Karin Bergmann wird Interims-Intendantin

Die frühere Direktorin des Wiener Burgtheaters übernimmt die Intendanz der Salzburger Festspiele.
Salzburg Die 72-Jährige Karin Bergmann tritt die Nachfolge des beurlaubten Markus Hinterhäuser an und soll das Festival bis zur Bestellung einer neuen Intendanz – voraussichtlich bis Herbst 2027 – leiten. In dieser Zeit verantwortet sie die Umsetzung des Spiel- und Haushaltsplans der kommenden zwei Festspielsaisons. Künstlerische Intendanz und Präsidium sollen in den nächsten Wochen gleichzeitig ausgeschrieben werden.
Bergmann gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten des österreichischen Theaterlebens. Geboren 1953 im deutschen Recklinghausen, begann sie ihre Karriere als Assistentin am Schauspielhaus Bochum, später als Pressereferentin in Hamburg. 1986 kam sie mit Claus Peymann ans Wiener Burgtheater, jenes Haus, das zum Zentrum ihrer beruflichen Laufbahn werden sollte. Jahrzehntelang wirkte sie dort als Pressesprecherin, Direktionsmitglied und stellvertretende Direktorin.
Bund, Land und Stadt Salzburg
Als Matthias Hartmann 2014 abrupt entlassen wurde, übernahm Bergmann zunächst interimistisch die Leitung und wurde wenig später offiziell zur Direktorin bestellt. Damit war sie die erste Frau in der über 240-jährigen Geschichte des Hauses. Ihre Amtszeit bis 2019 stand im Zeichen von Stabilisierung, wirtschaftlicher Konsolidierung und einem Spielplan, der Klassiker und Gegenwartsdramatik verband. Sie galt als sachliche, verlässliche Leiterin, die auf Kontinuität und Ensemblepflege setzte statt auf öffentliche Selbstinszenierung. Seit 2021 verantwortet sie den Bereich Theater und Literatur bei den Salzkammergut Festwochen in Gmunden.
Den Ausgangspunkt der Krise bei den Salzburger Festspielen bildete die vorzeitige Trennung von Schauspielchefin Marina Davydova nach nur einem Jahr Ende 2024. Das Kuratorium in dem Bund, Land und Stadt Salzburg sowie der Salzburger Tourismusförderungsfonds vertreten sind, forderte daraufhin von Hinterhäuser eine transparente Neubesetzung mit öffentlicher Ausschreibung. 23 Kandidatinnen und Kandidaten bewarben sich, sechs wurden zu einem Hearing geladen, fünf erschienen.
Emotionale Aussprache
Unmittelbar nach dem Hearing wurde bekannt, dass Hinterhäuser ausgerechnet Karin Bergmann intern als Favoritin bezeichnet haben soll, obwohl sie weder am Auswahlverfahren noch am Hearing teilgenommen hatte. Das Kuratorium reagierte empört. Eine darauffolgende Aussprache soll laut Teilnehmern sehr heftig gewesen sein. Das Kuratorium stellte fest, dass Hinterhäuser die Bedingungen für eine Vertragsverlängerung bis 2031 nicht erfüllt habe, und bot ihm an, noch ein Jahr zur geordneten Übergabe weiterzumachen. Hinterhäuser ließ die Frist verstreichen und bestand auf einem rechtsgültigen Vertrag bis 2031, woraufhin die Causa den Anwälten übergeben wurde.
Am 26. März 2026 gaben die Salzburger Festspiele und Hinterhäuser die Trennung bekannt. Beide Seiten einigten sich darauf, dass Hinterhäuser bis zum Vertragsende am 30. September 2026 beurlaubt bleibt. Mit Karin Bergmann übernimmt nun jene Frau die Interims-Intendanz, deren Name den Konflikt ursprünglich ausgelöst hatte, eine bemerkenswerte Wendung in einer turbulenten Causa.