Eine Erde, aber viele Welten

Kultur / 17.07.2026 • 14:25 Uhr
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Laurin Strele zeigt bei Sagmeister Moden in Bregenz Fotografien aus unterschiedlichen Weltregionen. Laurin Strele

Laurin Strele zeigt 25 Fotografien aus Projekten der Jahre 2022 bis 2026.

Bregenz Der preisgekrönte Fotojournalist Laurin Strele, 34, arbeitet in Krisen- und Konfliktregionen, richtet seinen Blick aber ebenso auf Orte, an denen Alltag, Würde und Haltung im Mittelpunkt stehen. Bei Sagmeister Moden in Bregenz zeigt eine Ausstellung bis 5. September ausgewählte Werke.

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Strele arbeitet als Fotojournalist für internationale Medien und Magazine, darunter Geo, Der Spiegel, Stern und Die Welt. Laurin Strele

Welche Welten begegnen einander in „Worlds Apart“?

Strele Dahinter steht die Idee, dass all die Orte, Kulturen, Menschen und Eindrücke, denen ich begegnet bin, gleichzeitig auf derselben kleinen Welt existieren. Es gibt eine Erde, aber viele Welten auf ihr. Mich interessieren die Parallelen zwischen scheinbar weit entfernten Orten und Menschen. Oft verbinden sie sich in kleinen Gesten, Blicken oder Emotionen. Die Grundstimmungen bleiben ähnlich, egal wo man ist oder welche Sprache gesprochen wird.

Sie arbeiten häufig in Krisenregionen. In Bregenz zeigen Sie eine andere Seite Ihrer Arbeit.

Strele Für mich war der Ort wichtig. Ich wollte keinen zu starken Kontrast zwischen den Räumlichkeiten und Bildern schaffen, die von Leid, Gewalt oder traurigen Szenen geprägt sind. Wenn Fotografien aus Kriegs- oder Krisengebieten gezeigt werden, muss der Kontext stimmen. Für Bregenz haben wir uns für den Überbegriff „Haltung“ entschieden: Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die durch die Art verbunden sind, wie sie Alltag und Leben bestreiten.

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Die Fotografien erzählen von Menschen, deren Alltag von Würde, Konzentration und Haltung geprägt ist.Laurin Strele

Was verstehen Sie unter Haltung?

Strele Haltung ist für mich nichts Lautes. Sie zeigt sich in einem Blick, in einer Körperhaltung, in der Art, wie jemand steht, wartet oder arbeitet. Mich interessiert weniger das Spektakuläre als dieser Moment von Präsenz. Ein gutes Foto kann zeigen, wie jemand in der Welt steht, auch dann, wenn die Lebensumstände völlig andere sind.

Wie verbinden Sie Nähe, Respekt und journalistische Distanz?

Strele Meine Arbeiten entstehen in unterschiedlichen Situationen. Ein Teil sind klassische Auftragsarbeiten für Zeitungen, Magazine oder Agenturen. Da werde ich mit einem klaren journalistischen Auftrag an einen Ort geschickt, etwa in die Ukraine, nach Syrien oder in den Libanon. Daneben gibt es freie Arbeiten aus eigenem Interesse. Wichtig ist mir, Menschen nicht zu benutzen, sondern ihnen mit Respekt zu begegnen. Nähe darf nicht bedeuten, Grenzen zu überschreiten.

Gibt es eine Begegnung, die Ihnen besonders nahegegangen ist?

Strele Das Schöne an der Fotografie ist, dass jedes Bild wie eine kleine Zeitreise funktioniert. Wenn ich durch die Ausstellung gehe, erinnere ich mich genau daran, was vor und nach der Aufnahme passiert ist und wie ich mich gefühlt habe. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Arbeiten mit Shaolin-Mönchen in China. Ich habe dort einen Tag mit ihnen verbracht und sie beim Training und in ihrem Alltag begleitet. Das war außergewöhnlich. Zugleich wurde mir bewusst, wie viel Verantwortung in so einer Situation liegt.

Ist Ihr Blick auf Würde und Dasein ein Gegenentwurf zu schnellen Nachrichtenbildern?

Strele Das sind zwei unterschiedliche Arten der Fotografie. Viele journalistische Situationen verlangen eine schnelle Momentaufnahme. Da bleibt oft keine Zeit, lange über Komposition, Licht oder Farben nachzudenken. Bei anderen Bildern kann man zurückkehren und beobachten, bis das Licht passt oder sich etwas Interessantes ergibt. Die schnellen Bilder haben oft große emotionale Kraft, die ruhigeren Arbeiten wirken stärker über Komposition, Licht und Atmosphäre. Aber ich inszeniere Menschen nicht. Das würde dem Bild seine Echtheit nehmen.

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Laurin Strele

Wie verändert sich ein Foto, wenn es in einer Ausstellung gezeigt wird?

Strele Die Umgebung spielt eine große Rolle dafür, wie Bilder wirken. Heute konsumieren wir Fotografien oft auf kleinen Bildschirmen, im schnellen Vorbeiscrollen. Für mich ist es etwas völlig anderes, ein Bild groß gedruckt und professionell gehängt zu sehen. Dann entfaltet es eine andere Kraft. Auch wenn dieser Ort keine klassische Galerie ist, glaube ich, dass es gelungen ist, den Bildern Raum zu geben.