“Stabiles Handwerk”: Sanierung und Ausbau als Erfolgsrezept

Vorarlberger Holzbaukunst startet durch: Neuer Auftritt, neue Schwerpunkte. Gute Auftragslage für Zimmerer, trotz Flaute am Bau.
Ludesch, Schwarzach Am Donnerstag, 28. Mai 2026, findet in den Sofiensälen in Wien die Verleihung des Österreichischen Holzbaupreises statt – für die Vorarlberger Holzbaukunst ein denkwürdiges Ereignis, denn schließlich war es die freiwillige Interessenvertretung der Vorarlberger Zimmerer, die im Jahr 1997 den Holzbaupreis ins Leben rief. Der Preis fand inzwischen im In- und Ausland Nachahmer, ebenso der Holzbau, der in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen ist. Beim Staatspreis in Wien dürfen auch Vorarlberger Projekte auf einen Platz am Podium hoffen. Das tun auch der neue Geschäftsführer des Vorarlberger Branchenverbandes, Siegfried Kohler, und Innungsmeister Manuel Feuerstein im Gespräch mit den VN.

Dass eine Vorarlberger Idee solche Kreise zieht, ist nicht alltäglich. Dass eine Berufsgruppe es geschafft hat, auch über Grenzen hinweg Vorarlberg zum Synonym für modernen Holzbau gemacht habe, mache stolz. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Dafür haben sich die rund 160 Mitgliedsbetriebe – über 100 Zimmerer, zahlreiche Zulieferer und namhafte Architekten – nun neu aufgestellt. Sichtbares Zeichen: Der Auftritt des Vereins wurde neu gestaltet – vom Schriftzug bis zur Homepage, informieren Kohler und Feuerstein, “wir wollen die Menschen, die im Holzbau tätig sind, ins Licht holen, der Arbeit ein Gesicht geben”.
Erfolgsfaktor Zusammenarbeit
Diese Zusammenarbeit von Architekten und Handwerkern sei einzigartig, betont Kohler, der zu den Gründervätern der Holzbaukunst zählt. Die Symbiose aus Gestaltung und hoher Handwerkskunst sei von Anfang an ein Erfolgsfaktor gewesen. An der Prolongierung der Vorreiterrolle arbeitet nun auch die Holzbaukunst Next Generation, und zwar im Wortsinn: “Wir möchten die nächsten Generationen stärker einbinden”, erklärt Feuerstein, der für die enge Zusammenarbeit zwischen Innung und Holzbaukunst zuständig ist. Künftig werde es “Holzbaukunst Junior” geben. Eine Plattform für junge Holzbauerinnen und -bauer, denn gerade die Möglichkeit, sich auszutauschen, sei immens wichtig. Dafür setze man auch auf eine Verstärkung der analogen Möglichkeiten. “Einen Austausch wie bei uns gibt es in anderen Branchen nicht”, erklärt Kohler, deshalb wolle man das Branchennetzwerk mit Exkursionen, Workshops, Fortbildungen und Erfa-Veranstaltungen weiter ausbauen.

Voraussetzung dafür ist, dass die Holzbauer auch Zeit haben. Denn im Gegensatz zu anderen Baugewerken können sich die Zimmerleute nicht beklagen: “Wir haben eine sehr gute Auftragslage”, berichtet der Geschäftsführer Kohler, die Wartezeiten sind für Kunden “auf ein normales Maß” zurückgegangen. “Handwerk hat soliden Boden”, kommentiert er dazu. Die Zimmererbetriebe profitieren von gleich mehreren Entwicklungen: Zum einen ist das Baumaterial Holz regional, es ist nachhaltig und vor Ort könne man schnell bauen, erklärt Feuerstein. Zum anderen erlaube es der Baustoff Holz, bestehende Gebäude zu erweitern, umzubauen, neu zu gestalten, ohne Probleme mit der Statik zu bekommen.
Ausbildungsrekord
Dass die Dynamik der Branche Früchte trägt, zeigt sich auch bei der Ausbildung: “Wir haben so viele Lehrlinge wie noch nie.” 176 junge Menschen machen derzeit eine Lehre im Holzbau. “Allein im ersten Lehrjahr haben wir heuer über 60 Lehrlinge”, freut sich Feuerstein namens der Innung, die für die Ausbildung des Berufsnachwuchses zuständig ist. Ebenso erfreulich: Die Meisterprüfung der Zimmerer wurde im Nationalen Qualifikationsrahmen auf das Level 7 gesetzt – das gleiche Level wie für den Baumeister und das Tor zur akademischen Ausbildung.