“Die Schule ist mittlerweile fast schon ein Vollzeitjob” – Vorarlberger zu den Sommerferien

Zwischen Betreuungsstress und Erholung: So denken Vorarlberger Eltern über neun Wochen Ferien.
Bregenz Zu lang, zu kurz oder genau richtig? Bei der Länge der Sommerferien scheiden sich die Geister.
Viele Perspektiven
Am letzten Schultag am Freitag ist das Zentrum in Bregenz schon am Vormittag voll von jungen Familien. Auch Eveline Miessgang (46), ihr Sohn Raphael (11) und ihr Partner Michael Ulmer (45) genießen die gemeinsame Zeit. “Kinder brauchen diese Sommerferien, um sich wirklich erholen zu können”, sagt die Bregenzerin. “Die Schule ist mit den vielen Hausaufgaben und dem Lernen mittlerweile fast schon ein Vollzeitjob.” Da sie und ihr Partner gute Arbeitgeber haben, können sie sich die neun Wochen Betreuungszeit gut einteilen.

Judith Kern (40) aus Bregenz ist da anderer Meinung: “Die Sommerferien sind einerseits für die Eltern aufgrund der langen Betreuungszeit zu lang und andererseits für die Kinder, da sie den Kontakt zu ihren Mitschülern vermissen.” Ihr siebenjähriger Sohn Pius nickt zustimmend. “Natürlich kann man Treffen mit Freunden organisieren, aber das ist auch Arbeit.”

Sabine Belina (48), ebenfalls aus der Landeshauptstadt, ist dem Thema gegenüber neutral eingestellt. Für sie persönlich sind die neun Wochen Betreuungszeit kein Problem, da sie und ihr Mann sich die Arbeit so einteilen können, dass immer jemand zu Hause ist. Doch als Assistentin in einer Kinderbetreuungsgruppe kennt sie die Schwierigkeiten vieler Eltern.

Für sie wäre es in Ordnung, wenn es so bleiben würde, wie es ist. Aber sie könnte sich auch kürzere Ferien vorstellen, wenn die zusätzliche Zeit in der Schule spielerisch gestaltet werden würde.

Keine einfache Antwort
“Das Thema hat viele Facetten, und je nach Familie und Kind fällt die Antwort anders aus”, schildert Guntram Bechtold vom VFV. “Genau deshalb setzen wir auf Wahlfreiheit statt auf eine Lösung für alle.” Er bezieht sich unter anderem auf die Neos Vorarlberg, die aktuell gesetzlich verbindliche Sommerbetreuung mit Qualität, verlässlichen Plätzen und sozial gestaffelten Beiträgen fordern.

Eine Nachfrage des Obmanns in seinem Netzwerk bestätigt ihm schnell die Vielfalt an Ansichten zu dem Thema. “Die Pause selbst braucht es, solange Schule so tickt, wie sie tickt”, äußert Veronika Geiger (66), Elternvereinsobfrau der Mittelschule Haselstauden und Vorstandsmitglied des VFV. Für die Dornbirner Mutter mehrerer Kinder bräuchte es gesellschaftliche Lösungen, nicht nur eine Diskussion über die Zahl der Ferientage.

Für Patricia Zupan-Eugster (47) aus Langenegg sind neun Wochen Sommerferien ganz klar zu lang. “Nach fünf Wochen kippt es in Langeweile und Lernstress”, schildert die Unternehmerin. Mit drei Kindern werde die Betreuung außerdem zum Logistikmarathon, und man verbringe den halben Tag im Auto. Sie schlägt konkret fünf Wochen Sommerferien vor, dazu Ferienjobs und Praktika ab zwölf Jahren.

“Mir ist bewusst, dass Organisation und Kosten der Ferienbetreuung für viele Eltern eine Herausforderung sind. Manchmal auch für meine Familie”, erzählt Daniel Mutschlechner (48), Geschäftsführer des Jugend- und Bildungshauses St. Arbogast. “Aber fragt eigentlich jemand die Kinder?” Seinen Kindern dauern die Sommerferien keinen Tag zu lange.

Bezüglich der Ferienbetreuung ist der Dornbirner der Meinung, dass wir nicht alles an den Staat delegieren sollten. “Wir kennen doch die Budgetzahlen.” Umso wichtiger sei der gesellschaftliche Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung über die Generationen hinweg – in Familien, unter Freunden oder in Vereinen.