Schweigen ist kein Zufall

Christian I. Peintner präsentierte die Premiere des Films „Code of Silence“ im TiK
Bregenz Christian Peintner ist ein Faktotum, nicht nur Zeichner, Maler, Bildhauer und Literat, sondern auch noch Filmemacher und zwar von jener seltenen Sorte, die Regie, Kamera, Produktion, Schnitt, Ton, Dialoge etc. in „Eigenregie“ stemmen. Seit den frühen 1990er Jahre stellt Peintner u. a. in der Galerie Stephanie Hollenstein/Lustenau, in der Galerie Giacobbe Soazio/Mailand und auf Sizilien aus, wo er über zehn Jahre lebte und zusammen mit Salvatore Romano 2014 die Künstlerresidenz „Graniti Murales“ gründete. 2007 erschien sein Debütroman „niemandsland oder der Mann ohne Namen“, 2019 auch als eBook.

Das Thema des „niemandslandes“ zieht sich seither wie ein roter Faden durch die künstlerische Vita von Christian Peintner, so auch in seinem neuesten Projekt „COS – Code Of Silence. Schweigen ist kein Zufall“ ein essayistischer 3D-Animationsfilm in Schwarz/Weiß gehalten von 80 Minuten Dauer. Über 3000 Stunden an Arbeit investierte Peintner in dieses außergewöhnliche Projekt, das absolut sehenswert ist. „COS ist zwischen Spielwelt (Gaming World) und Spielfilm und entwickelt eine eigenständige visuelle Handschrift. Der Film lenkt den Blick auf ein Thema, das selten öffentlich verhandelt wird: toxisches institutionelles Schweigen“, so Christian Peintner.
Außergewöhnlicher Film
Inhaltlich könnte man Parallelen zu „Matrix“, oder auch „Fight Club“ bemühen. Eine „verschworene Künstlergruppe“ lehnt sich gegen das systematische Schweigen auf. Innerhalb der Gruppe kommt es aber zu Spannungen, auch dadurch, dass die Kunststudentin Lena ein Verhältnis mit zwei Männern aus der Gruppe pflegt und diese für ihre „Dienste“ nach Punkten bewertet. Der Ort der Ausstellung „No Man‘s Land“, inmitten des Bodensees, google maps hat inzwischen die Grenzen der Anrainerstaaten gelöscht … eine Art Utopia (eine Nichtörtlichkeit, ein Wunschtraum) frei nach Thomas Morus. Die rhetorische Ohrfeige des Films gleich zu Beginn: „Jeder 2. Kunstschaffende in Vorarlberg ist armutsgefährdet“, so eine FHV-Studie aus dem Jahre 2023, die im Auftrag der Landes Vorarlberg erstellt worden ist. Die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2026 stehen derzeit noch aus, dürften aber mit ziemlicher Sicherheit besorgniserregender sein.

„Cos“ ist nicht nur ein außergewöhnlicher Film, der mehrere Thematiken in klugen Dialogen vereint, er untersucht in einer bewusst künstlichen 3D-Welt zwischen Computerspielästhetik, Film Noir und politischer Parabel wie „Macht durch Nicht-Kommunikation ausgeübt werden kann: nicht reagieren, nicht begründen, nicht zuständig sein“, so Peitner. „Der Film versteht Schweigen als eine Form von Sprache – als Mittel der Kontrolle ebenso wie als Reaktion auf Angst vor Konsequenzen. Daraus entsteht eine offene, symbolische Erzählstruktur, die weniger Antworten gibt als Fragen stellt und den Film bewusst als Raum für Interpretation und Diskussion anlegt. Es gilt den „Schweigekodex“ aufzubrechen, sowohl auf institutioneller als auch auf künstlerischer Seite. Allen Künstlerinnen und Künstlern sei vor allem die Homepage von Christian I. Peintner ans Herz gelegt.
THS