Die Frau hinter dem Gold

Kultur / 22.03.2026 • 14:51 Uhr
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Anlässlich ihres 100. Geburtstags erscheint „Golden Marilyn – Marilyn und die Kamera” in einer Neuauflage.The Kobal Collection

Ein Jubiläumsband zeigt Marilyn Monroe zwischen Glamourfotografie und persönlicher Wahrheit.

München Anlässlich des hundertsten Geburtstags von Marilyn Monroe am 1. Juni erscheint mit „Golden Marilyn – Marilyn und die Kamera” eine Neuauflage jenes Bildbandes, der bereits 1989 den Mythos der Schauspielerin auf eine bis heute nachwirkende Weise in Form brachte, indem er mehr zeigte als bloße Ikonenpflege und zugleich das paradoxe Verhältnis zwischen Inszenierung und Persönlichkeit sichtbar machte. Marilyn Monroe, geboren 1926 als Norma Jeane Baker in Los Angeles, wuchs in schwierigen Verhältnissen auf und wurde in den 1950er Jahren zum größten Hollywood-Star. Ihr Leben war geprägt von Ruhm, inneren Konflikten und früher Tragik. Sie starb 1962 im Alter von 36 Jahren.

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Bob Willoughby

Der Band begleitet Norma Jeane Baker, die 1945 als Fotomodell beginnt, auf ihrem siebzehn Jahre währenden Karriereweg. Vor der Kamera erfindet und verwandelt sie sich immer wieder neu. Dabei stellt jede Aufnahme – ob von Richard Avedon, Philippe Halsman, Cecil Beaton oder Bert Stern – weniger ein statisches Porträt als vielmehr eine Momentaufnahme eines fortwährenden Aushandlungsprozesses zwischen Selbstbild und öffentlicher Erwartung dar.

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John Florea / courtesy Schirmer/Mosel

Was diese Edition von vielen anderen Bildbänden unterscheidet, ist ihre kluge Dramaturgie. Die Fotografien werden nicht einfach aneinandergereiht, sondern als visuelle Erzählung präsentiert, in der sich Aufstieg, Stilisierung und schließlich Überhöhung zur Legende abzeichnen. Gleichzeitig eröffnen die Paparazzi-Aufnahmen eine zweite, rauere Perspektive, die den Glanz bricht, ohne ihn zu zerstören.

Glamourfotografie

Besonders eindrücklich wirkt dabei das berühmte Interview, das Georges Belmont 1960 mit Monroe führte und das hier einen zentralen Platz einnimmt. Es macht eine Stimme hörbar, die sich dem Bild widersetzt, die reflektiert, ironisiert und sich ihrer eigenen Rolle mit erstaunlicher Klarheit bewusst ist. Dadurch öffnet sich jene Differenz zwischen der öffentlichen Figur und der privaten Person, die den Mythos erst wirklich verständlich macht.

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Schirmer/Mosel

Die Jubiläumsausgabe überzeugt zudem durch ihre sorgfältige Gestaltung. Der goldene Umschlag spielt bewusst mit der Aura des Stars, wahrt aber zugleich eine gewisse Distanz. Dadurch ist es möglich, das Material nicht nur als nostalgisches Erinnerungsstück, sondern auch als kulturhistorisches Dokument zu lesen. Letzteres macht die Ästhetik der Glamourfotografie der fünfziger Jahre ebenso sichtbar wie deren Mechanismen.

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Schirmer/Mosel

So ist ein Buch entstanden, das nicht nur von Schönheit erzählt, sondern auch von Blicken, Projektionen und Erwartungen. Es ist die Geschichte einer Frau, die gelernt hat, sich in Bildern zu behaupten und die gerade deshalb auch heute noch irritiert, weil sie sich jeder endgültigen Festlegung entzieht. „Golden Marilyn“ ist somit weniger eine Hommage als eine präzise komponierte Annäherung an eine Figur, die im Zusammenspiel von Kamera und Öffentlichkeit zu einer der wirkmächtigsten Erscheinungen des 20. Jahrhunderts wurde und deren Faszination auch ein 100 Jahre nach ihrer Geburt nichts von ihrer Intensität verloren hat.

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