Ein Raum der Begegnung und Inspiration

Das Eröffnungsfest der „Ghörige Stube*” findet am 9. April ab 17 Uhr bei freiem Eintritt statt.
Bregenz Schon vor der offiziellen Eröffnung ist die „Ghörige Stube*” im vorarlberg museum ein Erfolg: Über 350 Gäste haben bislang ein Gratis-Ticket an der Kassa geholt, um zu spielen, Menschen kennenzulernen oder einfach durchzuatmen. Nicht eingerechnet sind dabei jene Ausstellungsbesucherinnen und Ausstellungsbesucher, die diesen ungewöhnlichen Ort ohnehin jederzeit für sich entdecken können. Nun steht das eigentliche Eröffnungsfest an: Am Donnerstag, 9. April, lädt das Museum von 17 bis 21 Uhr in den vierten Stock mit Programm zur vollen Stunde, Eintritt frei.

Die Atmosphäre der Stube lässt sich schwer in eine Schublade stecken: irgendwo zwischen „Alice im Wunderland” und Omas gemütlicher Wohnstube. Die klassischen Möbel – Sofa, Tisch, Kachelofen – sind bewusst überdimensional gehalten und laden zur Perspektivverschiebung ein. Lesen, stricken, spielen oder einfach den Blick über die Dächer der Bregenzer Altstadt schweifen lassen: Alles ist möglich, nichts ist Pflicht. Das Eröffnungsfest gibt einen ersten Einblick in die Programme, die künftig in der Stube stattfinden werden. Das Musikduo DuoLia eröffnet den Abend mit „Stubenmusik modern”: Alia Wüschner und Julia Jackel spielen unter dem riesigen Lampenschirm, umarmen mit ihren Songs die Welt und feiern ihre Freundschaft: Singer-Songwriter-Style, made in Vorarlberg.

Künstlerin Eva Kees öffnet beim Fest erstmals ihr temporäres „Erinnerungsamt”. Sie interessiert sich für Dinge und Geschichten, die bleiben, wenn ein Mensch geht und bietet eine Anlaufstelle für Andenken, die vielleicht keinen monetären, dafür einen hohen ideellen Wert besitzen. Wer etwas zu erzählen hat, findet bei ihr ein offenes Ohr. Kees, 1982 in Bregenz geboren, studierte künstlerische Fotografie in Wien, Brüssel und New York City, lebt und arbeitet heute zwischen Wien und Vorarlberg und widmet sich seit mehreren Jahren in ihrer künstlerischen Praxis den vielschichtigen Spuren persönlicher Nachlässe.

Auch Wieland Alge ist Teil des Programms. Der theoretische Physiker, IT-Security-Experte und leidenschaftliche Leser von Lexika stellt sich unter dem Titel „www – Wieland weiß warum“ den kniffligsten Fragen. Was als Frage beginnt, entwickelt sich bei ihm oft zu einem Gespräch und mündet nicht selten in jenen kleinen Momenten der Erkenntnis, die lange nachwirken.

Hinter dem Konzept steckt mehr als eine nette Raumidee. Der Dialektausdruck „ghörig” meint ursprünglich „ordentlich” oder „gehörig” – das Sternchen weitet ihn bewusst aus: weg von Zugehörigkeitsfragen oder moralischen Zuschreibungen, hin zu Offenheit, Vielfalt und Verbundenheit. Als „Dritter Ort” neben Zuhause und Arbeitsplatz setzt das Museum ein Zeichen in einer Zeit, in der Begegnung oft digital stattfindet und der Alltag von Tempo geprägt ist. Kein Konsumzwang, keine Zugangsschwelle.

Die Ghörige Stube*, initiiert von Christina Jacoby und Kathrin Dünser, ist damit mehr als ein Raum. Sie ist ein Versprechen. Hier darf Zeit sich dehnen, Begegnung entstehen und vielleicht fühlt sie sich, wie ein Eintrag im Besucher:innenbuch festhält, tatsächlich plötzlich ganz leicht an.