Die Kunst der Balance

Kultur / 18.03.2026 • 12:23 Uhr
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Das Minguet Quartett spielte im Rathaussaal von Vaduz Rheinbergers Streichquartett.Andreas Marte

Das Minguet Quartett macht die kammermusikalische Feinheit von Rheinbergers zweitem Streichquartett hörbar.

vaduz Vom 14. bis 22. März 2026 steht Liechtenstein ganz im Zeichen von Josef Gabriel Rheinberger, dessen Name untrennbar mit der musikalischen Identität des Landes verbunden ist. Anlässlich seines 125. Todestages erinnert das Rheinberger Festival an den in Vaduz geborenen Musiker, der im 19. Jahrhundert als Organist, Komponist und Lehrer am Münchner Konservatorium europaweit Ansehen erlangte und dessen Werk bis heute durch handwerkliche Souveränität und stilistische Klarheit besticht.

Einen besonderen Akzent setzte am Dienstagabend ein Kammerkonzert im Rathaussaal von Vaduz, bei dem zwei unterschiedliche musikalische Welten in einen spannungsreichen Zusammenhang gestellt wurden. Neben Andreas Groethuysen mit dem Klavierquintett von Johannes Brahms stand vor allem das Minguet Quartett im Mittelpunkt des Abends. Das 1988 gegründete Ensemble zählt seit Jahren zu den international gefragtesten Streichquartetten und ist in den großen Konzertsälen Europas, Asiens und Amerikas präsent.

Klassische Tradition

Auf dem Programm stand Rheinbergers Streichquartett Nr. 2, ein Werk aus seiner späten Schaffensphase. Es zeigt einen Komponisten, der sich in bewusster Distanz zu den ästhetischen Umbrüchen seiner Zeit bewegt. Während sich um ihn herum neue Ausdrucksformen und klangliche Extreme entwickelten, hielt Rheinberger an einem Ideal fest, das sich aus der klassischen Tradition speist und durch eine zurückhaltende, romantische Klangsprache erweitert wird. In dieser Haltung liegen weder Rückzug noch Verweigerung, sondern eine konsequente Entscheidung für Maß, Ausgewogenheit und formale Geschlossenheit.

Das Quartett entfaltet seine Wirkung durch die Sorgfalt, mit der Themen entwickelt und miteinander verwoben werden. Die vier Stimmen treten in einen kontinuierlichen Dialog, der von Klarheit der Linien und einer oft kantablen Melodik geprägt ist. Die harmonische Sprache bleibt dabei in einem vertrauten Rahmen, gewinnt ihre Spannung jedoch aus feinen Verschiebungen und subtilen Übergängen, die sich erst im konzentrierten Hören vollständig erschließen.

Chorseminar Liechtenstein

Gerade in dieser Zurückhaltung liegt die Qualität des Werkes, das sich jeder schnellen Vereinnahmung entzieht. Es verlangt Aufmerksamkeit und belohnt diese mit einer inneren Geschlossenheit, die weniger auf Effekt als auf Dauer angelegt ist. Das Minguet Quartett begegnete dieser Musik mit einer Interpretation, die ihre strukturelle Balance ebenso ernst nahm wie ihre klangliche Feinzeichnung. Dadurch wurde Rheinbergers Tonsprache in ihrer ganzen Differenziertheit erfahrbar.

Das Rheinberger Festival setzt diese Auseinandersetzung mit dem Werk des Komponisten in den kommenden Tagen fort. Am 21. März gestaltet das Chorseminar Liechtenstein unter dem Motto “Rheinberger und der Klang von morgen” in der Kulturbühne Ambach in Götzis einen Konzertabend, der die spätromantische Klangwelt Rheinbergers in einen größeren Kontext stellt. Im Mittelpunkt steht das Oratorium „Christoforus” aus dem Jahr 1880, eines seiner bedeutendsten geistlichen Werke, das die Legende des Heiligen Christophorus musikalisch ausdeutet.

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Ergänzt wird das Programm durch selten gespielte Kompositionen von Luise Adolpha Le Beau und Engelbert Humperdinck, die beide in Verbindung zu Rheinberger standen und dessen Einfluss als Lehrer erkennen lassen. Mit Jardena Flückiger, Martina Gmeinder, Michael Nowak und Clemens Morgenthaler sind profilierte Solistinnen und Solisten zu hören, die vom Chorseminar Liechtenstein und dem Sinfonieorchester Liechtenstein unter der Leitung von William Maxfield begleitet werden.