Ein letzter Gruß an Monika Helfer: Michael Köhlmeiers bewegender Abschied

Sie waren über Jahrzehnte als Schriftstellerpaar verbunden – als Eheleute, Eltern, Freunde und künstlerische Weggefährten. Nach dem überraschenden Tod von Monika Helfer am 2. August 2026 veröffentlicht Michael Köhlmeier einen sehr persönlichen Abschied in den VN.
An Monika
Von Michael Köhlmeier
Wie ich dich auf der Bühne stehen sah, im Theater in Mainz, als du den Carl Zuckmayer-Preis entgegengenommen hast, am Beginn dieses Jahres war es – so ruhig bist du dagestanden, dein Lächeln, das mir unser ganzes Leben lang Herzklopfen gemacht hat.
Am Morgen im Hotel, beim Frühstück, habe ich zu dir gesagt: Monika, geh nicht gleich von der Bühne. Ich weiß ja, das ist dir immer unangenehm gewesen, öffentlich gelobt zu werden. Du hast Angst, angeberisch zu wirken. – Gerade du! –
Ich sagte: Lass dich feiern. Ein bisschen wenigstens. Der Ministerpräsident verließ die Bühne, der Oberbürgermeister, Vea Kaiser, die Laudatorin, die so einfühlsam und kenntnisreich über dein Werk gesprochen hatte – und dann warst du allein gewesen. Mitten auf der Bühne. Und tausend Menschen haben dir applaudiert. Von ihren Sitzen sind sie aufgestanden und haben dir applaudiert.
Und da ist dein Gesicht ganz ruhig geworden. In dem blauen Kleid warst du dagestanden, an die Ärmel hast du noch am Tag zuvor etwas Schönes angenäht, wie du es immer getan hast, nie hast du etwas Gekauftes gelassen, wie es war. Wenn du den Finger auf ein Ding gelegt hast, war es dein Ding und ist schön geworden. Tausend Geschichten hast du erzählt und niedergeschrieben.
Das Schönste in meinem Leben warst du.
