„Schwalbenkönig und Blutgrätsche“

Kultur / 29.05.2026 • 10:47 Uhr
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“Schwalbenkönig und Blutgrätsche“ versammelt Autoren wie Martin G. Wanko, Egyd Gstättner, Andreas Kump, Martin Behr und Franzobel.Edition Kürbis

Bald beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika und Mexiko. Passend dazu beweist das neue Buch: Fußball ist mehr als nur ein Sport.

Schwarzach Bücher über Fußball gibt es wie Sand am Meer. Weltbekannt wurde der 1992 erschienene Klassiker „Fever Pitch“ des englischen Autors und Arsenal-Supporters Nick Hornby, in dem er seine Leidenschaft für König Fußball beschreibt. Quasi rechtzeitig zur demnächst startenden WM in den USA, Kanada und Mexiko haben Wolfgang Kühnelt (GAK-Fan), Heimo Mürzl (Sturm-Anhänger) und Wolfgang Pollanz jetzt einen schönen Grund geliefert, Platz im Bücherregal zu schaffen. Ihr im sympathischen steirischen Kleinverlag Edition Kürbis herausgegebenes Werk „Schwalbenkönig und Blutgrätsche“ versammelt dem geneigten Fußballfan bekannte Autoren wie unter anderem VN-Mitarbeiter Martin G. Wanko, Egyd Gstättner, Andreas Kump, Martin Behr und Franzobel.

In 17 Beiträgen jagen sie dem runden Leder essayistisch nach und denken über die Verbindung von Pop und Fußball nach. Als Leser folgt man ihnen dabei gerne. Wenn beispielsweise Mitherausgeber Kühnelt über seine Liebe zu Schallplatten mit Fußballbezug sinniert und sich selbstironisch eingesteht: „Sie merken schon: Wenn Fußball und Pop aufeinandertreffen, setzt bei dem einen oder der anderen der Verstand aus. So ähnlich ist es zugegebenermaßen auch bei mir.“ Eine zitierfähige Passage bringt Mürzl in seinem Text „The Theatre of Dreams“, in dem er seine ewigen Idole Johan Cruyff, Eric Cantona und Alfred Tatar erwähnt: „Dabei hat der Fußball in den besten und unvergesslichsten Momenten seiner Geschichte die Kraft und Unverwechselbarkeit immer aus der Unvorhersehbarkeit bezogen – aus Spontanität, Fehleranfälligkeit und Nonkonformismus.“ Was die ewige Liebe zum runden Leder ausmacht, beschreibt Sturm Graz-Fan Behr treffend: „Fußball ist mehr als ein Spiel, das 90 Minuten (plus Nachspielzeit) dauert. Es ist ein Virus, das einen befällt und zum lebenslangen Begleiter im Alltag wird.“

Mit „Schwalbenkönig und Blutgrätsche“ gelang den Machern ein kurzweiliges und lesenswertes Buch, in dem Fans während der Halbzeitpause der WM-Spiele immer wieder blättern können. Es unterstreicht vor allem wieder einmal auf speziell österreichische Weise, wie sich Fan- und Pop-Kultur nicht ausschließen, sondern herrlich ergänzen. „Am besten funktioniert die Fusion zwischen Pop und Fußball zurzeit mit den Oasis, weil das Tragen eines Oasis-T-Shirts zu einer gewissen Lebenseinstellung gehört“, bringt es Wanko in seinem Text „Die Stimmigkeit im Pop“ herrlich auf den Punkt. Ein wichtiger Bonus-Punkt außerdem in der nach wie vor männerlastigen Welt der deutschsprachigen Fußball-Literatur: Mit Dominika Meindl, Antonia Schneider, Irene Diwiak, Isabel Stumfol, Nicole Selmer und Pia Hierzegger kann sich auch der Frauenanteil unter den Beiträgen sehen lassen.

Den Autoren und Autorinnen ist ein trefflicher Nachweis gelungen, dass Fußball in erster Linie ein Denksport ist. Das kann dann so klingen, wie es Günther Freitag, geboren in Feldkirch, in seiner Abhandlung „Abseitsfalle“ schreibt: „Statt ins Stadion gehe ich in die Oper, auch dort bin ich häufig auf der Seite der Verlierer. Aber die singen ungleich schöner als die Spieler ihre Hymnen vor dem Anstoß.“ 

Johannes Rausch