Von Bregenz in die Welt der Kunst

Kultur / 17.07.2026 • 14:32 Uhr
Von Bregenz in die Welt der Kunst
Ursula Krinzinger begann ihre Laufbahn in Bregenz und wurde zu einer Schlüsselfigur der internationalen Gegenwartskunst.VN

Die Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis widmet sich Ursula Krinzinger und ihrem prägenden Lebenswerk.

Bregenz Unter dem Titel „Die Galeristin Ursula Krinzinger und Bregenz“ widmet sich die Sommerausstellung der Landeshauptstadt Bregenz 2026 im Palais Thurn und Taxis einer Persönlichkeit, die seit mehr als fünf Jahrzehnten Künstlerinnen und Künstler begleitet und die österreichische Gegenwartskunst international verankert hat. Zu sehen ist die Ausstellung von 21. Juli bis 30. August. Eröffnet wird sie am Sonntag, 19. Juli, um 11.30 Uhr.

Von Bregenz in die Welt der Kunst
Ursula Krinzinger mit Gottfried Bechtold und seinem ikonischen Betonporsche.VN

Krinzinger zählt zu den bedeutendsten Galeristinnen der internationalen Gegenwartskunst. Ihr Wirken reicht weit über die klassische Galerietätigkeit hinaus. Als Vermittlerin, Förderin und Netzwerkerin erkannte sie künstlerische Entwicklungen früh und machte Positionen sichtbar, lange bevor diese institutionell anerkannt waren. Die Ausstellung erzählt damit nicht nur von einer Biografie, sondern auch von einer Haltung: von Offenheit, Konsequenz und dem Vertrauen in zeitgenössische Ausdrucksformen.

Von Bregenz in die Welt der Kunst
Die Ausstellung im Palais Thurn und Taxis erzählt von Mut, Widerstand und internationaler Wirkung.VN

Geboren in Bregenz, studierte Krinzinger nach ihrem Dolmetscherstudium Kunstgeschichte und Archäologie in Innsbruck, Wien, Paris, London und Rom. 1971 gründete sie in der Deuringstraße ihre erste Galerie. Schon die frühen Ausstellungen zeigen, wie international und zugleich österreichisch verankert ihr Blick war. Im Eröffnungsprogramm waren unter anderem Herbert Albrecht, Christian Ludwig Attersee, Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Max Weiler und Fritz Wotruba vertreten. Es folgten in Bregenz Ausstellungen mit Arnulf Rainer, Heinz Mack, Gottfried Bechtold, Bruno Gironcoli, Friedensreich Hundertwasser, Oskar Kokoschka, Joan Miró und Urs Lüthi.

Schreckliche Jahre

Ursula Krinzinger blickt heute mit gemischten Gefühlen auf ihre Bregenzer Anfangsjahre zurück: „Eigentlich waren es zwei schreckliche Jahre meines Lebens. In dieser Zeit habe ich 13 Ausstellungen gemacht – ein Wahnsinn. Man versuchte ständig, etwas durchzusetzen, und hoffte zugleich, dass es überhaupt ankommt. Das war sehr schwierig. Meinen Eltern wurde damals immer wieder gesagt: Ihr habt starke Nerven.“

Von Bregenz in die Welt der Kunst

1972 übersiedelte die Galerie nach Innsbruck. Diese Jahre wurden zu einer entscheidenden Phase ihrer kuratorischen Entwicklung und begründeten den internationalen Ruf der Galerie Krinzinger. Einen Meilenstein bildete 1975 die von Krinzinger initiierte Ausstellung „Zur Situation und Kreativität der Frau“, die heute als eine der frühen wegweisenden Ausstellungen zur feministischen Gegenwartskunst im deutschsprachigen Raum gilt. Mit Künstlerinnen wie Marina Abramović, Katharina Sieverding, Rebecca Horn und Gina Pane griff sie gesellschaftliche Fragestellungen auf, bevor diese Eingang in den kunsthistorischen Kanon fanden. Im selben Jahr wurde in Innsbruck Abramovićs Performance „Thomas Lips“ uraufgeführt, heute ein Schlüsselwerk der internationalen Performancekunst.

Von Bregenz in die Welt der Kunst

1986 folgte der Umzug nach Wien. Dort entwickelte sich die Galerie Krinzinger zu einer international renommierten Institution für zeitgenössische Kunst. 2002 entstanden mit Krinzinger Projekte, heute Krinzinger Schottenfeld, ein experimenteller Ausstellungsraum sowie die Krinzinger Residencies, ein Artist-in-Residence-Programm, das Künstlerinnen und Künstler in Österreich, Kroatien, Ungarn und Sri Lanka verbindet.

Von Bregenz in die Welt der Kunst

Die Ausstellung in Bregenz würdigt zugleich den Mut, mit dem Ursula Krinzinger Anfang der 1970er-Jahre eine Galerie für zeitgenössische Kunst eröffnete – zu einer Zeit, als avantgardistische Positionen vielerorts auf Ablehnung stießen. Gerade diese Beharrlichkeit zeichnete sie aus. Immer wieder entdeckte sie Künstlerinnen und Künstler früh, begleitete sie langfristig und trug wesentlich dazu bei, dass sie international wahrgenommen wurden.

Von Bregenz in die Welt der Kunst

Besonders prägend war ihr Engagement für den Wiener Aktionismus, als diese Kunstrichtung kulturpolitisch und kunstkritisch noch keineswegs selbstverständlich akzeptiert war. Ebenso früh setzte sie sich für Künstlerinnen ein. Die Bregenzer Ausstellung versteht sich dennoch nicht als historische Rückschau allein. Vielmehr werden Werke unterschiedlicher Generationen in einen Dialog gebracht. So begegnen sich etwa Eva Schlegel, Maria Lassnig und Marina Abramović, während Arbeiten von Gina Pane und VALIE EXPORT einander gegenübergestellt werden. Weitere Dialoge verbinden Positionen von Bruno Gironcoli und Toni Schmale oder Peter Kogler und Paul McCarthy. Ergänzt wird die Schau durch Arbeiten von Gottfried Bechtold, Jonathan Meese, Monica Bonvicini und weiteren Künstlern.

Von Bregenz in die Welt der Kunst

Damit ist die Schau auch eine Rückkehr an den Anfang: Sie erzählt von einer Bregenzerin, die von ihrer Heimatstadt aus eine internationale Laufbahn begann – und von einer Galeristin, die Kunstgeschichte über Jahrzehnte aktiv mitgeschrieben hat. Heute, so Krinzinger, gebe es in Bregenz mehrere starke Ausstellungsorte gleichzeitig: „So ist Bregenz heute in Österreich und international in aller Munde. Und das ist ein großer Fortschritt.“ Zu diesem Fortschritt hat Ursula Krinzinger selbst einen wesentlichen Beitrag geleistet.

INFO

Die Galeristin Ursula Krinzinger und Bregenz
Sommerausstellung der Landeshauptstadt Bregenz 2026

21. Juli bis 30. August 2026
Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr
Palais Thurn und Taxis
Gallusstraße 10, 6900 Bregenz

Eröffnung
Sonntag, 19. Juli 2026, 11.30 Uhr