Nächtliche Hommage an Valie Export

Bis Ende August sind Werke der Künstlerin allabendlich am Karl-Tizian-Platz zu sehen.
Bregenz Mit einer nächtlichen Projektion erinnert das Kunsthaus Bregenz im Sommer 2026 an Valie Export. Bis Ende August sind täglich von 21 bis 24 Uhr Arbeiten der am 14. Mai 2026 verstorbenen österreichischen Medien- und Aktionskünstlerin auf der Leinwand am Karl-Tizian-Platz zu sehen. Gezeigt werden die „Körperkonfigurationen“ aus den 1970er-Jahren sowie die Schwarz-Weiß-Fotoserie „Haut-Dialog“ von 2024.
Die Präsentation verlagert Exports Kunst aus dem Museum in die Bregenzer Innenstadt und macht sie Passantinnen und Passanten zugänglich. Damit greift das Kunsthaus einen Gedanken ihres Werks auf: Kunst sollte in den öffentlichen Raum und in gesellschaftliche Zusammenhänge eingreifen. Sigrid Guggenberger, Vorstand der Valie Export Stiftung, bezeichnet es als zentrales Anliegen, die Arbeiten weiterhin einem breiten Publikum nahezubringen. Dies entspreche dem Kunstverständnis Exports, das die Betrachtenden als aktiv Beteiligte begreife.

Im Mittelpunkt steht die zwischen 1972 und 1982 entstandene Serie „Körperkonfigurationen“. Darin setzt die Künstlerin ihren Körper in Beziehung zu Treppen, Mauern, Pfeilern, Straßen und anderen Elementen der gebauten Umgebung. Sie beugt, streckt oder legt sich entlang architektonischer Linien und macht sichtbar, wie Körper und öffentlicher Raum aufeinander einwirken. Die Architektur erscheint nicht als neutrale Kulisse, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher und patriarchaler Machtverhältnisse. Zugleich behauptet sich der Körper gegenüber diesen Strukturen, indem er sie besetzt, nachformt und neu deutet.
„Haut-Dialog“
Zusätzliche Bedeutung erhält die Serie durch den Ort der Projektion. Die Bilder erscheinen auf der Wand des Vorarlberger Landestheaters, das ebenso wie das Kunsthaus Bregenz von Männern entworfen wurde. Nach Auffassung der Valie Export-Stiftung verdoppelt sich dadurch die in den Arbeiten angelegte Ein- und Übernahme männlich geprägter Architektur.
Mit „Haut-Dialog“ ist auch eine späte Arbeit vertreten. In der 2024 entstandenen Fotoserie untersucht Valie Export, wie sich Zeit, Erinnerung und gesellschaftliche Erfahrungen in den Körper einschreiben. Die Haut wird zum Speicher von Veränderungen, Verletzungen und Identitätsentwürfen. Wie in den „Körperkonfigurationen“ verbindet sich die persönliche Erfahrung mit Fragen nach Wahrnehmung und Selbstbestimmung.

Das Kunsthaus Bregenz war die Künstlerin eng verbunden. 2011 öffnete sie für die Ausstellung „Valie Export – Archiv“ ihr Archiv und ermöglichte Einblicke in bislang unveröffentlichte Materialien und Arbeitsprozesse. 2023 entwickelte sie für das KUB die Installation „Oh Lord, Don’t Let Them Drop That Atomic Bomb on Me“. Aus ausrangierten Orgelpfeifen entstand eine Tonskulptur, die sich auf den gleichnamigen Song von Charles Mingus bezog.
Die nächtliche Hommage führt diese Zusammenarbeit nach dem Tod der Künstlerin im öffentlichen Raum fort. Statt einer abgeschlossenen Gedenkausstellung begegnen ihre Arbeiten der Stadt und ihrem Publikum jeden Abend neu – als Bilder, die sich in die Architektur Bregenz’ einschreiben und deren gesellschaftliche Prägung sichtbar machen.