Ein Vorarlberger Werk eröffnet die Brucknertage

Michael Floredo setzt mit seinem „Fermatenquintett“ einen zeitgenössischen Akzent.
ST. FLORIAN Am 16. August steht beim Eröffnungskonzert der Brucknertage 2026 im Großen Marmorsaal des Stiftes St. Florian eine Uraufführung auf dem Programm: Das Eggner Trio präsentiert Michael Floredos rund 20-minütiges Klavierquintett „Fermatenquintett“. An dem hochkomplexen Werk arbeitete der Vorarlberger Komponist von 2020 bis Anfang 2026.
Seinen Ursprung hat das Stück in Skizzen zu einem Streichquartett, die Floredo zwischen 2020 und 2022 begonnen, zunächst jedoch unvollendet beiseitegelegt hatte. Ende 2023 griff er das Material erneut auf und entwickelte daraus das Klavierquintett. Dessen Tonsprache verbindet Tradition mit zeitgenössischen Ausdrucksformen und sucht bewusst eine zeitlose Wirkung. In der Mitte und am Ende lässt sich ein melodisches Zitat, eine Litanei, erkennen.
Lyrische Momente
Der Titel verweist auf die Fermate, das musikalische Zeichen für das freie, verlängerte Aushalten eines Tons oder Klanges. Das Werk besteht aus neun kurzen Sätzen mit wechselnden Tempi, die ohne Unterbrechung ineinander übergehen und zunehmend länger werden. Traditionell geprägte Themen werden durch Beschleunigung, kontrapunktische Verdichtung und die Gleichberechtigung der einzelnen Stimmen in die Gegenwart geführt. Meditative und virtuose Passagen, lyrische Momente und kraftvolle „con fuoco“-Abschnitte wechseln einander ab, einzelne Motive ziehen sich durch das Werk.
Michael Floredo, 1967 in Hohenems geboren, ist Komponist, Organist und Pädagoge. Von 1987 bis 1992 studierte er am Vorarlberger Landeskonservatorium Komposition bei Gerold Amann und Klavier bei Melody Wu. Heute unterrichtet er Musiktheorie und Komposition an der tonart Musikschule Hohenems sowie an der Musikschule Walgau.
Die Brucknertage wurden 1997 als private Initiative gegründet. Jedes Jahr im August kommen Klassikfreunde nach St. Florian, um Anton Bruckner zu ehren und Nachwuchstalente zu fördern.
Ebenfalls 1997 gründeten die Brüder Georg, Florian und Christoph Eggner ihr Eggner Trio. Das Ensemble gastierte in der Wigmore Hall London, im Concertgebouw Amsterdam und bei der Schubertiade Schwarzenberg. Internationale Aufmerksamkeit brachte 2003 der erste Preis beim Melbourne International Chamber Music Competition, 2006 folgte die Teilnahme an der Reihe „Rising Stars“.