Räume voller Spannung

Melanie Ebenhoch
Melanie Ebenhoch zeigt in Lustenau Werke, in denen Malerei, Relief und Skulptur ineinander übergehen.
Lustenau Im BE Haus 2226 im Millenniumpark Lustenau ist von 24. April bis 3. Juli die Ausstellung „Werkquerschnitt“ von Melanie Ebenhoch zu sehen, die einen konzentrierten und zugleich facettenreichen Einblick in ihr Schaffen gibt. Die 1985 in Feldkirch geborene, heute in Brüssel lebende Künstlerin verbindet darin Malerei, Skulptur und Installation auf eine Weise, die zwischen Bild, Raum und Inszenierung oszilliert. Zu sehen sind bestehende und neue Arbeiten, darunter Ölbilder auf Leinwand, bemalte Kunstharzreliefs in runder Form sowie keramische Skulpturen mit architektonischem Charakter.

Ebenhoch, die in Wien, Amsterdam und Utrecht studiert hat, arbeitet seit Jahren an jener Schnittstelle, an der sich Bildfläche, räumliche Wirkung und erzählerische Aufladung durchdringen. Prägend ist dabei ihr Bezug zum Kino, vor allem zu Filmen der 1940er bis 1960er Jahre. Immer wieder rücken Frauenrollen, Projektionen von Begehren und psychologisch aufgeladene Innenräume in den Mittelpunkt. Architekturfragmente, Tapetenmuster, Kulissen oder häusliche Details erscheinen bei ihr nie bloß dekorativ, sondern als Träger unterschwelliger Spannungen. So entsteht eine eigentümliche Reibung zwischen erzählerischer Andeutung und visueller Präsenz.
„Pink Palace“
Ein Beispiel dafür ist „Cinderellas bedroom“ von 2023, ein Bild aus Öl und Linsen auf Leinwand. Es zeigt den Blick aus einem Kamin in ein luxuriöses Zimmer. Die aus Linsen gebildete Kaminstruktur verweist auf Aschenputtels Strafarbeit, Linsen aus der Asche zu lesen. Gerade durch diese Materialwahl entsteht eine spannungsreiche Verbindung aus illusionistischer Tiefenwirkung und konkreter Stofflichkeit. Zugleich wirkt der Blick ins Interieur wie das Bild eines Fernsehers, also wie eine Projektion, die Nähe erzeugt und Distanz wahrt.

Mehrere Werke beschäftigen sich zudem mit Jayne Mansfield, dem Hollywood-Sexsymbol der 1950er und 1960er Jahre. Ebenhoch interessiert dabei besonders die Verschränkung von öffentlicher Inszenierung und privatem Raum. Mansfield machte ihre Villa, den „Pink Palace“, selbst zum Teil ihrer medialen Selbstdarstellung. In dem Gemälde „The Mansion“ erscheint dieses Haus bei Nacht. Das grelle Pink ist in dunklere Blau-, Grün- und Umbra-Töne überführt, der distanzierte Blick auf das Gebäude erhält etwas Beobachtendes, fast Bedrohliches. Glamour und Gefahr rücken hier dicht zusammen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die neuen Tondi, kreisrunde Reliefbilder, die auf keramischen Modellen mit konvexen Oberflächen basieren. Von diesen wurden Kunstharzabgüsse genommen und in vielen Schichten mit Ölfarbe bearbeitet. Die objekthaften Rundbilder erinnern an Portale, architektonische Fragmente oder optische Linsen. In ihrer Mitte sitzt häufig eine Erhebung, die an Iris, Türgriff, Handspiegel oder Brustwarze denken lässt. In einer fortlaufenden Serie greift Ebenhoch zudem Motive der Vanitas auf: verfallende Trauben, Käfer auf Kristallflächen, Spiegel ohne Spiegelbild. Alles scheint in einem Zustand des Übergangs zu verharren.