Musik, die Grenzen öffnet

Brücke zwischen Kulturen: Südafrikanischer Jazz trifft Brahms und Volksmusik.
Feldkirch Musik als Begegnung, als gemeinsamer Weg und als Versuch, für einen Augenblick die Unterschiede zwischen Menschen, Sprachen und Traditionen aufzuheben. Genau darum kreisen zwei Konzerte, die in den kommenden Tagen in Feldkirch, St. Arbogast und Bregenz zu erleben sind. Der Bogen spannt sich dabei vom Dialog zwischen südafrikanischem Jazz und Brahms bis zum musikalischen Spaziergang durch die Natur.

Mit „Begegnung – Wo ich bin, weil du bist“ lädt die Pforte zu ihrem dritten Konzert dieser Saison. Im Zentrum steht das Ubuntu aus den Bantusprachen Xhosa und Zulu, das sinngemäß „Ich bin, weil du bist“ bedeutet. Genau diesen Gedanken will der künstlerische Leiter Klaus Christa hörbar machen. Bei dem Konzert treffen das Streichsextett op. 36 von Johannes Brahms und Werke von Mandisi Dyantyis aufeinander. Der südafrikanische Sänger, Trompeter und Songwriter tritt am 21. und 22. Mai im Pförtnerhaus Feldkirch sowie am 23. Mai im vorarlberg museum in Bregenz gemeinsam mit Klaus Christa und weiteren Pforte-Musikerinnen und -Musikern auf.

Dyantyis, 1983 in Südafrika geboren, singt ausschließlich auf Xhosa. Seine Musik bewegt sich zwischen südafrikanischem Jazz, Liedkunst und emotionaler Direktheit. In seiner Heimat füllt er Hallen und gilt vielen jungen Menschen bereits als Stimme ihrer Generation. Er selbst möchte nicht als perfekt oder großartig in Erinnerung bleiben, sondern so ehrlich wie ein gutes Stück Steak, das nur Salz braucht. Diese Haltung prägt seine Lieder über Liebe, Verlust, Verzweiflung und die Suche nach einem guten Leben, auch wenn alles aussichtslos scheint. Dass seine Musik neben Brahms bestehen kann, ist für Christa kein Widerspruch. Er hört in beiden Klangwelten denselben Zauber und dieselbe Innigkeit.

Am Pfingstsonntag, 24. Mai, führt ein zweites Konzert hinaus ins Freie. Unter dem Titel „Wiaviel Johr a Vergian | Folta“ laden Irma Maria Troy und Markus Prieth um 15.30 Uhr nach Götzis/St. Arbogast. Der Nachmittag beginnt mit einem musikalischen Spaziergang, der bei jeder Witterung stattfindet. An drei besonderen Plätzen in der Natur wird Halt gemacht, um Gedanken, Geschichten und Musik der beiden Künstler zu hören. Um 17 Uhr mündet der Weg in ein Konzert in der Kirche St. Arbogast. Troy und Prieth sind zwei Stimmen, die seit Jahren gemeinsam musikalische Grenzgänge unternehmen. Ihr Publikum kennt sie als Erzähler, Unterhalter und Musiker, die Volksmusik mit persönlicher Erfahrung, Humor und Spielfreude verbinden. Titelgebend ist ein Lied von Markus Prieth. Für ihn ist Musik „wie eine Falte in der Zeit“ und der Mensch ihr Kleid. Diese Falten, im Dialekt „Folta“, sind für ihn Spuren von Leben, Erinnerung und Begegnung.
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So unterschiedlich die beiden Konzertideen auch sind, sie haben einen gemeinsamen Kern: Musik wird hier als Raum des Miteinanders verstanden. Bei der Pforte begegnen sich Kontinente, Sprachen und Epochen. In St. Arbogast verbinden sich Landschaft, Dialekt, Volksmusik und Erzählung. In beiden Fällen geht es am Ende um Nähe: um das, was entsteht, wenn Menschen sich aufeinander einlassen.