Mangalitzaschweine im Kohlgarten

Kultur / 20.07.2026 • 14:50 Uhr
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The Earlkings sind Bryan Benner (Gesang, Gitarre), Ivan Turkalj (Violoncello), Simon Teurezbacher (Tuba) und Thomas Toppler (Schlagzeug, Vibraphon).Schubertiade

„The Erlkings“ gastierten mit der „Schönen Müllerin“ bei der Schubertiade in Hohenems.

Hohenems Im von Schubert nicht vertonten Prolog zum Gedichtzyklus „Die schöne Müllerin“ lässt der Textdichter Wilhelm Müller einen Dichter sagen: „Ich lad’ euch, schöne Damen, kluge Herrn, […] zu einem funkelnagelneuen Spiel im allerfunkelnagelneusten Styl“. „Allerfunkelnagelneust“ ist der Stil der „Schönen Müllerin“ nicht mehr. So trifft es sich gut, dass das Wiener Ensemble „The Erlkings“ seit über zehn Jahren die Kunstlieder so großer Komponisten wie Schubert, Haydn oder Schumann auf zeitgemäße Art neu interpretiert. Schon 2020 waren die vier Musiker bei ihrem Schubertiade-Debut mit diesem Liederzyklus aufgetreten und hatten damit hier und auch international viel Erfolg; 2018 kam eine CD heraus.

Das Quartett aus Bryan Benner (Gesang, Gitarre), Ivan Turkalj (Violoncello), Simon Teurezbacher (Tuba) und Thomas Toppler (Schlagzeug, Vibraphon) hat viele Fans: Der Salomon-Sulzer-Saal war am Samstagabend trotz eines gerade niedergegangenen Unwetters (die weiße Hageldecke auf dem Rasen draußen hätte eher zur „Winterreise“ gepasst) fast voll besetzt. Die Truppe wurde ihrem Ruf gerecht, durch die ungewohnte und differenzierte Besetzung, die Einbeziehung verschiedener Stile von Pop über Folk bis Jazz und die Übertragung der Texte ins Englische Schuberts altbekanntes Meisterwerk faszinierend neu und sehr zugänglich erklingen zu lassen. Die Geschichte des unglücklich verliebten Müllerburschen und seiner unerreichbaren Liebe wirkte in dieser Fassung wie die Erlebnisse eines heutigen verliebten Teenagers.

Magische Stimmung

Musikalisch überzeugt diese Fassung, weil Benner einem das Gefühl vermittelt, eine Geschichte erzählen zu wollen, für die er seinen Bariton differenziert und oft berührend einsetzt. Und weil die Begleitinstrumente in ihren Arrangements den Klavierpart eigenwillig, oft lautmalerisch und immer texttreu umsetzen, etwa wenn zu Beginn von „Wohin?“ das Rauschen des Bächleins nur durch die Gitarre und das Cellopizzicato ausgedrückt wird, die Tuba zu Beginn von „Halt!“ bedrohlich tuckert oder wenn zur Zeile „Oh Bächlein meiner Liebe“ Vibraphon und Tuba eine geradezu magische Stimmung erzeugen.

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Schubertiade

Was jedoch den Eindruck beeinträchtigt, ist die Moderation durch Bryan Benner, der so weit geht, das Publikum Namen für den Müllerburschen („Hans Kaspar“), seine Geliebte („Eva Maria“) und den Jäger („Hugo“) auswählen zu lassen, was die Geschichte einigermaßen trivialisiert. Beim musikalisch durchaus packend vorgetragenen wilden „Jägerlied“, wo im Originaltext Eber nachts in den Kohlgarten der Müllerin einbrechen und „treten und wühlen herum in dem Feld“, ein Bild für die bedrohliche Erotik des Konkurrenten, erzählt einem Benner vorher, dass die schöne Müllerin Kohl liebt, auch als Salat, und dass zwei Mangalitzaschweine in ihren Garten einbrechen, die der Jäger dann schießt. Diese schmackhafte Hausschweinrasse kennt heute jeder Feinschmecker, wilde Eber sind was anderes. Durch die erklärende und kommentierende Moderation vor fast jedem Lied erlebt das Publikum diese verzweifelte Liebesgeschichte nicht mehr ausschließlich aus der Perspektive des verliebten Müllerburschen, sondern blickt auch von außen auf den jungen Liebenden, was die Identifikation erschwert. Deshalb gehen der existentielle Ernst und die Todesnähe, die im Original vorhanden sind, zeitweise verloren. Das Publikum war trotzdem begeistert und dankte mit kräftigem Applaus (auch nach einzelnen Liedern) und Bravorufen.

Ulrike Längle