Ursula Krinzingers Rückkehr nach Bregenz

Kultur / 21.07.2026 • 12:59 Uhr
Ursula Krinzingers Rückkehr nach Bregenz
APA

VN-Kommentar von Gerald Matt.

Diesmal darf ich auf eine Ausstellung hinweisen, die ich gemeinsam mit der Leiterin des Kulturamtes Judith Reichart gestalten durfte. Die Ausstellung „Die Galeristin. Ursula Krinzinger und Bregenz“ findet im Palais Thurn und Taxis über den Festspielsommer statt. Mir ist die Ausstellung ein Herzensanliegen, war es doch die Galerie Krinzinger, die mich wie eine ganze Generation junger Menschen, darunter Künstlerinnen und Künstler wie Eva Schlegel oder Peter Kogler, beide in der Ausstellung vertreten, inspirierten. Waren es ihre Programme, die mich während meines Studiums in Innsbruck begeisterten und dazu beitrugen, ein Leben mit und für die Kunst zu führen.


Die Ausstellung erzählt deshalb nicht nur die Geschichte einer Galerie, gibt nicht nur einen Einblick in die jüngere nationale und internationale Kunstgeschichte. Sie erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, einer Pionierin, einer Kämpferin, die seit mehr als fünf Jahrzehnten ihr Leben der Kunst gewidmet hat. Sie handelt von einer Geschichte, die hier in Bregenz begann und nun mit der Ausstellung hierher zurückkehrt. 1971 eröffnete sie in Bregenz ihre erste Galerie. Es waren mutige Jahre, wirtschaftlich alles andere als einfach. Die zeitgenössische Kunst hatte in Vorarlberg damals kaum einen Platz. Legendär wurde der Skandal um Gottfried Bechtolds Betonporsche. Das Werk provozierte Medien und Öffentlichkeit gleichermaßen. Er stellte Gewissheiten infrage und forderte heraus, fragte, was Kunst überhaupt sein kann. Was damals Unverständnis und heftige Ablehnung auslöste, gilt heute als Meilenstein österreichischer Gegenwartskunst.
Dieser Wandel erzählt nicht nur etwas über die Entwicklung der Kunst. Er erzählt auch etwas über Menschen wie Ursula Krinzinger. Denn geistiger und kultureller Aufbruch, die Entwicklung einer Gesellschaft beginnt meist dort, wo jemand bereit ist, gegen Widerstände anzutreten. Ihr Weg zu einer der international bedeutendsten Galerien führte sie über Innsbruck nach Wien und über Kunstmessen, deren Bedeutung sie früh erkannte, war sie schon 1972 auf der Messe Basel eingeladen, der Ritterschlag in der internationalen Kunstwelt, in alle Welt.


Früh setzte sie sich auch für den Aktionismus ein, konsequent förderte sie Pionierinnen feministischer Kunst wie Marina Abramovic, María Lassnig, Gina Pane oder VALIE Export, Künstlerinnen, die ihren Körper als Ort des Widerstands gegen gesellschaftliche Zuschreibungen und patriarchale Strukturen.
Wenn man durch diese nach künstlerischen Dialogen inszenierte Ausstellung geht, begegnet man deshalb nicht nur Künstlerinnen und Künstlern und ihren Spitzenwerken, man begegnet auch Ursula Krinzinger. Man begegnet ihrem festen Glauben daran, dass Kunst mehr sein kann als Dekoration oder Marktwert. Dass Kunst ein Instrument der Erkenntnis ist, ein Ort des Zweifelns, ein Raum der Freiheit, ein Versprechen auf Veränderung. Ursula Krinzinger hat bewiesen, dass man aus einem Traum Wirklichkeit machen kann. Sie gilt heute zu Recht als Doyenne der österreichischen und internationalen Galerienszene.