Verzaubertes Chaos mit Witz und Spielfreude

Ein fantasievoller Ausflug am Vorarlberger Landestheater zwischen Traum und Wirklichkeit.
Bregenz Mit „Ein Sommernachtstraum“ bringt das Vorarlberger Landestheater einen Shakespeare-Abend auf die Bühne, der sein Publikum mit Tempo, Fantasie und sichtbarer Lust am Spiel in einen nächtlichen Ausnahmezustand entführt. Die Bearbeitung von Rebekka Kricheldorf, inszeniert von Angelika Zacek, nimmt den Klassiker beim Wort und zugleich nicht zu feierlich: Liebe erscheint hier als Taumel, als Verwechslung, als komischer Kontrollverlust und genau darin liegt die große Stärke des Abends.

Besonders überzeugend ist die Ensembleleistung. Isabella Campestrini, Davina Fox, Paula Futscher, Rebecca Hammermüller, Luzian Hirzel, Maria Lisa Huber, Nurettin Kalfa, David Kopp und Nico Raschner werfen sich mit spürbarer Energie in diese Welt aus Begehren, Eifersucht, Übermut und Verwirrung. Niemand spielt sich auf Kosten der anderen in den Vordergrund; vielmehr entsteht ein lebendiges Miteinander, in dem jede Figur ihren eigenen Ton findet und doch Teil eines größeren, sehr präzise abgestimmten Bühnengeschehens bleibt. Gerade die schnellen Stimmungswechsel, die körperliche Komik und die pointierten Dialoge profitieren von dieser Wachheit. Das Ensemble hält den Abend auch dort zusammen, wo die Handlung ins bewusst Absurde kippt, und macht die Irrwege der Liebenden ebenso nachvollziehbar wie komisch. Auch in kleineren Momenten bleibt das Spiel wach, reaktionsschnell und angenehm unangestrengt, nie bloß dekoratives Beiwerk.

Ein besonderer Reiz dieser Produktion liegt in ihrer Ausstattung. Das Bühnenbild von Gregor Alexander Sturm öffnet einen Raum, der nicht einfach einen Wald abbildet, sondern einen Ort der Verwandlung behauptet: geheimnisvoll, verspielt, manchmal unheimlich, immer aber theatral wirksam. Die Bühne wird zum Schauplatz für alles, was in den Figuren schlummert und in dieser Sommernacht an die Oberfläche drängt. Licht, Raum und Bewegung greifen schön ineinander, sodass der Eindruck entsteht, die Wirklichkeit könne sich jederzeit verschieben. Auch Musik und Licht setzen Akzente, ohne sich vorzudrängen; sie tragen den Zauber, der diesen Abend zusammenhält.

Dazu kommen die phantasievollen Kostüme von Julia Klug, die den Abend entscheidend prägen. Sie erzählen nicht nur etwas über Stand, Rolle und Temperament der Figuren, sondern verstärken den traumhaften Charakter der Inszenierung. Mal wirken sie überdreht, mal übertrieben elegant, mal herrlich schräg – stets aber mit Sinn für Farbe, Form und theatrale Wirkung. Gerade im Zusammenspiel von Kostüm und Spiel entsteht jene Leichtigkeit, die den „Sommernachtstraum“ so verführerisch macht: Man sieht den Figuren gern beim Sich-Verlieren zu.

Natürlich ist dieser Theaterabend nicht an jeder Stelle gleich zwingend. Die eine oder andere Passage hätte eine Straffung vertragen; gelegentlich dehnt sich ein Gag einen Augenblick zu lange, und manche Szene würde durch eine knappere Führung noch mehr Schlagkraft gewinnen. Doch diese Einwände bleiben Randnotizen in einem insgesamt unterhaltsamen Abend, der sein Publikum mitnimmt, überrascht und durch seine Spielfreude wie durch seine phantasievolle Ausstattung trägt.

So gelingt dem Vorarlberger Landestheater ein „Sommernachtstraum“, der die berühmte Mischung aus Romantik, Anarchie und Komödie mit viel Spielfreude auflädt. Die Produktion vertraut auf die Kraft des Ensembles, auf eine starke visuelle Handschrift und auf den Zauber des Theaters selbst. Man verlässt den Saal mit dem Gefühl, einem gut gelaunten, sinnlichen und phantasievollen Abend beigewohnt zu haben, einem Abend, der zeigt, dass Shakespeares Traumwelt noch immer sehr gegenwärtig sein kann.
