Spuren der Stille und des Erinnerns

Kultur / 20.03.2026 • 10:40 Uhr
Spuren der Stille und des Erinnerns
Die Uraufführung von Michael Floredos “Meditation in memoriam Carl Lampert” wird eine der Höhepunkte des Konzerts.Bernd Hofmeister

Dornbirn wird Schauplatz eines Programms, das von Bach bis zur Uraufführung reicht.

Dornbirn Am Samstag, dem 21. März, findet in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn das Konzert „Zwischen Himmel und Erde“ statt. In dem Programm begegnen sich Werke aus verschiedenen Jahrhunderten, die in ihrer geistigen Intensität dennoch eine gemeinsame Sprache sprechen. Für die Gestaltung des Abends konnten die Sopranistin Coco Lau, der Schlagzeuger Markus Lässer, die Cellistin Isabella Fink sowie die Organisten Jürgen Natter und Michael Florido gewonnen werden. Gemeinsam entfalten sie ein Programm, das traditionelle Orgelwerke mit zeitgenössischen Kompositionen verbindet und dabei immer wieder den Blick auf existenzielle Fragen richtet.

Studienaufenthalt

Michael Floredo, geboren am 28. Juni 1967 in Hohenems, zählt zu den prägenden musikalischen Persönlichkeiten Vorarlbergs, deren künstlerischer Weg früh seinen Anfang nahm, als er bereits im Alter von neun Jahren erste eigene Kompositionen zu Papier brachte und damit eine Entwicklung einleitete, die von bemerkenswerter Konsequenz und Hingabe getragen ist. Seine schulische Ausbildung führte ihn zunächst an die Musikhauptschule in Götzis, ehe er am Musikgymnasium Feldkirch unter anderem Klarinettenunterricht bei Georg Vinciguerra erhielt. Ein entscheidender Impuls folgte im Jahr 1986 mit einem einjährigen privaten Studienaufenthalt im Stift Sankt Florian, wo er sich unter der Anleitung von Augustinus Franz Kropfreiter intensiv mit Komposition und Orgelspiel auseinandersetzte und damit eine künstlerische Prägung erfuhr, die in seinem späteren Schaffen deutlich nachwirkt. Von 1987 bis 1992 studierte Floredo am Vorarlberger Landeskonservatorium in Feldkirch, wo er Komposition bei Gerold Amann sowie Klavier bei Melody Wu belegte.

Dunkelheit und Stille

Den Auftakt bildet Max Regers monumentale Toccata d-Moll op. 129/1 aus dem Jahr 1913, ein Werk von kraftvoller Virtuosität, das den klanglichen Raum der Kirche mit eruptiver Energie erfüllt. Anschließend erklingt Michael Floredos Orgelstück „Nacht” aus dem Jahr 2002, dessen musikalische Sprache eine andere Seite des spirituellen Erlebens berührt. Dunkelheit, Stille und innere Sammlung.

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Mit der Uraufführung von Floredos „Meditation in memoriam Carl Lampert” für Violoncello solo erhält der Abend eine besonders persönliche Dimension. Die Komposition ist dem Vorarlberger Priester und NS-Widerstandskämpfer Carl Lampert gewidmet, der 1944 hingerichtet wurde und heute als Seliger verehrt wird. Eine weitere Facette geistlicher Musik zeigt sich im „Liebeslied aus den Psalmen Salomons“, einer Komposition Floredos für Sopran und Schlagwerk. Hier verbindet sich poetischer Text mit einer farbenreichen Klangsprache, die zwischen kontemplativer Innigkeit und expressiver Intensität pendelt.

Orgelimprovisation

Als historischer Bezugspunkt durchziehen zwei Choralbearbeitungen von Johann Sebastian Bach das Programm. Die Orgelwerke „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ (BWV 641) und „O Mensch, bewein dein’ Sünde groß“ (BWV 622) gehören zu den eindringlichsten musikalischen Meditationen über Leid, Hoffnung und Erlösung. Einen dramaturgischen Höhepunkt bildet Floredos Werk „Kreuzwegstationen” für Sopran, Schlagwerk und Orgel aus dem Jahr 2016, das die Passionsgeschichte in eine moderne musikalische Sprache überträgt. Stimme, Rhythmus und Orgel verschränken sich dabei zu einer eindringlichen Klangdramaturgie. Den Abschluss des Abends bildet eine Orgelimprovisation, in der Michael Floredo den Kirchenraum noch einmal frei musikalisch auslotet und die Idee des Konzerttitels in einem offenen, spontanen Klangprozess weiterführt.