Bregenzerwälder Filmemacher in L.A. und London nominiert

Kultur / 16.08.2026 • 14:55 Uhr
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Im Mittelpunkt des Films steht María Esperanza, die nach fünf Jahrzehnten noch einmal ins Tonstudio zurückkehrt.Bastian Innfeld

VN-Interview mit Bastian Innfeld (27), Filmemacher und Regisseur.

dornbirn Die Kurzdokumentation „The Music of a Life“ des Vorarlberger Filmemachers Bastian Innfeldwurde zählte beim Chicano Hollywood Film Festival in Los Angeles zu den Finalisten, nun ist er für das London Latino Film Festival nominiert.

Was bedeutet Ihnen dieser internationale Erfolg ?

Innfeld Unglaublich viel. Vor zwei Jahren war ich noch kurz davor auszusteigen. Ich habe mich gefragt: Will ich meine Karriere im Film wirklich weiterverfolgen, oder steige ich lieber aus, solange ich noch jung bin? Dann kam die Doku ins Rollen. Der Musikproduzent aus Miami stieg ein, die Förderzusage kam, dann die Nominierung in Los Angeles, die mir persönlich und beruflich so viel gegeben hat, und jetzt London. Seit einem Jahr baue ich mein Filmstudio “Blinkhaus” auf, mit dem ich weg will von schnell vergessenem, hin zu emotionaleren Geschichten, die zurückbringen, was Filme wirklich ausmacht. Man sieht, dass Unternehmen wieder mehr Authentizität suchen, gerade in einer Welt, in der das Menschliche etwas verloren geht. Mit neuer Perspektive, neuen Kontakten und neuen Challenges geht es jetzt nochmal von vorne los. Ich bin froh, dabei geblieben zu sein. Und da kommt noch mehr.

Im Mittelpunkt von „The Music of a Life” steht die 94-jährige María Esperanza. Was hat Sie an ihrer Lebensgeschichte so fasziniert, dass Sie daraus einen Film machen wollten?

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Bastian Innfeld

Innfeld Ich habe noch nie einen so zufriedenen und glücklichen Menschen kennengelernt wie María. Trotz ihres harten Wegs, einer Krebserkrankung und ihrem Partner, um den sie sich täglich sorgt, schafft sie es, jeden Tag mit einem Lächeln zu beginnen und positiv zu bleiben. Sie hat sich alles erfüllt, was sie sich gewünscht hat, und immer mit hundert Prozent Hingabe. Nun konnten wir ihr noch einen Wunsch erfüllen und ihre Karriere ein letztes Mal aufleben lassen. Wir digitalisierten sogar alte Filmrollen, die sie nie zuvor gesehen hatte, und brachten vergessene Erinnerungen zurück.

Welche Rolle spielt die Musik im Film?

Innfeld Die Musik spielt eine zentrale Rolle, ebenso wie Marías Gabe, Geschichten zu erzählen. Wir haben den Film aus ihren eigenen Erzählungen aufgebaut, in Interviewform, so echt und authentisch wie nur möglich. Visuell haben wir vergessene Super-8-Aufnahmen und Archivmaterial digitalisiert. Das Herz des Films ist ihr Studiorecording. Nachdem das erste Lampenfieber verflogen war, sie ist immerhin 94, spürte man erst richtig die Leidenschaft, Wärme und Emotion, die sie mit ihrem Gesang ausstrahlt.

Ist „The Music of a Life” auch ein Plädoyer für Erinnerung, Familie und das Zuhören zwischen den Generationen?

Innfeld Genau. Wir finden oft nicht mehr die Zeit, uns an einen Tisch zu setzen, einander zuzuhören und einen Menschen wirklich kennenzulernen, zu verstehen, was seine Beweggründe sind. Jeder Mensch hat diesen Respekt verdient, auch wenn man einmal nicht derselben Meinung ist. Vielleicht wäre dann das eine oder andere heute anders.

Innfeld Beim Chicano Hollywood Film Festival begegneten Sie Persönlichkeiten wie Keanu Reeves und anderen Filmschaffenden aus Hollywood.

Los Angeles stand schon lange auf meiner Liste. Als Filmemacher will man die Studios sehen und sich vor Ort vernetzen. Bei den Paramount Studios bekommt man die Dimensionen von Hollywood erst richtig zu spüren. Die Menschen, die ich getroffen habe, waren extrem offen und kollaborativ, darunter auch ein steirischer Sounddesigner, der seit Jahren Ton für Hollywoodfilme macht. Es sind bereits konkrete Kontakte zu Produktionsstudios und Filmschaffenden entstanden, mit denen ich in Verbindung bleibe. Solche Verbindungen wachsen langsam, aber der Anfang ist gemacht, und ich fahre mit dem Gefühl zurück, dass die Tür einen Spalt offensteht.