„Frauenspuren“ in Dornbirn von Roswitha Fessler

Kultur / 17.03.2026 • 12:53 Uhr
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dornbirner schriften

Die 54. Ausgabe der Dornbirner Schriften ist zur Gänze der Frauengeschichte gewidmet.

Dornbirn In der Theorie ist man sich schon lange und weitgehend darüber einig, dass Frauen in der Geschichtsschreibung kaum vorkommen, da dort meist nur öffentliches Engagement verhandelt wird. In der Praxis allerdings werden Leben und Leistung von Frauen noch immer nur marginal erforscht und dargestellt. Für den Bereich der Dornbirner Lokalgeschichte hat nun Roswitha Fessler mit einem ersten Schritt ein starkes Zeichen gesetzt. Die 54. Ausgabe der Dornbirner Schriften ist zur Gänze der Frauengeschichte gewidmet. Darin wirft Fessler „einen anderen Blick auf Dornbirns Geschichte im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ und zeigt in zahlreichen Porträts die historische Bedeutung unterschiedlicher Frauen, die im öffentlichen Diskurs bisher kaum wahrgenommen wurden. Nach einer informativen Einleitung zur Forschungslage untersucht die Autorin unterschiedliche Frauenleben in acht Kapiteln. Der Bogen reicht von erfolgreichen Unternehmerinnen sowie frühen Sozialdemokratinnen, von Akteurinnen im Nationalsozialismus und Frauen im Widerstand bis zu Erfinderinnen und Künstlerinnen. Sie alle hat es in Dornbirn gegeben, aber Lebenswege und Leistungen galt es mühsam zu suchen und zu rekonstruieren, da die weiblichen Spuren großteils verwischt wurden.

Notsituationen

Nach ausführlicher Recherche in Archiven, in der Presse und bei Familien ist es Roswitha Fessler gelungen, Frauen vorzustellen, die Ungewöhnliches geleistet, couragiert eine Sache vertreten haben und erfolgreich in damals als männlich geltende berufliche und politische Bereiche vorgedrungen sind. In den kurzen Einleitungen zu den einzelnen Kapiteln wird das Feld hinsichtlich des weiblichen Spielraums abgesteckt. Auf diese Weise gelingt es der Autorin, die gesellschaftlichen Einschränkungen sowie mögliche Handlungsfelder für Frauen aufzuzeigen. Dabei wird deutlich, dass der öffentliche Einsatz der Frauen immer dann gefragt war, wenn die Männer im Krieg waren oder das Familienoberhaupt durch einen frühen Tod ausfiel. In solchen Notsituationen bekamen die Frauen zumindest zeitweise das Sagen und zugleich die gesamte Verantwortung für Familie und Geschäft. Den Frauen wurde lange auch ein künstlerisches Potential abgesprochen, um den kreativen Bereich den Männern reserviert zu halten.“Das Weib gebiert Menschen, der Mann das Kunstwerk“, war die apodiktische Feststellung des Kunstkritikers Karl Scheffler. Einige Dornbirnerinnen haben ihn widerlegt. Wer also Interesse an Geschichten über bemerkenswerte, selbst- und widerständige Frauen aus und in Dornbirn hat, wird mit der Lektüre von Roswitha Fesslers „Frauenspuren“ nicht nur einen Erkenntnisgewinn, sondern auch seine Freude haben.
MP