Literatur und Gespräch in Bizau

Kultur / 18.08.2026 • 13:30 Uhr
https___jungundjung.at_wp-content_uploads_2021_02_Eva_Schmidt_©Klaudia-Longo.jpg
Eva Schmidt liest aus ihrem aktuellen Roman “Neben Fremden”.Klaudia Longo

Eva Menasse & Sarah Wipauer am 25. August, Eva Schmidt & Markus Köhle am 27. August.

Bizau Ende August holt der Felderverein gleich vier Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur nach Bizau. Im Zentrum der beiden Abende im Gebhard-Wölfle-Saal stehen zwei Autorinnen, die unterschiedlicher kaum arbeiten könnten und doch um dasselbe kreisen: um das, was bleibt, wenn Beziehungen wegbrechen.

Eva Menasse, 1970 in Wien geboren, kam über den Journalismus zur Literatur. Sie schrieb für »profil« und den »Falter«, berichtete für die »FAZ« vom Prozess gegen den Holocaust-Leugner David Irving und legte 2005 mit »Vienna« ein Debüt vor, das die eigene Familiengeschichte zur Erzählung eines Jahrhunderts machte. Es folgten »Lässliche Todsünden«, »Quasikristalle«, der Erzählband »Tiere für Fortgeschrittene« und 2021 der Bestseller »Dunkelblum«. Menasse mischt sich ein: Ihr Essay »Alles und nichts sagen« nahm 2023 den Zustand der öffentlichen Debatte auseinander, 2025 erhielt sie den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. Ihr Roman »Alleinruhelage« ist erst vor wenigen Wochen bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Nach dem Ende der Ehe steht die namenlose Erzählerin mit einem Wochenendhaus im ostdeutschen Kiefernwald allein da. Sie räumt, renoviert, verhandelt mit Nachbarn und mit der eigenen Vergangenheit – und beschließt schließlich zu verkaufen. Der österreichische Immobilienbegriff des Titels wird zur Diagnose einer Lebensmitte. Erzählt wird nicht chronologisch, sondern assoziativ, zwischen Maulwurfshügeln und geplatzten Wasserleitungen blitzt die deutsch-deutsche Geschichte auf. Eine Wienerin in doppelter Fremde.

Noch mehr Literatur

Eva Schmidt, 1952 in Lustenau geboren, in Höchst aufgewachsen und seit Jahrzehnten in Bregenz lebend, zählt zu den genauesten Erzählerinnen des Landes. Nach dem Debüt »Ein Vergleich mit dem Leben« (1985) und dem Roman »Zwischen der Zeit« (1997) schwieg sie fast zwanzig Jahre. »Ein langes Jahr« brachte sie 2016 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises, »Die untalentierte Lügnerin« 2019 auf die Longlist. »Neben Fremden« handelt von Abschied und Verlust und von der Suche nach Nähe. Rosa, pensionierte Krankenpflegerin, lebt allein mit ihrem Hund; die Nachbarn halten Distanz, das Verhältnis zur pflegebedürftigen Mutter ist zerrüttet, und der Mann, mit dem sie eine späte Verbindung eingegangen ist, stirbt überraschend. Was bleibt, ist sein Campingbus. Schmidt erzählt das in kurzen Sätzen, ohne Pathos und ohne ihrer Figur zu schmeicheln. In Bizau liest sie zudem aus einem neuen Manuskript.

Erweitert wurde das Programm heuer um zwei Namen: Sarah Wipauer stellt ihr Romandebüt »Fehlende Gespenster« vor, ein historisches Verwirrspiel; der Sprachartist Markus Köhle spricht über »Arbeiterkind«, die Geschichte seiner Tiroler Herkunft. Durch die Abende führen Walter Fink, Georg Sutterlüty und Jürgen Thaler. Die Lesungen finden am 25. und 27. August im Gebhard-Wölfle-Saal in Bizau statt, jeweils um 19.30 und um 20.30 Uhr. Karten können unter info@felderverein.at oder unter der Nummer 05574 511 44 0 55 reserviert werden.