Wirbel um Gräve-Entscheidung: “Kollegen haben Angst um ihre Jobs”

Kultur / 26.03.2026 • 10:11 Uhr
Wirbel um Gräve-Entscheidung: "Kollegen haben Angst um ihre Jobs"
“Wenn sich ein Aufsichtsratsmitglied die Mühe macht, eine Liste von Unterzeichnenden zu erstellen und mit der Mitarbeiterliste auf der Homepage abzugleichen, wirkt das auf Beschäftige mitunter beängstigend”, so die Mitarbeiter.Daniel Furxer

Ensemble und künstlerisches Personal widersprechen der Darstellung interner Defizite am Landestheater.

Bregenz Am Vorarlberger Landestheater hält die Diskussion um die Nichtverlängerung von Intendantin Stephanie Gräve weiter an. Ausgelöst wurde sie zuletzt durch einen Offenen Brief, der vom Ensemble sowie von großen Teilen des künstlerischen Personals unterzeichnet wurde.

In dem Offenen Brief stellen sich die Unterzeichnenden deutlich hinter Gräve. „Für uns Beschäftigte ist Stephanie mehr als eine Chefin“, heißt es darin. Verwiesen wird auf ein internationales Team, das „gut und gerne zusammenarbeitet“ und einen „unstillbaren Hunger darauf“ habe, Kunst zu machen. Gräve ermögliche nicht nur die Zusammenarbeit mit renommierten Gastkünstlern, sondern auch eigene künstlerische Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem zeichne sie sich, so die Verfasser, durch Nähe zu den Mitarbeitenden aus: Sie sei „stets für uns da“, höre Wünsche, Sorgen und Probleme an und finde dafür Lösungen.

Besonders hervorgehoben wird in dem Schreiben auch ihr Umgang mit Arbeitsbedingungen. Ohne dazu verpflichtet zu sein, schaue Gräve „nach Deutschland, wo eine starke Bühnengewerkschaft und verschiedene Netzwerke über die letzten Jahre die Theaterlandschaft stark verändert haben“, bespreche solche Entwicklungen mit den Beschäftigten und adaptiere sie bei Bedarf.

Zugleich wenden sich die Verfasser gegen die von Salzmann vorgenommene Einordnung der Petition zugunsten Gräves. Demnach habe nur etwa jeder vierte der auf der Website aufgelisteten 20 Personen die Petition unterzeichnet. Diese Aussage, so der Offene Brief, sei „nicht nachprüfbar“, weil viele Unterstützer anonym unterschrieben hätten und ihre Namen öffentlich nicht einsehbar seien, auch weil Kollegen Angst um ihre Jobs hätten.

Gerade in einer Situation des bevorstehenden Intendanzwechsels, in der Beschäftigte um ihre berufliche Zukunft fürchten müssten, sei Anonymisierung nachvollziehbar. Die Schlussfolgerung, aus dieser Zahl lasse sich eine „Aussage über die interne Situation“ ableiten, bezeichnen die Unterzeichnenden als Spekulation.

Kritisch sehen sie auch, dass das Ensemble bei dieser Berechnung offenbar nicht berücksichtigt worden sei, obwohl gerade diese Gruppe von der Entscheidung des Aufsichtsrats besonders betroffen sei. Darüber hinaus hinterfragen sie die von Salzmann angeführten „Defizite“ in internen Bereichen, über die dieser nach eigenen Worten nicht öffentlich sprechen könne. Aus Sicht der Unterzeichnenden zeichnen das Ensemble und große Teile des künstlerischen Personals „ein anderes Bild ihrer Intendantin“. Zudem verweise der erfolgreiche Betrieb des Theaters aus ihrer Sicht nicht auf schwerwiegende interne Mängel.

Franz Salzmann hatte die Entscheidung des Aufsichtsrats damit begründet, dass neben Besucherentwicklung, künstlerischem Profil und Budgetdisziplin auch die „innere Situation des Hauses“ entscheidend sei. Für die Öffentlichkeit oft nicht sichtbar seien Fragen des Personalmanagements, der Produktionsabläufe, der Administration und der internen Kommunikation. Der Aufsichtsrat trage Verantwortung „für die Belegschaft, das Betriebsklima und die Qualität der innerbetrieblichen Abläufe“. In diesen Bereichen gebe es aus seiner Sicht „Defizite, über die man nicht hinwegsehen kann“.