Der Architekt des modernen Kinos

Kultur / 31.07.2026 • 12:14 Uhr
Fritz_Lang_CM738.jpg
Vom Weimarer Stummfilm zum amerikanischen Film noir: Fritz Lang prägte das Kino des 20. Jahrhunderts wie kaum ein anderer.
Cine Mundial

Der gebürtige Wiener Fritz Lang schuf mit „Metropolis” und „M” Meilensteine der Filmgeschichte.

Schwarzach Am 2. August 1976 starb Fritz Lang in Beverly Hills, fern jener Städte, deren Bilder er geprägt hatte wie kaum ein zweiter Regisseur des 20. Jahrhunderts. Fünfzig Jahre später gilt der gebürtige Wiener als einer der einflussreichsten Filmemacher überhaupt – ein Baumeister der Kinomoderne, dessen Formensprache von der Science-Fiction bis zum Film noir bis heute nachwirkt.

Brigitte_Helm_Fritz_Lang_Probe_Metropolis_(1926).jpg
Der österreichische Regisseur schuf mehrere Meilensteine der Filmgeschichte.
Horst von Harbou

1890 in Wien geboren, brach Lang ein Architekturstudium ab, ging zur Malerei über und fand schließlich zum jungen Medium Film. In den 1920er-Jahren wurde er zur zentralen Figur des Weimarer Kinos. Mit „Dr. Mabuse, der Spieler”, dem monumentalen Zweiteiler „Die Nibelungen” und vor allem mit „Metropolis” (1927) schuf er Werke von überwältigender bildnerischer Wucht. Die dystopische Vision einer geteilten Großstadt, in der eine Elite über die Massen in der Tiefe herrscht, wurde zur Ikone – ein Film, an dem sich das Kino der Moderne bis heute abarbeitet.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Zusammen mit seiner damaligen Frau, der Autorin Thea von Harbou, verantwortete Lang die Drehbücher vieler dieser Arbeiten. 1931 folgte mit „M – Eine Stadt sucht einen Mörder” sein erster Tonfilm. Die Geschichte um einen Kindermörder, gespielt von Peter Lorre, gilt als Meilenstein: psychologisch vielschichtig, moralisch beunruhigend, in der Verbindung von Bild und Ton wegweisend.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam der Bruch. Lang, dessen Mutter jüdischer Herkunft war, verließ Deutschland. Sein berühmtes Erzählmotiv – Joseph Goebbels habe ihm die Leitung des deutschen Films angetragen, woraufhin er noch am selben Abend aus Berlin geflohen sei – hat Lang später selbst dramatisiert; die Forschung sieht die Episode heute differenzierter. Unstrittig ist der Weg ins Exil: über Paris nach Hollywood, während von Harbou in Deutschland blieb. Die Ehe zerbrach endgültig.

Legende des Kinos

In den USA erfand sich Lang neu. „Fury” (1936), eine schonungslose Studie über Lynchjustiz, eröffnete eine zweite Karriere, in der er zum Mitbegründer des Film noir wurde. Werke wie „The Big Heat” zeigen seine Handschrift: die kühle Präzision der Kadrage, die Figuren im Griff von Schuld, Rache und gesellschaftlicher Gewalt. Lang misstraute den Institutionen und dem Menschen zugleich – ein Pessimismus, der seine amerikanischen Filme durchzieht.

Spät kehrte er nach Deutschland zurück und drehte unter anderem das Abenteuer-Diptychon „Der Tiger von Eschnapur” und „Das indische Grabmal” sowie 1960 „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse” – eine Rückkehr zu seiner alten Figur. Einem breiten Publikum blieb er auch durch seinen Auftritt bei Jean-Luc Godard in Erinnerung, der ihn in „Die Verachtung” (1963) als sich selbst spielen ließ: den alten Meister mit Monokel, Sinnbild eines Kinos, das zur Legende geworden war.

Fritz Lang hinterließ ein Werk, das zwischen den Kontinenten und Epochen gespannt ist – von der expressionistischen Fülle der Stummfilmzeit bis zur nüchternen Härte des Nachkriegskinos. Fünfzig Jahre nach seinem Tod ist sein Blick auf Macht, Masse und die moderne Stadt von beklemmender Aktualität geblieben.