Die ewige Blondine wird hundert

Am 1. Juni 2026 wäre Marilyn Monroe einhundert Jahre alt geworden.
Los Angeles Sie ist die wohl meistreproduzierte Frau des 20. Jahrhunderts. Kein Hollywoodstar, kein Pop-Idol, keine Königin hat es vermocht, sich derart unwiderruflich ins Bildgedächtnis der Moderne einzuschreiben wie sie. Am 1. Juni jährt sich Marilyn Monroes Geburtstag zum hundertsten Mal und während die Welt das Datum mit Ausstellungen, Sonderschauen und Hommagen begeht, scheint die ewige Blondine selbst längst dem Kalendarischen enthoben.

Geboren 1926 als Norma Jeane Mortenson in Los Angeles, wuchs sie in Pflegefamilien und Waisenhäusern auf, ohne Vater, mit einer Mutter, die wiederholt in psychiatrischer Behandlung war. Aus dieser Biografie der Brüche formte das Studiosystem der Vierziger- und Fünfzigerjahre eine der gewinnträchtigsten Projektionsflächen, die Hollywood je hervorgebracht hat. Filme wie „Blondinen bevorzugt” (1953), „Das verflixte 7. Jahr” (1955) oder „Manche mögen’s heiß” (1959) machten sie zur Ikone einer Nachkriegsgesellschaft, die zwischen Konsumglanz und sexueller Verklemmung schwankte und in Marilyn beides zugleich genießen konnte: das Versprechen und seine sichere Eingrenzung im Bild.
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Dass hinter dem hellen Lachen eine ernsthafte, leidenschaftliche Leserin stand, eine Schauspielerin, die bei Lee Strasberg am Actors Studio lernte und sich an der Seite Arthur Millers, ihres dritten Ehemannes, in das intellektuelle New York hineinarbeitete wurde lange übersehen. Erst die Forschung der vergangenen zwei Jahrzehnte hat das Bild korrigiert und jene Marilyn freigelegt, die in ihrer Bibliothek Joyce, Rilke und Dostojewski stehen hatte und die sich gegen die Rollen wehrte, in die das Studio sie pressen wollte.

Ihr Tod am 5. August 1962, mit sechsunddreißig Jahren, an einer Überdosis Schlafmittel, hat das Bild für immer fixiert. Sie ist nie alt geworden – und genau das ist die Voraussetzung des Mythos. Andy Warhol begann noch im selben Monat mit seinen Marilyn-Siebdrucken; was als Trauerarbeit der Pop Art begann, wurde zum Gründungsdokument einer Bildkultur, die bis heute nicht zur Ruhe kommt.

Zum Jubiläum reihen sich die Ausstellungen aneinander. Die Swarovski Kristallwelten in Wattens widmen ihr unter dem Titel „Marilyn, Forever Inspiring” noch bis 6. September eine glanzvolle Sonderschau, die Glamour, Popkultur und persönliche Einblicke verbindet. In München zeigt die Galerie Andreas Baumgartl unter „Marilyn 100″ Arbeiten der Fotografen Milton Greene, Allan Grant und Elliot Erwitt sowie ein neues Marilyn-Triptychon des Pop-Art-Veteranen James Francis Gill. In Graz präsentiert die Künstlerin Ulrike Arlati im Institut AllergoSan zwanzig Originalporträts.

Was bleibt nach hundert Jahren? Vielleicht weniger eine Frau als ein Sehnsuchtsbild, das jede Generation neu beschreibt: einmal Opfer, einmal Komplizin, einmal Feministin avant la lettre, einmal letzte große Heilige des Kinos. Marilyn Monroe entzieht sich und gerade in dieser unverbrauchten Offenheit liegt ihre Aktualität.