Ewiges Problem Schule

Kultur / 27.03.2026 • 11:29 Uhr
Ewiges Problem Schule
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VN-Kommentar von walter Fink.

Es war im Oktober des Jahres 2014, also vor zwölf Jahren. Gerade hatte sich die Schwarz-grüne Koalition im Landtag gebildet, als der damalige Landesrat Johannes Rauch von den Grünen und Landeshauptmann Markus Wallner ihre Schwerpunkte für die kommende Regierungsperiode bekanntgaben. Markus Wallner nannte dabei die Bildungspolitik „das Allerwichtigste in der Ausrichtung des Landes für die Zukunft“. Früh- und Sprachförderung sollten gestärkt, die Zahl der Ganztagesklassen verdoppelt werden. Vor allem aber solle die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen in einer Modellregion getestet werden. In dieser – noch nicht näher definierten – Region werde es also nur noch dieses Schulmodell geben.

2015 hat sich der Vorarlberger Landtag zur Einführung der Gemeinsamen Schule bis zu 14 Jahren bekannt, nachdem zwei Jahre zuvor ein breit angelegtes Forschungsprojekt gestartet worden war. Ziel war, die gemeinsame Schule bis 2025 einzuführen. Da hat man den Mund ziemlich voll genommen, geschehen ist dann nämlich nichts mehr. Die Kinder, die damals eingeschult wurden, haben ihre Schulpflicht längst erfüllt, ohne jemals eine gemeinsame Schule oder eine Ganztagsschule erlebt zu haben. Dieses politische Vorpreschen im Land für eine „Modellregion“ wurde ziemlich bald im Bund gebremst – und ist im Land dem Vergessen anheimgefallen. Doch jetzt darf man staunen: In der Zeitschrift „Die Wirtschaft“ – von der Vorarlberger Wirtschaftskammer herausgegeben – wird in der neuesten Ausgabe die Forderung nach dem „Ausbau von Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht“ erhoben.

Nun ist „Die Wirtschaft“ ja nicht gerade ein linkes Kampfblatt, sondern das offizielle Mitteilungsblatt der Kammer, die wiederum ganz brav und schlicht kohlrabenschwarz ist. Es gibt also, darf man ohne Bösartigkeit behaupten, eine Nähe zur mandatsstärksten Partei im Landtag und stärksten Fraktion in der Landesregierung, also zur ÖVP. Und deren Chef ist nach wie vor Landeshauptmann Markus Wallner. Genau, jener Marks Wallner, der vor zwölf Jahren die Bildungspolitik als „das Allerwichtigste“ bezeichnet hat. Und jetzt, mehr als ein Jahrzehnt später, fordert „seine“ Wirtschaftskammer die Einführung der Ganztagsschule. Man hat also selbst in Teilen der Volkspartei eingesehen, dass da Jahrzehnte nichts passiert ist, dass also die Bildungspolitik keineswegs „das Allerwichtigste in der Ausrichtung des Landes für die Zukunft“ wurde.

Die Gründe für die Kammer: „Bei verschränkten Ganztagsschulen wechseln sich Unterrichts-, Lern-, Ruhe- und Freizeitphasen über den ganzen Schultag hinweg ab. (…) Gleichzeitig können Hausübungen und die Vorbereitung auf Schularbeiten direkt in der Schule unter pädagogischer Aufsicht erledigt werden. (…) Das verbessert die Vereinbarkeit von Beruf und Schule erheblich. Besonders für Alleinerziehende oder Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind.“ Daraus der Schluss der Wirtschaftskammer: „Der Ausbau dieser Schulform ist eine Investition in Bildung, Chancengleichheit und die Zukunft des Standorts.“ Ins Stammbuch der ÖVP seis geschrieben.