Mitten im Bassgewitter sorgt er für den besten Kaffee

Johannes Grabuschnigg bringt Feinschmeckerkaffee auf die großen Festivals in Europa – und die kleinen Feiern im Land.
Salzburg Es ist eng. Sehr eng. Vor der Mainstage des Electric Love Festivals in Salzburg drängen sich die Besucherinnen und Besucher Schulter an Schulter. Dort, wo sonst Rennwagen über den Asphalt jagen, reicht die Menschenmenge bis weit nach hinten. Alle wollen sie sehen: das große Finale, die legendäre Licht-, Laser- und Feuerwerkshow am letzten Tag des Festivals.
Wobei: Alle? Weit gefehlt. Ein paar Meter weiter hat sich eine Gruppe von Feinschmeckern vor einem Foodtruck versammelt. Statt Laser gibt es Latte Macchiato, statt Pyrotechnik einen Eiskaffee mit Schuss. Johannes Grabuschnigg reicht die Becher über den Tresen. Während nebenan Tausende Drop feiern, gönnen sich seine Gäste eine kurze Pause.

Die Zeiten, in denen Festivalkaffee nach Automatenplörre schmeckte, sind längst vorbei. Das hat auch mit ihm zu tun. Nach vielen Jahren bei Sam’s Donuts auf Europas Großveranstaltungen machte sich Grabuschnigg nach der Corona-Pandemie im Jahr 2023 selbstständig. “Ich bin immer schon sehr gerne auf Festivals gegangen”, erzählt der 47-Jährige. “Guter Kaffee bei gleichbleibender Qualität ist dort aber sehr selten. Darum habe ich beschlossen, diese Nische zu schließen.” Sein Kaffee stammt von Tintos Kaffeerösterei in Hard.
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Während er spricht, verwandelt Dimitri Vegas den Salzburgring in einen Hexenkessel. Der Belgier liefert Hit auf Hit. Erst schmettern Zehntausende “Country Roads” aus voller Kehle, Sekunden später frisst der nächste Bassdrop jede Gesangseinlage. Arme fliegen durch die Luft, Flammen schießen in den Nachthimmel.

Am Foodtruck geht es ruhiger zu. Wobei: Wirklich ruhig wird es hier nie. Espresso Tonic steht aus Neugier auf der Karte. “Da scheiden sich die Geister”, sagt Grabuschnigg und lacht. “Manche lieben ihn, andere mögen ihn überhaupt nicht.” Während Maria, Jelena und Tatiana einen Kaffee nach dem anderen zubereiten, behält der 47-Jährige den Überblick. “Ich habe ein wahnsinnig tolles Team.”
Mit diesem Team tourt er quer durch Europa – vom Nova Rock über das Seehasenfest bis zum Shutdown Festival. Dazwischen die Herbstmesse, der Junker Jonas Markt oder die Lustenauer Kilbi im Kalender – und für Privatveranstaltungen kann man den Truck ebenfalls buchen. “Mein Team und ich teilen die Leidenschaft für Großveranstaltungen. Man trifft immer wahnsinnig viele nette Menschen”, erzählt er. Gleichzeitig räumt er ein: “Man darf die Arbeit nicht unterschätzen. Es ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, sondern auch hart verdientes Geld.”

Davon kündet auch die Geräuschkulisse. Aus dem Club Circus hämmert Hardstyle, von der Hard Dance Valley schränzt und wummt es ununterbrochen. Ein paar Schritte weiter beweist Flip Capella auf der Heineken-Stage, dass man dafür nicht einmal eigene Songs braucht. Der Österreicher springt im Minutentakt zwischen Klassikern, Partyhymnen und aktuellen Hits. Kaum erkennt das Publikum die ersten Takte, wird lauthals mitgesungen. Dann legt er eine satte Portion Drum and Bass oder Hardstyle darunter und verwandelt den nächsten Evergreen in einen Festivaltrack. Dazwischen fliegen T-Shirts ins Publikum, Capella animiert, dirigiert und feiert. Stillstehen? Unmöglich.
Von all dem bekommt Johannes Grabuschnigg nur am Rande etwas mit. Seine Bühne ist der Foodtruck. Dort feiert er seine Gäste. Erst wenn das Festivalgelände langsam leer wird, beginnt für ihn das Aufräumen. Ein paar Stunden Schlaf, dann zischt die Kaffeemaschine wieder. Festivalromantik besteht nicht nur aus Feuerwerk, Konfetti und Drops. Manchmal ist sie auch ein perfekt zubereiteter Espresso – als kurze Verschnaufpause, bevor der Bass wieder übernimmt.
