Manfred Eicher. Zu meinem Geburtstag schenkte mir Manfred eine Aufnahme der Stille Lieder bei ECM. In diesen Zyklus und überhaupt in Silvestrovs Musik habe ich mich sofort verliebt. Mir war gleich klar, dass ich diese Stillen Lieder unbedingt lernen, aufführen und – wenn möglich – auch aufnehmen wollte. Allerdings dauerte es lange, bis sich der richtige Partner dafür fand. Schließlich hatte ich 2022 das große Glück, das Projekt gemeinsam mit Konstantin Krimmel zu realisieren. In der Zwischenzeit begann ich jedoch schon recht bald, andere Werke von Silvestrov zu spielen. Innerhalb von zwei Jahren nach meiner Entdeckung seiner Musik führte ich bereits The Messenger sowie Two Dialogues with Postscript auf – tatsächlich schon sehr früh im Konzert mit meinen lieben Kolleginnen und Kollegen des Kammerorchesters des Symphonieorchesters des BR. Später kamen dann auch die Bagatellen hinzu, sowohl im Konzert als auch in Aufnahmen.

Welche Bedeutung hat Valentin Silvestrov als Person für Sie?

Hélène Grimaud Ich denke, die Vorstellung, dem Schöpfer – dem Komponisten – zu begegnen, ist für jemanden, dessen Aufgabe es ist, einem Werk durch Interpretation gerecht zu werden, immer außerordentlich reizvoll. Als Konstantin Krimmel und ich im Winter 2022 in Berlin die Gelegenheit hatten, Valentin Silvestrov zu treffen, war das ein wunderbarer Moment. Dieser Mensch besitzt eine Tiefe der Überzeugung, die sehr beeindruckend ist – zugleich aber auch eine große Freundlichkeit und einen ausgeprägten moralischen Kompass. Er sagte einige wunderbare Dinge. Er war wirklich ganz bei uns, sehr wohlwollend in seiner Präsenz, und erzählte uns eine schöne Geschichte aus der Zeit, als sich seine musikalische Sprache veränderte. Im Zusammenhang mit den Stillen Liedern habe man ihm einmal gesagt, dass es aus kompositionstechnischer Sicht eigentlich nicht akzeptabel sei, die Melodie zwischen der Singstimme und der rechten Hand des begleitenden Instruments – in diesem Fall des Klaviers – zu verdoppeln. Darauf habe er geantwortet: Nun, im Moment sei die Melodie eine bedrohte Spezies, also schreibe man sie besser zweimal als nur einmal. Er sagte das mit einem schelmischen Funkeln in den Augen, diesem leicht spitzbübischen Blick und einem kleinen Lächeln im Mundwinkel. Es war einfach bezaubernd – geradezu unwiderstehlich – und zugleich unglaublich klug, was er sagte, und so wahr. Natürlich waren wir vollkommen davon eingenommen. Diese Persönlichkeit verdient den größten Respekt – und gerade deshalb verleiht sie der Verantwortung, seine Musik zu spielen, noch mehr Gewicht.

„Ich freue mich sehr darauf, zurückzukehren"

Welche innere Dramaturgie oder poetische Linie nehmen Sie in der Auswahl Ihres Programms in Brgenz wahr, und worauf freuen Sie sich im Konzert besonders?

Hélène Grimaud Die Dramaturgie dieser Werke ist eigentlich recht einfach. Es handelt sich im Grunde um eine Art Bewusstseinsstrom, also um einen ungefilterten, nichtlinearen Fluss von Gedanken, Emotionen und Sinneseindrücken.

Welche Beziehung haben Sie zu Bregenz und diesem besonderen Veranstaltungsort – und warum ist Ihnen diese Gala im Rahmen der Bregenzer Meisterkonzerte persönlich wichtig?

Hélène Grimaud Ich hatte eine wunderbare Erfahrung, als ich mein letztes Rezitalprogramm im Festspielhaus Bregenz aufgeführt habe. Der Saal war komplett ausverkauft, was natürlich immer zu einem noch intensiveren Erlebnis beiträgt. Besonders dann, wenn man sich sowohl individuell als auch als Ganzes mit dem Publikum wirklich verbinden kann. Das Publikum war absolut fantastisch, unglaublich konzentriert. Man konnte merken, dass es sehr kultiviert war, zugleich aber auch wunderbar aufgeschlossen – im Sinne von offen im Geist und im Herzen. Ich habe daher sehr schöne Erinnerungen an dieses Erlebnis, und genau deshalb freue ich mich sehr darauf, zurückzukehren und diese ganz besondere Musik an diesen Ort und zu diesem Publikum zu bringen.