Stark im Widerständigen

Kultur / 28.07.2026 • 12:37 Uhr
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Gil Sisquella Oncins, Raul Campos Calzada, Bernat Santacana Hervada und Ariadna Chmelik Lluís.Andreas marte

Das Atenea Quartet überzeugte dort am meisten, wo die Musik Ecken und Kanten zeigt.

feldkirch Mit einem anspruchsvollen Programm gastierte das Atenea Quartet am Montagabend in der Feldkircher Schattenburg. Das 2019 in Barcelona gegründete und in Basel beheimatete Ensemble verband Henry Purcell, Béla Bartók und Ludwig van Beethoven. Insgesamt hinterließ das Quartett einen durchaus positiven Eindruck: technisch sicher und strukturell aufmerksam, wenn auch nicht durchgehend klanglich ausgewogen.

Purcells „Fantasias in 4 parts“ eröffneten das Konzert eher spröde. Das Ensemble arbeitete die kontrapunktischen Linien deutlich heraus und bewahrte eine klare Stimmenführung. Allerdings fehlte der Musik stellenweise jene innere Ruhe, aus der sich ihre schwebende Spannung entfalten kann. Manche Einsätze wirkten hart, die Übergänge nicht immer selbstverständlich, auch die Balance blieb mitunter unausgeglichen. Statt eines ruhig atmenden Geflechts entstand zeitweise ein nüchterner Eindruck.

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Überzeugender gelang Béla Bartóks drittes Streichquartett. In dem konzentrierten Werk fand das Atenea Quartett zu größerer Geschlossenheit und klanglicher Entschiedenheit. Die scharfen Akzente, nervösen Glissandi und spröden Pizzicati besaßen Präzision und Biss, ohne zum bloßen Effekt zu werden. Besonders in den rhythmisch komplexen Passagen bewies das Ensemble technische Souveränität und Gespür für die Dramaturgie. Die Kontraste zwischen eruptiver Energie und flirrenden Klangflächen wurden klar herausgearbeitet. Kleine Unsicherheiten in den Übergängen fielen kaum ins Gewicht. Bartók wurde zum stärksten Programmpunkt.

Die große Fuge

Nach der Pause stellte sich das Quartett Beethovens Streichquartett B-Dur op. 130 in der Urfassung mit der „Großen Fuge“. Die ersten Sätze gelangen solide und mit deutlichem Formbewusstsein. Im eröffnenden Adagio und Allegro wurden die Kontraste klar gesetzt, das Presto wirkte beweglich und prägnant, die „Alla danza tedesca“ leicht und ohne übertriebene Koketterie. Gerade in den leisen Passagen zeigten sich jedoch Grenzen der klanglichen Abstimmung. Nicht immer fanden die vier Instrumente zu einem gemeinsam getragenen Pianoklang; einzelne Stimmen traten hervor, wo größere Geschlossenheit nötig gewesen wäre.

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Andreas marte

Besonders im fünften Satz, der Cavatina, machte sich dies bemerkbar. Beethoven verlangt hier äußerste Ruhe, Innigkeit und eine nahezu schwerelose Verbindung der Stimmen. Das Atenea Quartett fand zwar zu berührenden Momenten, doch die leisen Linien blieben nicht durchgehend stabil und fein genug ausbalanciert. Manche Übergänge wirkten vorsichtig statt frei, wodurch die emotionale Tiefe nur teilweise erreicht wurde. Die abschließende „Große Fuge“ gelang wieder geschlossener. Das Ensemble stellte sich ihrer Widerständigkeit mit Energie und Übersicht, hielt die komplexen Linien weitgehend zusammen und vermied jede Glättung. Mitunter geriet der Klang an die Grenze des Forcierten, doch die Spannung blieb erhalten.

So zeigte sich das Atenea Quartett als vielversprechendes Ensemble. Bartók traf seine Stärken am besten, Beethoven überzeugte trotz kleiner Schwächen über weite Strecken, während Purcell noch nicht jene Ruhe erreichte, die diese Musik verlangt.