Vorarlberger Architektur setzt Maßstäbe

Kultur / 29.05.2026 • 10:00 Uhr
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Das Rathaus Hohenems gewann einen der Hauptpreise beim Staatspreis Holzbau.
Adolf Bereuter

Beim Staatspreis Holzbau 2026 gehen ein Hauptpreis und eine Anerkennung an Projekte aus dem Ländle.

Hohenems Hittisau Vorarlberg hat beim Staatspreis Holzbau 2026 ein Zeichen gesetzt. Zwei der fünf Auszeichnungen gingen an Projekte aus dem Land: Das neue Rathaus Hohenems erhielt einen der drei Hauptpreise, die Schulen Hittisau wurden mit einer Anerkennung bedacht. Damit wurde einmal mehr deutlich, welche Bedeutung Vorarlberg im Holzbau einnimmt: als Land, in dem der Werkstoff mit architektonischem Anspruch, technischer Präzision und ökologischer Verantwortung weiterentwickelt wird.

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Der Schulcampus in Hittisau, geplant von Architekt Matthias Bär, erhielt eine Anerkennung.Adolf Bereuter

Die prämierten Projekte zeigen, dass moderner Holzbau mehr ist als ein Bekenntnis zu einem nachwachsenden Rohstoff. Es geht nicht darum, möglichst viel Holz einzusetzen, sondern darum, es sinnvoll und am richtigen Ort zu verwenden. Genau darin liegt die Stärke der Vorarlberger Bauten. Sie reagieren auf konkrete Aufgaben, auf bestehende Ortsstrukturen und auf die Frage, wie öffentliche Gebäude heute aussehen können, wenn sie Nachhaltigkeit erfahrbar machen.

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Hohenems hat mit Berktold Weber Architekten ein Gebäude realisiert, das Verwaltung als offenen und zukunftsorientierten Ort inzeniert.Adolf Bereuter

Besonders eindrucksvoll gelingt dies beim neuen Rathaus in Hohenems. Die Stadt bekennt sich als Bauherrin klar zum Werkstoff Holz und hat mit Berktold Weber Architekten ein Gebäude realisiert, das Verwaltung nicht als schwerfälligen Apparat inszeniert, sondern als offenen und zukunftsorientierten Ort. Auf sechs Geschossen hat die Stadtverwaltung ein neues Zuhause gefunden, das in Haltung und Ausführung überzeugt. Die Holzkonstruktion bleibt im Inneren sichtbar. Stützen, Lamellen und diagonal verdübelte Brettstapeldecken aus regionalem Fichtenholz geben dem Gebäude eine warme Erscheinung.

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Adolf Bereuter

Deckendurchbrüche schaffen räumliche Verbindungen zwischen den Ebenen, die Verwaltung wird als lebendiger Organismus erfahrbar. Die vorgelagerten Holzlamellen lassen das Gebäude zwischen Offenheit und Geschlossenheit wechseln, ohne eine eindeutige Vorderseite oder Rückseite auszubilden. An der Nordseite sind die Worte „Geburt der Gegenwart“ eingekerbt, der Titel eines Essays des aus Hohenems stammenden Schriftstellers und Widerstandskämpfers Jean Améry. So verbindet sich das Rathaus mit der Geschichte der Stadt. Auch konstruktiv setzt das Rathaus Maßstäbe. Es ist langlebig und reversibel gedacht, seine Grundrisse bleiben flexibel und können späteren Nutzungsänderungen angepasst werden. Das Prinzip „Cradle to Cradle“ wurde in die Planung integriert. Die Jury würdigte nicht nur die technische und ökologische Qualität, sondern auch die haptische Wirkung des Hauses.

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Eine Anerkennung erhielt der Schulcampus in Hittisau, geplant von Architekt Matthias Bär. Drei Vorarlberger Gemeinden haben sich hier zusammengeschlossen, um eine zeitgemäße Bildungslandschaft zu schaffen. Ein bestehender Schulbau wurde saniert und um zwei frei stehende Holzbauten ergänzt. Besonders das Gemeinschaftshaus überzeugte die Jury, weil es zeigt, welche Möglichkeiten in einer präzise entwickelten Holztragstruktur liegen. Eine stützenfreie Aula im Erdgeschoss und zwei darüberliegende Turn- und Mehrzweckhallen wurden übereinander angeordnet.

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Möglich wird dies durch ein Ingenieurtragwerk aus Brettschichtholz-Doppelträgern in Verbindung mit schubsteif verbundenem Überbeton. Spannweiten von bis zu 15 Metern zeigen, dass Holzbau auch bei komplexen öffentlichen Bauaufgaben leistungsfähig ist. Hittisau wird damit zu einem Beispiel, das über den ländlichen Kontext hinausweist. In dichteren städtischen Situationen könnte ein solcher Ansatz Vorbild sein, weil er mit Fläche sparsam umgeht und dennoch großzügige Räume schafft.

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Adolf Bereuter

Der Staatspreis Holzbau 2026 macht sichtbar, dass Österreich im Holzbau breit aufgestellt ist. Die Vorarlberger Projekte ragen hervor, weil sie zeigen, wie eng Material, Ort, Bauherrschaft und Architektur zusammenwirken.

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