Unbekanntes Mozart-Manuskript in Paris entdeckt

44-seitiges Notenheft enthält sieben Stücke für Harfe und Flöte – Konzert am Sonntag in Paris.
Paris Ein anonymes Musikheft aus dem 18. Jahrhundert hat sich in der Französischen Nationalbibliothek als Sensationsfund erwiesen: In den Beständen der Bibliothèque nationale de France ist ein unbekanntes Manuskript Wolfgang Amadeus Mozarts entdeckt worden. Gilles Pécout spricht von einer der bedeutendsten Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte.
Das 44-seitige Heft enthält Kompositionsübungen sowie sieben Stücke für Flöte und Harfe, die zusammen zwanzig Minuten dauern. Nach Angaben der Bibliothek deuten französisches Papier, Notation und Inhalt darauf hin, dass die Blätter aus Lektionen stammen, die Mozart zwischen Mai und Juli 1778 während seines Paris-Aufenthalts erteilte. Seine Schülerin war Marie-Louise-Philippine de Bonnières de Guînes, eine Harfenistin aus adeliger Musikerfamilie.
Entdeckt wurde das Manuskript von François-Pierre Goy, Konservator der Musikabteilung und Spezialist für anonyme Handschriften. Er hatte die in marmoriertes Papier eingebundene Kladde untersucht, nachdem er sich mit Unterrichtsmaterialien Mozarts beschäftigt hatte. Auffällig waren die rundlichen, nach vorn geneigten Violinschlüssel sowie Bassschlüssel, die nicht der damals in Frankreich üblichen Schreibweise entsprechen. Vergleiche mit Autografen und die Papieruntersuchung erhärteten den Verdacht, ehe das Mozarteum in Salzburg die Zuschreibung bestätigte.
Pariser Aufenthalt
Das Heft besitzt eine bewegte Provenienz. Während der Französischen Revolution wurde es beim Herzog von Guînes beschlagnahmt und gelangte später in die Nationalbibliothek, wo es unerkannt blieb. Nun eröffnet es einen seltenen Blick auf Mozart als Lehrer und auf einen Abschnitt seines Pariser Aufenthalts, der bislang nur bruchstückhaft greifbar war.
Berührend wirkt, dass in dem Heft die Handschriften von Lehrer und Schülerin nebeneinanderstehen. Die letzte Übung blieb unvollendet, die letzten sechs Seiten sind leer, als sei die Arbeit plötzlich abgebrochen worden. Tatsächlich endeten die Lektionen mit der Hochzeit von Mademoiselle de Guînes am 26. Juli 1778. Aufgeführt werden die Stücke am 21. Juni beim Musikfest in der Nationalbibliothek. Nach dem 2024 in Leipzig bekannt gewordenen Jugendwerk „Ganz kleine Nachtmusik“ ist es bereits der zweite Mozartfund binnen kurzer Zeit.