Wie ein Mailänder Bildhauer den WM-Pokal schuf

Kultur / 16.07.2026 • 15:40 Uhr
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Der von Silvio Gazzaniga entworfene Pokal wird seit 1974 an die Fußball-Weltmeister überreicht. MIGUEL MEDINA / AFP

Silvio Gazzaniga entwarf einen Pokal, der Kampf, Jubel und Sieg in ikonischen Form vereint.

mailand Er ist eines der bekanntesten Symbole des Weltsports: der WM-Pokal. Entworfen wurde die Trophäe vom italienischen Bildhauer Silvio Gazzaniga. Die FIFA hatte Anfang der 1970er-Jahre einen Wettbewerb für einen neuen Pokal ausgeschrieben, nachdem Brasilien nach dem dritten WM-Titel 1970 die ursprüngliche Trophäe dauerhaft behalten durfte.

Gazzanigas Entwurf setzte sich gegen mehr als 50 Vorschläge durch. Nach Angaben seines Sohnes Giorgio war der Künstler der Einzige, der der Jury nicht nur Skizzen, sondern ein vollständiges Modell präsentierte. Das half, die Idee hinter der Form unmittelbar sichtbar zu machen: Zwei Figuren winden sich spiralförmig nach oben und tragen eine Kugel, die die Welt symbolisiert. Die Bewegung erinnert an aufstrebende Spiralen, zugleich an den Kampf, die Kraft und den Jubel, die mit einem WM-Sieg verbunden sind.

Der 2016 verstorbene Gazzaniga arbeitete für das Unternehmen G.D.E. Bertoni Srl und entwarf auch andere bedeutende Trophäen, darunter den UEFA-Pokal und den UEFA-Superpokal. In der WM-Trophäe wollte er mehrere Ebenen vereinen: die Anstrengung des Athleten, den Moment des Triumphs und die Begeisterung der Fans. Der Körper der Figuren wirkt rau und kantig, als Zeichen für Mühe, Widerstand und den Weg zum Sieg. Die nach oben strebenden Arme erinnern zugleich an Flügel der Siegesgöttin.

Die erste WM-Trophäe, der Jules-Rimet-Pokal, zeigte die griechische Göttin Nike. Sie war bereits 1966 in England gestohlen und von einem Hund namens Pickles unter einer Hecke wiedergefunden worden. 1983 verschwand sie erneut, diesmal aus der Zentrale des brasilianischen Fußballverbandes. Seither gilt sie als verschollen; vermutlich wurde sie eingeschmolzen.

Die aktuelle Trophäe ist 36 Zentimeter hoch, aus 18-karätigem Gold gefertigt und steht auf einem Sockel mit zwei grünen Malachitringen, die an Spielfelder erinnern. Nach dem Finale darf der Kapitän der Siegermannschaft den Pokal in die Höhe stemmen, behalten darf ihn das Weltmeisterteam jedoch nicht. Das Original kehrt zur FIFA zurück und wird zwischen den Turnieren in der Schweiz aufbewahrt. Der Weltmeister erhält eine vergoldete Replik.

Erstmals überreicht wurde Gazzanigas Pokal bei der WM 1974, für Giorgio Gazzaniga der Moment, in dem aus einem Kunstobjekt eine Ikone des Fußballs wurde.