Neue Bestimmung für das Geburtshaus von Adolf Hitler

Kultur / 08.07.2026 • 10:16 Uhr
Neue Bestimmung für das Geburtshaus von Adolf Hitler
Das Haus wurde seit Herbst 2023 umgebaut. Die Gesamtkosten liegen bei 20 Millionen Euro. APA/BARBARA GINDL

Nach Plänen von Marte.Marte Architekten: Vom belasteten Ort zum Polizeizentrum.

braunau Kaum ein Gebäude in Österreich ist so stark mit Geschichte, Symbolik und politischer Debatte aufgeladen wie das Haus Salzburger Vorstadt 15, wo 1889 Adolf Hitler zur Welt kam. Immer wieder zog es Rechtsextreme und Neonazis an, die es als Pilgerstätte missbrauchten. Nun soll diese Aufladung gebrochen werden: Im umgebauten Haus ziehen die Polizeiinspektion Braunau und das Bezirkspolizeikommando ein.

Neue Bestimmung für das Geburtshaus von Adolf Hitler
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Die Republik Österreich, seit 2017 Eigentümerin des Hauses, setzt damit auf eine behördlich-administrative Nutzung. Sie folgt der Empfehlung einer Expertenkommission. Ziel ist es, dem Ort jede Aura der Verehrung zu nehmen und ihn durch eine klare öffentliche Funktion in den Alltag zurückzuführen. Das Polizeizentrum soll den Bau nicht zum Denkmal machen, sondern ihm eine konkrete Aufgabe geben.

Nüchterne Neuordnung

Die Geschichte des Hauses nach 1945 war von wechselnden Nutzungen geprägt. In den folgenden Jahrzehnten waren unter anderem die Stadtbibliothek, eine Bank, eine Schule, die HTL Braunau und zuletzt bis 2011 die Lebenshilfe Oberösterreich darin untergebracht. Danach stand das Gebäude leer. Eine weitere Nutzung scheiterte auch an baulichen Mängeln und fehlender Barrierefreiheit. Mit der damaligen Eigentümerin konnte keine Einigung über eine angemessene Verwendung erzielt werden, schließlich kam es zur Enteignung.

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Seit Herbst 2023 wurde das Gebäude umgebaut, die Gesamtkosten liegen bei rund 20 Millionen Euro. Den EU-weiten Architekturwettbewerb gewann das Feldkircher Büro Marte.Marte Architekten. Ihr Entwurf sucht nicht den spektakulären Bruch, sondern eine nüchterne und präzise Neuordnung. Die Architekten orientierten sich daran, wie das Haus im 17. Jahrhundert ausgesehen haben dürfte. Wie alt der Bau genau ist, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Durch den Umbau wurde das Gebäude äußerlich und funktional neu gefasst, ohne es in eine Gedenkstätte zu verwandeln.

Dieser Ansatz war politisch und denkmalpflegerisch heikel. In der Vergangenheit war auch über einen Abriss oder eine radikale Veränderung der äußeren Form diskutiert worden. Das Haus stand jedoch als Teil eines Ensembles unter Denkmalschutz. Am Ende entschied man sich für eine Lösung, die den belasteten Ort weder auslöscht noch museal überhöht. Die Nutzung durch die Polizei soll ein Zeichen setzen: Das Gebäude wird nicht mehr Projektionsfläche extremistischer Verehrung sein, sondern Arbeitsplatz einer staatlichen Institution.

Auch Spuren früherer Nutzungen wurden gesichert. Vier abmontierte Steinplatten mit dem Schriftzug „Volksbücherei Braunau“ befinden sich heute im Haus der Geschichte Österreich. Vor dem Gebäude erinnert der 1989 aufgestellte Mahnstein gegen Faschismus an die historische Verantwortung. Mit der Eröffnung am 22. Juli endet ein langer Prozess. Aus einem jahrzehntelang umkämpften Symbolort wird ein Polizeizentrum. Die Hoffnung ist, dass der Alltag stärker ist als der Mythos.