“Ein Schlag ins Gesicht von Stephanie Gräve”

Schöbi-Fink: Für eine Verlängerung wäre „eine in jeder Hinsicht außergewöhnlich positive Gesamtbeurteilung erforderlich“ gewesen.
Bregenz Die Kritik am Umgang der Vorarlberger Landesregierung mit Stephanie Gräve, der Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, reißt nicht ab. Nachdem Kultur-Landesrätin Barbara Schöbi-Fink bekannt gegeben hatte, dass Gräves Vertrag zum 31. Juli 2028 endet und die Position zur Spielzeit 2028/29 neu ausgeschrieben wird, formierte sich Widerstand – vonseiten der Opposition, des Vereins der TheaterFreund:innen und auch des Bürger:innenchors. Am Donnerstagabend reagierte Schöbi-Fink mit einer ausführlichen Klarstellung, die an die Klubobleute sowie die Kultursprecher der im Vorarlberger Landtag vertretenen Fraktionen erging.
Der Vorstand des Vereins der TheaterFreund:innen sprach zuvor in einem Offenen Brief von einer Entscheidung „gegen den erklärten Wunsch des Publikums“ und nannte das Vorgehen bei der Bekanntgabe „ein Schlag ins Gesicht von Stephanie Gräve“. Besonders kritisiert wurde, dass die Information an die Intendantin unmittelbar vor der Veröffentlichung erfolgte und die Presseaussendung keine klare Würdigung ihrer Arbeit enthielt. Aus Protest gegen die „unbegründete, willkürliche und nicht nachvollziehbare Entscheidung“ kündigte der Vorstand seinen Rücktritt zum Ende der Spielsaison 2025/26 an. Zahlreiche Vereinsmitglieder hätten bereits ihre Kündigung erklärt.
In dem Schreiben wird Gräves Amtsführung ausdrücklich gelobt: Sie sei ihrem Auftrag „in vorbildlicher Weise“ nachgekommen. Es wird auf gewonnene Theaterpreise, die erfolgreiche Ansprache eines jungen Publikums, Uraufführungen mit Vorarlberg-Bezug sowie zahlreiche ausverkaufte Vorstellungen verwiesen. Unter ihrer Leitung habe sich das Landestheater zu einem lebendigen und anerkannten Haus entwickelt.
Auch der Bürger:innenchor des Landestheaters hatte sich mit einem offenen Brief zu Wort gemeldet und richtete fünf Fragen an die zuständige Landesrätin. Gleich zu Beginn des Briefs heißt es: „Warum wollen Sie die überaus erfolgreiche Intendanz von Stephanie Gräve mit Ablauf der Spielzeit 2027/28 beenden?“ Eine überzeugende Begründung für diesen Schritt vermisse man bislang. Gräve habe das Haus grundlegend erneuert und aus einem „verstaubten Theater“ einen über die Landesgrenzen hinaus beachteten Kulturort gemacht.

Scharfe Kritik übte der Chor am Verfahren. Man sei „empört und fassungslos“, dass Gräve nicht im Vorfeld in die Überlegungen einbezogen worden sei. Im Raum stehe die Frage, ob mit öffentlichem Widerstand gerechnet worden sei und deshalb rasch Fakten geschaffen wurden oder ob sich die Politik hinter dem Beschluss des Aufsichtsrats verstecke.
Diesen Vorwürfen tritt Schöbi-Fink nun entschieden entgegen. „Die Entscheidung über eine allfällige weitere Vertragsverlängerung wurde nicht kurzfristig oder aufgrund einzelner Ereignisse der jüngeren Vergangenheit getroffen.“ Vielmehr sei der Zeitpunkt der Befassung – rund zweieinhalb Jahre vor Vertragsende – „auf ausdrücklichen Wunsch der Intendantin“ erfolgt, um frühzeitig Klarheit über die weitere Perspektive zu erhalten.
Auf Ebene des Aufsichtsrats sei die Frage über einen längeren Zeitraum hinweg beraten worden. In der Sitzung vom 5. März sei das Gesamtbild umfassend diskutiert worden. „Dabei wurden das Programm, die Publikumsentwicklung und auch die wirtschaftlichen Kennzahlen positiv erörtert und entsprechend gewürdigt“, so Schöbi-Fink. Für eine Verlängerung über eine dann zehnjährige Zusammenarbeit hinaus wäre jedoch „eine in jeder Hinsicht außergewöhnlich positive Gesamtbeurteilung erforderlich“ gewesen. „Diese lag in der Gesamtschau nicht vor.“ Der Aufsichtsrat habe sich daher einstimmig für eine Neuausschreibung ausgesprochen.
Zugleich unterstreicht die Landesrätin, dass der laufende Vertrag selbstverständlich erfüllt werde und die Entscheidung rechtzeitig und in geordnetem Rahmen getroffen worden sei, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Gräve sei in einem „persönlichen, rund zweistündigen Gespräch“ informiert worden – „selbstverständlich und anders als kolportiert vor Versand der Medieninformation“. Die Behauptung, sie habe aus den Medien von der Entscheidung erfahren, „entspricht nicht der Wahrheit“.
Auch die Wertschätzung für die bisherige künstlerische Arbeit sei klar zum Ausdruck gebracht worden – sowohl im Gespräch als auch gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.