Ein Hoch auf die Kraft des Schöpferischen

Am 15. April wird der internationale Weltkunsttag gefeiert.
Schwarzach Wenn am 15. April rund um den Globus der Weltkunsttag begangen wird, fällt das Datum nicht zufällig auf den Geburtstag Leonardo da Vincis. Der Universalgelehrte aus der Toskana gilt bis heute als Sinnbild für grenzüberschreitende Kreativität, für jene Haltung, die zwischen Disziplinen keine Mauern errichtet, sondern Brücken schlägt. Genau in diesem Geist wurde der „World Art Day” im Jahr 2012 von der Internationalen Kunstvereinigung (IAA) ins Leben gerufen und 2019 von der UNESCO offiziell als internationaler Gedenktag anerkannt. Der Weltkunsttag ist aber mehr als eine höfliche Verbeugung vor den schönen Künsten. Er ist ein Weckruf. Er erinnert daran, dass künstlerisches Schaffen kein Luxus für gute Zeiten ist, sondern eine existenzielle Form menschlicher Weltaneignung. Die UNESCO betont, dass Kunst die Verbindung zwischen kreativem Ausdruck und Gesellschaft stärkt, das Bewusstsein für die Vielfalt künstlerischer Sprachen schärft und den Beitrag von Künstlerinnen und Künstlern zu einer nachhaltigen Entwicklung sichtbar macht. Gerade in Krisenzeiten, in Jahren von Pandemien, Kriegen und gesellschaftlichen Verwerfungen, hat sich erwiesen, wie sehr Kunst Menschen zusammenführen, trösten, heilen und herausfordern kann.
Ein fruchtbarer Boden in Vorarlberg
Der Blick nach Vorarlberg zeigt, dass dieses internationale Datum hier auf fruchtbaren Boden fällt. Wenige Regionen vergleichbarer Größe verfügen über eine so dichte, lebendige Kulturlandschaft: von zahlreichen musikalischen Festivals und Konzerten, über die Theaterszene bis hin zu den Museen, Kulturellen Einrichtungen, Ensembles für Alte und Neue Musik, den Architekturinitiativen und den zahlreichen hier lebenden und arbeitenden bildenden Künstlerinnen und Künstlern. Kunst ist in Vorarlberg Teil der Selbstverständigung einer Gesellschaft, die sich zwischen Bergen, See und offenen Grenzen immer wieder neu definiert.
Zwischentöne, Widersprüche, Sehnsüchte
Der Weltkunsttag lädt dazu ein, diese Selbstverständlichkeit einmal nicht als gegeben hinzunehmen. Wann haben wir zuletzt bewusst vor einem Bild verweilt, einem Konzert zugehört, ohne nebenbei etwas anderes zu erledigen? Wann haben wir zuletzt ein Buch gelesen, ohne auf das Telefon zu schielen? Kunst verlangt und schenkt Aufmerksamkeit. Wie der Maler Paul Klee es formulierte, ist sie nicht dazu da, das Sichtbare wiederzugeben, sondern das Unsichtbare sichtbar zu machen: Zwischentöne, Widersprüche, Sehnsüchte, das Fremde im Eigenen.
Zugleich ist der 15. April ein Tag, an dem die Arbeitsbedingungen der Kunstschaffenden in den Blick rücken sollten. Freischaffende Künstlerinnen und Künstler, Autoren und Autorinnen, Musikerinnen und Musiker, Ensembles und kleine Häuser kämpfen oft mit prekären Verhältnissen. Wer Kunst feiert, sollte auch jene schützen, die sie hervorbringen, indem er faire Honorare zahlt und verlässliche Förderstrukturen schafft. Doch daran fehlt es derzeit vielerorts. Feiern wir einen Weltkunsttag, der kein Feiertag auf Distanz bleibt, sondern eine Einladung ist, mitten im Alltag innezuhalten und zu staunen. Wer Kunst feiert, darf sich nicht mit Sonntagsreden begnügen. Er muss auch jene stärken, die sie unter oft unsicheren Bedingungen hervorbringen.