Die Macht des Niedlichen

Kultur / 20.07.2026 • 15:33 Uhr
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Pastellfarben, weiche Formen und verführerische Oberflächen öffnen den Blick auf die Ambivalenz des Niedlichen.Galerie Brugger

Lukas Thaler untersucht in der Galerie Brugger, wie Verführung, Berührung und Kontrolle ineinandergreifen.

Klaus Das Niedliche ist längst mehr als eine ästhetische Nebensache. Pastellfarben, Hasenohren und weiche Oberflächen prägen digitale Bildwelten, Mode und Wohnaccessoires. In seiner Ausstellung „Cute Aggressions“ in der Galerie Brugger in Klaus untersucht Lukas Thaler, wie diese Ästhetik wirkt und welches Machtverhältnis sich hinter ihrer Harmlosigkeit verbirgt.

Der Titel verweist auf das paradoxe Bedürfnis, etwas Niedliches so fest drücken oder in die Wangen kneifen zu wollen, dass Zuneigung beinahe in Aggression umschlägt. Genau in dieser Spannung liegt Thalers Interesse. Das Niedliche lockt, schafft Nähe und emotionalen Komfort, ist aber zugleich eine Strategie der Verführung. Wo traditionelle Kunst Distanz und Ehrfurcht einfordert, lädt das niedliche Objekt zur Berührung und Benutzung ein.

Thaler spielt bewusst mit dieser Verschiebung. Zwölf Skulpturen, die an Baumstämme, Säulen oder Hocker erinnern, dürfen ausdrücklich benutzt werden. Das Publikum soll den Abstand zum Kunstwerk überwinden, sich setzen und die Objekte wie Möbel behandeln. Aus einer im Museum respektlosen Geste wird hier ein wesentlicher Teil der Arbeit.

Auch die Wandarbeiten entfalten einen körperlichen Reiz. Thaler verarbeitet eine Mischung aus Harz, Marmorsand und Gips und zieht mit den Fingern Spuren durch die noch weiche Oberfläche. Die reliefartigen Strukturen bewegen sich zwischen Malerei und Skulptur. Sie zeigen den Herstellungsprozess und wecken den Wunsch, den Bewegungen des Künstlers mit der eigenen Hand nachzuspüren.

Die Ausstellung ist keine bloße Zusammenstellung einzelner Werke. Sie verwandelt den Galerieraum in eine komponierte Szenerie. Skulpturen lenken den Blick auf die Wandarbeiten, Besucher bewegen sich zwischen ihnen, setzen sich und werden Teil des Arrangements. Thaler greift das Prinzip des Dioramas auf: eine künstlich geschaffene Welt, in der Objekte, Raum und Betrachter miteinander verbunden sind.

„Cute Aggressions“ macht sichtbar, wie stark Kunst über Verführung, Nähe und körperliche Erfahrung funktioniert. Gerade weil die Arbeiten freundlich, weich und begehrenswert erscheinen, legen sie offen, wie schnell Zuneigung in Besitzanspruch und Berührung in Kontrolle übergehen kann. Zu sehen ist die Ausstellung bis 19. September 2026 in der Galerie Brugger in Klaus.