Ein bleibendes Zeichen für die Festspielgründer

Die Stele wird am Mittwoch um 18 Uhr beim Bregenzer Gondelhafen enthüllt.
Bregenz Am Bregenzer Gondelhafen wird am Mittwoch, 5. August, um 18 Uhr eine Stele enthüllt, die an die vier Gründer der Bregenzer Festspiele erinnert. Exakt 80 Jahre zuvor fand dort die erste Aufführung auf dem See statt. Auf zwei Kieskähnen wurden Mozarts Singspiel „Bastien und Bastienne“ und die „Kleine Nachtmusik“ dargeboten. Aus diesem improvisierten Beginn entwickelte sich ein Festival von internationalem Rang. Das Erinnerungszeichen trägt den Titel „Offener Blick“ und würdigt Kurt Kaiser, Eugen Leissing, Adolf Salzmann und Julius Wachter, den ersten Präsidenten der Bregenzer Festspielgemeinde. Obwohl sie die Grundlage für die Erfolgsgeschichte legten, sind ihre Namen heute vielen kaum geläufig. Im öffentlichen Raum erinnerte bislang kein dauerhaftes Zeichen an ihre Initiative. Diese Lücke soll die privat finanzierte und von Marbod Lingenhöle initiierte Stele schließen. Die vier kulturbegeisterten Männer begannen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre Idee von Sommerspielen am Bodenseeufer zu verwirklichen. Die Stadt war von Kriegsschäden gezeichnet, Lebensmittel waren knapp und nur gegen Marken erhältlich. Gerade in dieser schwierigen Zeit setzten Kaiser, Leissing, Salzmann und Wachter auf die verbindende Kraft der Kultur. Für die erste Festwoche brachten sie rund 200.000 Schilling auf. Unterstützung erhielten sie von der französischen Besatzungsmacht und aus der Schweiz.

Im Zentrum der Stele steht ein bronzenes Augenpaar, das die Künstlerin Sabine Lingenhöle-Rainer 2025 geschaffen hat. Die Stele gestaltete der Metallbildhauer Joschy Deuring. Eine Messingtafel nennt die Namen der vier Festspielgründer. Gestiftet wird das Kunstwerk von der Familie Marbod Lingenhöle, die mit der Festspielgeschichte verbunden ist: Julius Wachter, zur Gründungszeit Bürgermeister von Bregenz, war der Großvater des Initiators.
Kultur auf Augenhöhe
Der „Offene Blick“ steht für Offenheit, Engagement und Courage – Eigenschaften, die es brauchte, um in der Nachkriegszeit kulturelles Leben entstehen zu lassen. Zugleich richtet sich das Werk an die Menschen und die Kunst der Gegenwart. Deshalb befindet sich das Augenpaar auf Augenhöhe. Kultur, so die Idee, soll nicht von oben herab vermittelt werden oder im Elfenbeinturm stattfinden, sondern für möglichst viele Menschen erreichbar sein. Auch gestalterisch folgt das Kunstwerk diesem Gedanken. Das Augenpaar ist skizzenartig und dynamisch modelliert, auf das Wesentliche reduziert und bewusst fragmentarisch gehalten. Was spontan erscheint, ist das Ergebnis eines Arbeitsprozesses, bei dem Lingenhöle-Rainer mehrere Modelle parallel entwickelte und die Form schrittweise verdichtete.
Die feierliche Übergabe übernehmen Bürgermeister Michael Ritsch, Stadtarchivar Thomas Klagian und Festspielpräsident Hans-Peter Metzler gemeinsam mit der Künstlerin, dem Metallbildhauer und der Stifterfamilie. Klagian wird die historische Situation der Gründungszeit erläutern. Mit der Stele erhält Bregenz zum 80-jährigen Bestehen der Festspiele einen bleibenden Erinnerungsort an jene vier Männer, deren Weitblick 1946 den Anfang möglich machte.