Warum Öffi-Busfahren für Frauen immer attraktiver wird

Zahl der weiblichen Lenkerinnen steigt. “Wir haben unseren Traumjob”, erzählen Alexandra und Fiorella.
Lustenau Der subjektive Eindruck trügt nicht. Wer meint, immer mehr Frauen an den Lenkrädern großer Öffi-Busse zu erblicken, meint richtig. “Die Zahl der Frauen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen”, sagt Daniel Amann, Leiter der Kommunikation beim Vorarlberger Verkehrsverbund (VVV). Michael Riedmann, Geschäftsführer des VVV-Subunternehmens Rheintalbus, liefert für sein Unternehmen konkrete Zahlen. “Von unseren 85 Lenkerinnen und Lenkern sind 22 Frauen.”
Vom Taxi in den Gelenkbus
Zwei dieser 22 Frauen sind Alexandra Tatzel (37) und Fiorella Raos (50). Zwei, die aus voller Überzeugung davon sprechen, ihren Traumjob gefunden zu haben. “Ich bin gelernte Einzelhandelskauffrau. Aber ich wollte bald einmal raus. Dass ich jetzt als Busfahrerin tätig bin, ist für mich das Beste, was mir passieren konnte.” Nach der Lehre arbeitete Alexandra im Lebensmittelhandel, an den Wochenenden war sie als Taxlerin tätig. Dort wollte man sie bald aber nur noch als Vollzeit-Beschäftigte. “Aber das ging nicht. Ich hatte zwischenzeitlich Kinder.”

Nach anschließender Tätigkeit bei einer Großbäckerei stieß die Hohenemserin schließlich zum Verkehrsverbund. Mit Bravour bewältigte sie den Kurs zur Busfahrerin, lenkte beim Verkehrsverbund sogar die großen Gelenkbusse.
“Jetzt bin ich seit fünf Jahren bei Rheintalbus. Und ich kann nur sagen: Für mich ist das ein Traumjob. Auch wenn ich jetzt mehr im Büro tätig bin, komm’ ich noch regelmäßig zum Fahren.”
Spontane Berufsentscheidung
Bedrohliche Situationen mit unangenehmen Fahrgästen habe sie praktisch nie erlebt. “Im Gegenteil. Ich spürte eigentlich oft große Wertschätzung vonseiten der Fahrgäste”, schwärmt die dreifache Mutter von ihrem Job.
Das tut auch Fiorella Raos. Die 50-Jährige stammt aus der Dominikanischen Republik und war dort als Landmaschinenmechanikerin tätig. Als sie mit ihrem Papa als 18-Jährige in Österreich urlaubte, brachte sie niemand mehr weg. Fiorella lernte schnell Deutsch, arbeitete in der Möbel- und Bekleidungsbranche. Auch sie ist dreifache Mutter. “Ich wollte nicht mehr verkaufen. Und als ich dann eines Tages hinter einem Bus herfuhr und die Werbung für Busfahrer bewusst wahrnahm, war mir klar: Das will ich tun.”

Auch bei Fiorella ging dann alles sehr schnell. “Ich hab’ gebüffelt wie verrückt, meine Familie in dieser Zeit vernachlässigt. Doch es hat sich rentiert. Ich bestand die Prüfung. Jetzt bin ich Busfahrerin. Und das ist so toll!”

Die Seelentrösterin
Fiorella liebt einen lebendigen Kontakt mit den Fahrgästen. “Ich grüße jeden persönlich. Man würde nicht glauben, was nur das schon an guter Stimmung bewirkt.” Unlängst trat sie sogar als Seelentrösterin auf, während einer Nachtfahrt von Lustenau nach Götzis mit nur einem Fahrgast. “Wir begannen miteinander zu reden. Da erzählte er mir seine Sorgen. In Götzis angekommen, fuhr er gleich wieder mit mir zurück nach Lustenau und dann wieder retour. Er war so froh, dass ich ihm zugehört hatte.”

Solche Geschichten hört Michael Riedmann, Geschäftsführer von Rheintalbus, gerne. “Wir haben Frauen in unserem Team wirklich sehr gerne. Sie fahren mit Gefühl, und dank der technischen Ausstattung unserer Busse ist das Fahren für sie körperlich schon längst keine Herausforderung mehr.”