Transparenz, Farbe, Widerstand

Die Galerie K12 zeigt Mischtechniken, algorithmische Bildräume und Multiples von Tuncay Boztepe und Marxx Bosch.
Bregenz Im Rahmen des Bregenzer Kultursommers zeigt die Galerie K12 neue Arbeiten von Tuncay Boztepe und Marxx Bosch. Die Ausstellung verbindet Malerei, Mischtechniken und im 3D-Druck entstandene Multiples. Beide Künstler kommen ursprünglich aus der Malerei, studierten an der Universität für angewandte Kunst in Wien bei Peter Weibel und setzten sich später intensiv mit digitalen Medien auseinander. Die Schau zeigt damit, wie unterschiedlich sich analoge und digitale Verfahren in der Gegenwartskunst miteinander verbinden lassen.

Tuncay Boztepe, 1960 in der Türkei geboren und heute in Wien lebend, präsentiert sechs Mischtechniken, in denen Fotografie, digitale Bildbearbeitung und Zeichnung ineinandergreifen. Ausgangspunkt sind fotografische Selbstporträts, die indirekt entstehen: Boztepe nimmt Wasseroberflächen auf, auf denen sich sein eigener Schatten abzeichnet. Diese Bilder bearbeitet er am Computer und druckt sie anschließend auf Transparentfolie.

In einem weiteren Schritt ergänzt der Künstler die Schattenporträts mit Pastellkreide um charakteristische Gesichtszüge. Das Material haftet auf der glatten Folie jedoch nur begrenzt und löst sich mit der Zeit teilweise ab. Dieser bewusst einbezogene Prozess verweist auf Vergänglichkeit, Veränderung und die Fragilität des Bildes. Durch die Schichtung der transparenten Flächen und den Abstand zum Passepartout erhalten die Arbeiten zudem eine leichte räumliche Wirkung. Boztepe beschreibt seine Bildobjekte als Wechselspiel von Transparenz, Fragilität und struktureller Dichte. Zeichnerische Fragmente scheinen sich dabei zugleich aufzulösen und neu zu formieren.

Marxx Bosch richtet den Blick auf die Möglichkeiten digitaler Malerei. In seinen Arbeiten vermeidet er gegenständliche oder symbolisch aufgeladene Formen. Im Zentrum stehen Farbe, Struktur, Rhythmus und der unmittelbare Vorgang des Sehens. Häufig bilden algorithmisch erzeugte Fraktale die Grundlage seiner Muster und Farbräume. Bosch versteht diesen Zugang als Versuch, Malerei von politischen, literarischen oder erzählerischen Vorgaben zu lösen.
Ironische Variante
Daneben entwickelt der Lustenauer Künstler seit längerer Zeit dreidimensionale Objekte, die im 3D-Druck realisiert werden. Diese Multiples greifen gesellschaftspolitische Themen auf und zitieren zugleich bekannte Werke der Kunstgeschichte. Ein Beispiel ist „E.V.O.L.“, eine Hand, der ausgerechnet der Mittelfinger fehlt. Die Arbeit nimmt Bezug auf Maurizio Cattelans Skulptur „L.O.V.E.“ vor der Mailänder Börse. Dort sind alle Finger bis auf den Mittelfinger abgebrochen. Cattelans Werk wird häufig als provokanter Kommentar auf Finanzwelt, Kapitalismus und faschistische Bildsprache gelesen. Bosch kehrt dieses Motiv um und entwickelt daraus eine eigene, ironische Variante.

Die Ausstellung ist bis 28. August jeweils freitags und samstags von 14 bis 18 Uhr in der Galerie K12 in der Bregenzer Kirchstraße 12 zu sehen.