Der Mann, der das Licht malte
![ABD0056_20260612 – FRANKFURT/MAIN – DEUTSCHLAND: ++ ARCHIVBILD ++ ARCHIV – 18.10.2016, Hessen, Frankfurt/Main: Der britische Knstler David Hockney, aufgenommen am 18.10.2016 whrend der Erffnungs-Pressekonferenz der Buchmesse in Frankfurt am Main (Hessen). Der legendre britische Maler ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren, wie die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf seinen Publizisten mitteilte. Foto: […]](/2026/06/ABD0056-20260612-1-768x492.jpg)
Der britische Künstler David Hockney ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
London Der britische Maler David Hockney ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 88 Jahren. Mit ihm verliert die Kunstwelt einen ihrer hellsten, eigenwilligsten und populärsten Vertreter, einen Künstler, der nie den Eindruck erweckte, als wolle er sich in eine Epoche einfügen, weil er zeitlebens daran arbeitete, die Welt neu zu sehen: klarer, farbiger, wacher, mit jener Neugier, die bei ihm nie Pose war, sondern Methode.
Geboren wurde Hockney am 9. Juli 1937 in Bradford, einer Industriestadt im Norden Englands, weit entfernt von jenem kalifornischen Licht, das später zu einem seiner großen Bildräume werden sollte. Er studierte in Bradford und am Royal College of Art in London, gehörte in den sechziger Jahren zu jener Generation britischer Künstler, die Pop-Art nicht einfach übernahm, sondern ihr eine eigene Richtung gab. Hockney war früh berühmt, früh unverwechselbar und früh bereit, sich nicht festlegen zu lassen.
Weltbekannt machten ihn vor allem seine Bilder aus Los Angeles, jene im Sonnenlicht flimmernden Swimmingpools, jene glatten Wasserflächen, in denen sich das Blau des Himmels, das Weiß moderner Architektur und die Sehnsucht nach Freiheit begegneten. Werke wie „A Bigger Splash“ oder „Le Plongeur“ wurden Ikonen, weil sie mehr zeigten als einen Sprung ins Wasser. Sie hielten einen Augenblick fest, in dem eine ganze Lebensform sichtbar wurde: die Leichtigkeit Kaliforniens, das Versprechen des Südens, die Theatralik eines Alltags, der bei Hockney nie banal erschien. „Ich bin jeden Tag angeregt“, sagte er 1979 der „Los Angeles Times“. „London hat viele triste Ecken, aber in Los Angeles finde ich nie etwas trist.“
Fotocollagen, Landschaften, Porträts
Doch Hockney blieb keiner jener Maler, die sich von ihrem Erfolg gefangen nehmen lassen. Er wechselte Techniken, Formate, Orte und Blickweisen, arbeitete mit Fotocollagen, Bühnenbildern, Landschaften, Porträts und später mit digitalen Zeichnungen auf dem iPad. Seine Kunst hatte etwas Heiteres, doch sie war nie harmlos. Sie war präzise gebaut, neugierig, sinnlich und von einer Zärtlichkeit durchzogen.
Später fand Hockney neue Inspiration in Europa: in den Hügeln Yorkshires, in den Bäumen, Wegen und Feldern seiner Herkunftslandschaft, dann in der Normandie, wo er den Wechsel der Jahreszeiten und das Licht der Tage so aufmerksam betrachtete wie einst das Glitzern kalifornischer Pools. Was sich veränderte, war der Ort; was blieb, war der Blick.
Auf dem Kunstmarkt erzielten seine Werke Rekordpreise, doch sein Rang bemisst sich nicht in Auktionsergebnissen. Hockney wurde bewundert, weil er eine seltene Verbindung aus Radikalität und Zugänglichkeit besaß. Simon Schama schrieb 2025 in Paris, die Beständigkeit von Hockneys Kunst sei trotz all seiner Wandlungen und Experimente „wirklich kein Rätsel“. Sein Werk werde von Millionen bewundert. „Liebe ist dafür kein zu starkes Wort.“
David Hockney hat die Moderne nicht nur mit Farbe gefüllt. Er hat ihr einen Blick geschenkt, der sich nicht mit Gewohnheiten zufriedengab. In seinen Bildern blieb die Welt offen, leuchtend, beweglich.